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Reviews

Aseo Friesacher

Wu Wei & The Art Of Living


Info

Musikrichtung: Modern Jazz

VÖ: 30.01.2026

(Challenge)

Gesamtspielzeit: 53:08

Internet:

https://www.aseomusic.com/
https://www.challengerecords.com/home
https://www.newartsint.com/

2024 war es, als mir das Kaiju Project sehr positiv auffiel. Seinerzeit war es so, dass der aus Wien stammende Pianist und Komponist Aseo Friesacher beabsichtigte, alte Volkslieder in einen neuen, modernen Kontext zu stellen und traditionelle japanische Musik mit kreativem Jazz zu kombinieren, und das war sehr gelungen.

Mit Wu Wei & The Art Of Living legt er nun nach. Beim Vorgängeralbum war für mich entscheidend, dass die Sängerin Waka Otsu und Fuefuki Kana mit Flöten, Shinobue und dem Shakuhatchi wichtige Bestandteile der Musik waren, eben jene Beiden, die dieses traditionelle japanische Element verkörperten und in den Gesamtsound einfließen liessen.

Hier fehlen diese direkten Einflüsse, so dass die Musik mehr auf Jazz ausgerichtet ist. Gleichwohl bedient sich der Protagonisst entsprechenden Grundlagen, wie taoistischer Philosophie, so wie Wu Tei zum Beispiel in etwa bedeutet „Nicht-Handeln“, wie es in der Pressemitteilung heißt, „Nicht-Handeln” – nicht Untätigkeit, sondern müheloses Handeln oder sich mit dem Fluss des Lebens zu bewegen, anstatt gegen ihn anzukämpfen, in Harmonie mit seiner Umgebung zu sein, ohne Zwang zu schaffen, aus der Gegenwart heraus zu leben und sich auszudrücken.

Entsprechend sind die Hintergründe und Aussagen zu jedem der acht Songs in den Liner Notes näher erläutert worden. So geht es im Einzelnen um Sehnsucht nach Einheit in einer geteilten Welt („One“), Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Sicherheit und Bodenhaftung („Home“), „Seven Virtues, Seven Sins“ untersucht die Dualitäten der menschlichen Natur – das Spannungsfeld zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht, Licht und Schatten.

Doch wie sind diese Philosophien musikalisch umgesetzt worden? Zunächst strahlt die Musik von Beginn an sehr viel Ruhe und eine meditative Stimmung aus, mir fällt auf, dass der Saxofonist Claudio Jr. de Rosa sich auf „One“ ein wenig in Richtung Jan Garbarek orientiert. Wie ich eingangs erwähnte, dominiert bei Wu Wei & The Art Of Living eindeutig die jazzige Ausrichtung, und nicht nur Garbarek muss ich vergleichsweise heranziehen, sondern grundsätzlich entdecke ich Parallelen zur Musik einiger Künstler auf dem Label ECM Records. Sehr ausgeprägt steht nun auch das Pianospiel des Protagonisten mehr im Fokus und zeigt ihn als virtuosen und quirligen Musiker.

Die fernöstlichen Elemente stehen nicht mehr so stark im Vordergrund wie vorher, werden gleichwohl jedoch integriert, und die Songs, alle von Friesacher komponiert, stellen ihn mehr in den Fokus mit einem persönlichen und mehr intimen Ausdruck, auf ihn abgestellt, seine Meinung reflektierend, so zum Beispiel mit der Hommage an Sadako Sasaki mit „Blues For Sadako“, es geht um das junge Mädchen, das nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima zu einem Symbol des Friedens wurde. Ihre Geschichte und tausende von Papierkranichen, die sie gefaltet hat, sprechen von Hoffnung, Erinnerung und der Widerstandsfähigkeit des menschlichen Geistes. Dieses Stück ist ihr und allen Opfern des Krieges gewidmet.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Wu Wei (6:51)
2 One (9:09)
3 Home (7:09)
4 Reflections in the Water (5:47)
5 Seven Virtues, Seven Sins (7:49)
6 Samsara (6:26)
7 Blues for Sadako (6:29)
8 Healing (3:25)

Besetzung

Aseo Friesacher (piano, vocals)
Johannes Fend (double bass)
Nikolas Tsangaris (drums, percussion)
Koen Smits (trumpet - #3, 8)
Claudio Jr. de Rosa (tenor saxophone - #2, 7)
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