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Decisions We Make
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Info
Musikrichtung:
Chamber Jazz
VÖ: 20.03.2026 (BMC) Gesamtspielzeit: 48:53 Internet: https://bmcrecords.hu/ |

Der Perkussionist András Dés lebt seit 2018 in Wien, stammt jedoch aus Budapest. Mit seinem Quartett hat er weitere wichtige Musiker der Wiener Jazz-Szene für das aktuelle Album Decisions We Make vereint, Philipp Nykrin (Klavier), Martin Eberle (Trompete) und Kenji Herbert (Gitarre). Es wird sehr harmonischer und melodischer Jazz moderner Ausprägung geboten, mit viel Freiraum für Improvisation.
Mit einem sehr interessanten Song startet der Reigen der zwölf Songs. Bereits hier gibt es einige „Auffälligkeiten“, es gibt einen gesprochenen Part, von Beginn an viel Geraschel der Perkussion, dafür kein strikter durchgehender Rhythmus. „Büntelem“ erinnert mich an die Musik des Labels ECM, hier mit einem sich langsam entwickelnden Aufbau flächiger Strukturen, András setzt mit diversen Perkussionsinstrumenten ständige Zeichen, die durchgehend wahrzunehmen sind, hier ein helles Klingeln, dort ein Rasseln, dann auch ein wenig Beckengeräusche, und die Nutzung des kompletten Drumsets. Nach den einleitenden Trompetenpassagen ist es der Pianist, der federführend seine Vorträge einflicht, dazwischen meldet sich Kenji Herbert immer wieder einmal kurz mit der Gitarre.
Und diese Gitarre wird später dann noch vehementer und konkreter und tonangebender auftauchen, im Übrigen ist es sehr interessant, wie die Strukturen aufgebaut sind, denn man hat beim vierten Song eigentlich immer noch den Eindruck, es handele sich um den ersten Titel. Das heißt, dass eine strikte Trennung gar nicht einmal auffällt, sondern ich eher das Gefühl habe, Decisions We Made sei aus einem Guss entstanden.
Sehr erfreulich ist die Tatsache, dass diese Musik so gar nicht fixiert ist auf besondere Merkmale in ihrer Ausprägung, auf bestimmte Strukturen, sondern Bilder wie aus dem Augenblick zu entstehen scheinen, um auf die anfangs erwähnte Gitarre zurückzukommen, „People At Places“ räumt dem Instrument sehr viel Spielraum und Gestaltungsfreiheit ein. Und hierbei fällt mir auf, dass Kenji Herbert nicht unbedingt einen Sound vorträgt, der spontan zu vergleichen wäre mit dem Spiel einiger Kollegen. Denn sehr viel Individualität steht im Vordergrund, wobei sich diese individuell gestalteten Passagen letztlich auf jeden Einsatz jedes Instruments beziehen.
So entsteht ein äusserst mitreissender Sound, Musik für Kopf und Seele, Emotionen diverser Prägung, virtuose Einschübe, fließende Passagen des Trompeters Martin Eberle, und obwohl ein eigentlich fehlender Bass vermisst werden könnte, wird er es hier nicht, denn in diesem wunderbaren Topf von mit Jazz und Kammermusik gefüllten Elementen sind all' diese Zutaten aufs Großartigste gerührt worden zu diesem Ergebnis voller Kreatitivität. Ein ständiger Fluss der Kreativität, der Spontaneität ist es, der diese Musik so unendlich strahlen lässt und mich als Hörer in die Lage versetzen kann, gefesselt und gebannt zu lauschen, und genau das ist es, was in große Freude versetzt.
Doch was ist es, dass man so mitgerissen werden kann? Ich denke, die vier Musiker sind so gar nicht „akademisch“ ans Werk gegangen, gleichwohl von hoher musikalischer Qualität, es sind wohl die nach außen gekehrten Emotionen, die sich wie aus einer Basis von Ruhe entwickelt zu haben scheinen, die, sofern man sich darauf einlassen kann, diesen Dialog zwischen Musikern und Hörern entstehen lassen können. Ich jedenfalls fühle mich in diesem „Fünfergespräch“ sehr gut aufgehoben und genieße die mir gebotene Unterhaltung, mit Musik, die irgendwie anders ist.

Trackliste
2 Homo Ludens I (1:56)
3 People at Places (5:18)
4 Homo Ludens II (1:11)
5 Brigittenauer Ballad (7:02)
6 Homo Ludens III (3:23)
7 Banán Klub (2:20)
8 Homo Ludens IV (3:07)
9 Obsession Unlimited (6:50)
10 Unspoken (3:11)
11 Dad Jokes (6:10)
12 After the 20th (3:02)
Besetzung
Philipp Nykrin (piano)
Kenji Herbert (guitar)
András Dés (percussion)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

