Reviews
Born to run
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Info
Musikrichtung:
Rock
VÖ: 25.08.1975 (Columbia / Sony) Gesamtspielzeit: 39:30 Internet: http://www.brucespringsteen.net |

„Ich habe die Zukunft des Rock ’n’ Roll gesehen, und ihr Name ist Bruce Springsteen.“ schrieb der Musikkritiker Jon Landau am 22. Mai 1974 in der Bostoner Wochenzeitung The Real Paper in einem Bericht über den Auftritt des damals noch recht unbekannten Rockmusikers Bruce Springsteen im Vorprogramm von Bonnie Raitt.
Angesichts des Status, den Springsteen sich erarbeiten konnte, muss man sagen, Landau hat den richtigen Riecher gehabt. Barack Obama sollte später sagen: „Ich bin der Präsident. Aber er ist der Boss.“ Und so ist Landaus Satz fast so legendär geworden, wie das Album, das ihm folgen sollte.
Wenn ich mir Born to run heute anhöre, habe ich Schwierigkeiten, die Begeisterung Landaus völlig zu teilen. Das hat seinen Grund. Als Born to run 1975 erschien, war ich 12 und musikalisch mit anderem beschäftigt als mit US-amerikansichem Heartland-Rock. Springsteen habe ich erst später lieben gelernt – durch Dakness on the Edge of Town und vor allem The River. Born to run habe ich mir erst vor 25 Jahren, also 2001, zugelegt. Darum ist es nun im März 2026 Thema meiner Monats-Kolumne. Einen Großteil der Stücke kannte ich damals schon – von dem 3-CD (oder 5-LP) Live Album Live 1975 – 85. Und Springsteen live ist nun noch mal was ganz anderes, als der Boss im Studio. Und so fallen die hier zu hörenden Versionen gegenüber den Live-Takes, die ich im Ohr habe, deutlich ab.
Bruce Springsteen gilt bis heute, trotz seines immensen Erfolges, als das ehrliche authentische Sprachrohr der einfachen Menschen. Alben wie Born to run haben die Grundlage für diesen Ruf gelegt. Das Biotop des “Boss” sind die „Backstreets“ nicht die glamourösen Boulevards. Dort lebt er das Leben mit, das die Freiheit gerne in der Nacht und auf der „Thunder Road“ sucht, wo die Hoffnung aufkeimt, wenn man dem oft trostlosen Alltag (mit dem Fuß auf dem Gaspedal) für eine Weile entkommen kann. Man ist halt nicht mit dem goldenen Löffel geboren worden, sondern „Born to run“.
Und dem Hunger nach Leben, der sich in diesen kleinen Fluchten ausdrückt, kann man auf diesem Album in jeder Rille nachspüren. (Denn eigentlich sollte man die Scheibe nur auf Vinyl und nicht – wie ich gerade jetzt - als CD hören.) Egal ob Big Man Clarence Clemons sein Horn (z.B. auf „Tenth Avenue Freeze-out”) röhren lässt, „Born to run“ als fantastische Rock-Hymne inszeniert wird, fiebrig durch die Nacht („Night“) gezogen wird, oder das Album episch im „Jungleland“ ausklingt.
Es gibt Menschen, die sagen, wenn man nur ein Springsteen-Album haben will, dann sollte es dieses sein. So weit würde ich nicht gehen. Die drei in dieser Review bereits genannten Veröffentlichungen würde ich ihm vorziehen. Aber zumindest das im Laufe der Jahre totgenudelte Born in the USA und praktisch alles, was danach kam, sticht es klar aus.

Trackliste
| 1 | Thunder Road | 4:51 |
| 2 | Tenth Avenue Freeze-out | 3:11 |
| 3 | Night | 3:02 |
| 4 | Backstreets | 6:32 |
| 5 | Born to run | 4:31 |
| 6 | She's the One | 4:29 |
| 7 | Meeting across the River | 3:19 |
| 8 | Jungleland | 9:36 |
Besetzung
Garry Talent (B)
Max M. Weinberg (Dr)
Roy Bittan (Keys, Glockenspiel <1,3>, Back Voc <1>)
Clarence Clemons (Sax)
Gäste:
David Sancious (Keys <5>)
Danny Federici (Orgel <5>)
Ernest Carter (Dr <5>)
Randy Brecker (Trompete <2,7>, Flügelhorn <2>)
Michael Brecker (Sax <2>)
Dave Sanborn (Sax <2>)
Wayne Andre (Posaune <2>)
Charles Calello (Streicher <8>)
Mike Appel (Back Voc <1>)
Steve van Zandt (Back Voc <1>)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

