Reviews
Thousand Shades Of A Clown
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Info
Musikrichtung:
Modern Jazz
VÖ: 23.01.2026 (Challenge) Gesamtspielzeit: 64:00 Internet: https://www.pierreantoinesavoyat.com/ https://www.challengerecords.com/home https://www.newartsint.com/ |

Pierre-Antoine Savoyat, der französische Trompeter, Flügelhornist und Komponist, lebt seit 2016 in Brüssel, Belgien. Bereits im zarten Alter von acht Jahren interessierte er sich für Musik, absolvierte eine Ausbildung am Konservatorium von Villefranche-sur-Saône (Frankreich). dem Konservatorium von Chalon sur Saône und konzentrierte sich wesentlich auf den Jazz am Koninklijke Conservatorium Brussel.
So gilt er als einer der aufstrebenden Jazzmusiker Brüssels, leitet sein Quartett Le Monde Merveilleux de Pépito, mit dem er die aktuelle Veröffentlichung Thousand Shades Of A Clown vorlegt, im Übrigen das zweite Album. Die gemäß Albumtitel eintausend Schattierungen eines Clowns werden mit zehn Songs abgehandelt.
„My Sorrow“, hiermit startet die Geschichte sehr entspannt. Mit ganz luftig leichter Basis durch seine Mitmusiker trägt Savoyat sein Solo vor. Dieser Jazz klingt für mich „klassisch“ als auch modern, gedanklich muss ich an Musik von ECM Records denken, an Musik des Trompeterkollegen Kenny Wheeler, ganz besonders muss ich an dessen Album „Gnu High“ aus dem Jahre 1975 denken. Wie damals auf dem genannten Label wird auf Thousand Shades Of A Clown sehr lyrisch betonte, emotional stark ausgeprägte Musik geboten, die von Schönklang bis Melancholie alle Facetten aufweist.
So kann ich beim Durchhören die Musik stets in jene Zeit der Siebziger verorten, so, wie der Jazz damals klang und sich sehr farbenfroh darstellte, wie hier, wo zwischen Stille und energieladenen Songs alles vertreten ist. Sehr behutsam erklingt zum Beispiel „Silent Cry“, ein Quell der Ruhe und gleichzeitig mit einer großen Spur Mystik ausgestattet, ein verhallter Klang des Flügelhorns und „tupfendes“ Piano lassen den Sound regelrecht schweben, dazu dann noch die Effekte und der Gesang von Lynn Cassiers, das ergibt eine wunderbar geheimnisvolle Atmosphäre! Dieser Song sowie das kurze „Interlude With New Friends“ kommen im Übrigen ohne Rhythm Section aus. Bei allen anderen Songs beweisen die beiden Rhythmiker jedoch eine große Gestaltungskraft und verschmelzen als Bandmitglieder mit dem Ganzen.
So – zur soeben erwähnten Stille das Gegenteil mit dem chaotisch wirkenden „Life Race“. Ja, das Leben ist ein ständiges Rennen, mit all seiner Hektik und Unruhe, mit häufigem Durcheinander, hier erzeugen es die Bläser von Trompete, Saxofon und Flöte, mit der sich Lúcia Pires dann noch für einen Solobeitrag löst. Ja, diese plötzlich einsetzende emotionale Eruption bildet einen Gegenpol, und trägt zur Farbenfrohheit der Musik, gesamtheitlich betrachtet, bei, ein wirklich buntes Kaleidoskop!
Und irgendwie auch unerwartet startet dann der Song „Soitude“ mit flirrenden Klängen von Flöte und gestrichenem Bass, und das geheimnisvoll wirkende Element wird auch hier, wie auf fünf Songs zusammen, von Lynn Cassiers beigetragen. Hier wird der Jazz dann in gewisser Weise „kammermusikalisch“, nicht wirklich greifbar als Jazz im üblichen Sinne. Dem kommen wir mit „Can We Start To Love? Bastards!“ dann wieder näher, und hier lande ich dann vergleichsweise wieder bei Kenny Wheeler und seiner Musik. Doch Savoyat kopiert diesen natürlich nicht, ich empfinde letztlich nur die Stimmung vergleichsweise, denn hier zeigt der Franzose durchaus seinen eigenen Ausdruck mit einer relativ ruhig angelegten Spielweise, die auf dem eben genannten Song im Kontrast steht zum wilden Pianospiel von Simon Groppe, welch ein sich brillant ergänzender Gegensatz! Zwischen diesen beiden Stimmungen angesiedelt spielt Alexandra Grimal ihr Solo auf dem Tenorsaxofon, vielleicht ist dieses mein Lieblingssong? Welches Gesicht zeigt der Clown hier wohl?

Trackliste
2 Sorry (5:29)
3 Keeping The Hope (8:12)
4 Silent Cry (6:03)
5 Life Race (6:38)
6 Solitude (9:17)
7 Can We Start To Love? Bastards! (8:18)
8 Interlude with New Friends (1:59)
9 Epic Short Story (6:22)
10 In Good Company (5:29)
Besetzung
Simon Groppe (piano - #1-7, 9, 10)
Fil Caporali (double bass - #1-3, 5-7, 9, 10)
Oscar Georges (drums – 1-3, 5-7, 9, 10)
Alexandra Grimal (tenor - #3, 5, 7-10 & soprano sax - #6))
Lúcia Pires (flute - #5, 6, 8-10)
Lynn Cassiers (vocal & FX -#4-6, 8, 10
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

