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In This Very World
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Info
Musikrichtung:
Avantgarde
VÖ: 27.03.2026 (Crammed Discs) Gesamtspielzeit: 54:56 Internet: https://stevenbrowntuxedomoon.bandcamp.com/ https://store.pias.com/ |

Ja, ich erinnere mich noch genau, als mich ein damaliger Bekannter aus Köln mit einer Musikrichtung konfrontierte, die mir völlig fremd war Ende der siebziger Jahre. Musik abseits der „Normalität“, Experimental, Avantgarde, New Wave etc., und daraus resultierten dann Plattenkäufe von beispielsweise Bands wie This Heat oder Tuxedomoon. Damit sei der Bogen geschlagen zu dieser Rezension der Veröffentlichung In This Very World von Steven Brown. Denn Brown war es, der gemeinsam mit Blaine L. Reininger 1977 in San Francisco die Band Tuxedomoon gründete.
Zwar klingt diese Musik auf In This Very World anders, aber immerhin ist Reininger auf einem der Songs zu Gast, auf „Wordsworth“ spielt er Violine. Brown selbst war später auch solo recht aktiv, bereiste Europa und lebte/lebt in Mexiko und gründete diverse Bands. Wenn ich bemerkte, dass die hier vorgestellte Musik anders klingt, dann gilt das grundsätzlich für alle zwölf Songs des Albums, denn ist durchaus faszinierend, festzustellen, wie es der Protagonist vollbringt, eine besondere Kombination diverser Stilelemente oder/und Genres zu verwenden, um eine eigene und individuell geprägte Stimmung zu erzeugen, und hierbei diese jeweiligen Räume zu nutzen für seine ideenreiche und vielfältige Gestaltung.
Im Einzelnen möchte ich folgende Beispiele herausheben, um einen ungefähren Eindruck davon zu schildern: Mit dem wortlosen Gesang von Sarmen Almond, Klarinettenklängen und einem Bläserarrangement startet es mit „Stars“, einem Song, der immer wieder unterbrochen wird und einen recht skurrilen Eindruck hinterläßt. Durch „Wordsworth“ mit einer melodischen Kombination von Cello und Trompete sowie der Violine von Reininger, unterstützt durch das Pianospiel des Protagonisten, entwickelt sich der weitere Eindruck eines ungewöhnlichen Hörerlebnisses.
„Danza De La Pluma“ enthält folkloristische Elemente Mexikos und schon stößt man auf eine weitere Variante dieser Vielfalt der Musik dieses Albums. Erstaunlich, wie eine der Fremdkompositionen hier auch eingebunden werden, denn „Panic In Detroit“ stammt von David Bowie, und dessen bereits recht ungewöhnliche Version wird hier noch getoppt und klingt nun nach Steven Brown!
Noch ein wenig ungewöhnlicher trifft mich der „Waltz Nr.2“, ja, diese Komposition stammt vom klassischen Komponisten Dimitri Schostakowitsch! Klar, das ist natürlich ein Walzer und wie wurde das nun umgesetzt? Lucy French leitet mit dem Cello ein, Streicher und Bläser stützen diese Interpretation im Walzertakt, dazu erklingt das mexikanische Saiteninstrument Jarana. Ganz anders wiederum erklingt das von Ryan Weinstein geschriebene „Work“, mit Texten von Brown versehen. Hier haben Elemente des Rock Einzug gehalten, Weinstein selbst spielt mit und Brown liefert ein Solo mit dem Altsaxofon.
„Lontano“ wiederum trägt partiell freie Züge, so, als hätte man Elemente des Free Jazz verarbeiten wollen, und zum Abschluss gibt es einen Livesong mit „Nella Terra“, der stark geprägt wird vom Gitarrenspiel Benjamin Glibert's und wetteifert mit der Trompete und dem Altsaxofon, hier lässt man locker und entfernt sich von sonst eher gefestigten Strukturen, interessant wäre in diesem Zusammenhang eine komplette Liveaufnahme erleben zu können. Ach, was mir noch bleibt, ist, anzumerken, ob ich überhaupt einen Vergleich zu annähernd ähnlicher Musik ziehen kann. Genau das fiel mir schwer, doch letztlich kam mir dann doch eine Formation in den Sinn, und das ist das Penguin Cafe Orchestra, von jener Band meine ich, diverse Annäherungen zu spüren.

Trackliste
2 Wordsworth (3:15)
3 Danza de la pluma (3:08)
4 Panic In Detroit (3:46)
5 Nakba (3:58)
6 Cheran (4:36)
7 Waltz Nr.2 (4:31)
8 Pyramides (4:00)
9 Work (5:43)
10 Lontano (6:06)
11 Luce (6:08)
12 Nella Terra (Live) (6:32)
Besetzung
Luc van Lieshout (trumpet, harmonica)
Benjamin Glibert (jarana, upright bass, guitar)
Nikolas Klau (synths, samplers, organ)
Steven Brown (voice, clarinet, alto sax, piano, Fender Rhodes, synth, organ)
Lucy French (cello)
Facundo Vargas (trombone)
Blaine Reininger (violin)
Oxama (percussion, electronics)
Julio Garcia (electric and acoustic guitars, jarana)
Benjamin Anaya (guitar)
Mabe Fratti (cello)
Lazaro Javier Hernandez Cruz (violin, viola)
Ryan Weinstein (guitar, bass, synthesizer, keys)
Manuel Aguilera (guitar)
Sergio Merida (Spanish voice)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

