····· Die Metal Church hat ihren 14.(?) Gottesdienst veröffentlicht ····· Neues Solo-Album des Stryper-Frontmanns Michael Sweet ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

The New York Second

Café Madrid


Info

Musikrichtung: Meditativer Jazz

VÖ: 02.2026

(Eigenveröffentlichung)

Gesamtspielzeit: 64:20

Internet:

https://haraldwalkate.com/

Café Madrid ist das nunmehr sechste Album der Band um den niederländischen Pianisten und Komponisten Harald Walkate unter dem Namen The New York Second. Selbst hatte ich das Vergnügen, in den letzten Jahren drei Veröffentlichungen zu rezensieren, das war 2022, 2023 und 2025.

Jedes Mal fand sich eine bestimmte Besetzung zusammen, nun wird das Quartettformat angeboten. Als ganz besonderen Aspekt wurde auf das Mitwirken eines renommierten New Yorker Musikers hingewiesen, das ist Rob Waring am Vibrafon, Jemand, der im Jazz als auch in der klassischen Musik unterwegs ist. Und tatsächlich ist er sehr wichtig im Umfeld dieses Sounds dieser Platte, wie auch schon für das Vorgängeralbum „Room For Other People“, wo er mit seinen melodischen Einsätzen sehr zur Abrundung beitrug. Doch nun im Quartettformat wird dem Vibrafonisten eine größere Rolle zugewiesen, steht er doch mehr im Mittelpunkt des Geschehens und bestimmt hinsichtlich der Solobeiträge mit Harald Walkate zusammen die Gestaltung.

Die Rhythm Section mit Lorenzo Buffa und Max Sergeant kann auch in diesem Format erneut mit hohem Einfühlungsvermögen und mit brillianter Eleganz überzeugen. Grundsätzlich mag sich dieses Format sicher von den vorherigen Produktionen unterscheiden, doch wenn ich mich zum Beispiel auf den Titelsong von „Room For Other People“ berufe, dann kann ich gut und gerne einen Bogen schlagen zu Café Madrid. Denn ebenso einfühlsam und hoch emotional, mit großartiger Eleganz inklusive, wird die Musik auf den elf neuen Songs vorgestellt, die einen hohen Grad von empfindsamer und einfühlsamer Tiefe ausstrahlen.

„One Sunday“ bietet einen sehr angenehmen Einstieg mit einer „mitternächtlich“ wirkenden Stimmung, sehr entspannend, sehr melodisch und ein wärmendes Gefühl im Solarplexus erzeugend.
„As The Crow Flies“, das erweckt bei mir ganz andere Assoziationen, hier muss ich spontan an einen anderen Dialog zwischen Piano und Vibrafon denken, und zwar zwischen Chick Corea und Gary Burton, wie die Beiden das ganz wunderbar auf der gemeinsamen Veröffentlichung aus 1972, „Crystal Silence“ darstellten. Beide Musiker, gemeinsam mit dem Produzenten Manfred Eicher von ECM Records legten damit die Meßlatte für ein solches Jazz-Duo ein Stück höher. Und genau diese Lyrik in der Darstellung einiger jener Songs spüre ich auch hier mit „As The Crow Flies“, und ebenfalls schlägt sich das nieder mit „Now It's Just You And Me“.

Und überhaupt, grundsätzlich betrachtet, scheinen sich Ruhe und Schönheit im Ausdruck wie eine Art Leitmotiv durch alle Songs von Café Madrid zu bewegen. Dieses zeigt sich in unterschiedlicher Gestalt, zum Beispiel wenn auf dem Titelsong ein sehr warm und weich klingendes Bass-Solo voll emotionalen Ausdrucks mit ganz zartem Anstrich erklingt.

Und so ist erneut ein hervorragendes Album entstanden, mit Musik, die mich unweigerlich auffordert, ganz einfach einmal den Alltag zu vergessen, und mich fallen zu lassen, mich gedanklich in dieses Café Madrid zu begeben und diese elf Köstlichkeiten zu genießen. Somit ist hier nicht unbedingt ein reines typisches Jazz-Album entstanden, sondern, wie soll ich es nennen (?), eine Art sehr meditativer Musik, die mich von einem hektischen Äußeren in eine warm strömende Innenwelt entführt. So empfinde ich durchaus auch Anspielungen und Elemente aus der Welt der klassischen Musik vorzufinden. Erst im letzten Song öffnet sich das Quartett etwas hin zu einem sanft coolen Groove und bringt noch ein anderes Element ein.

Ja, diese Art der Entschleunigung sollte allen Menschen empfohlen werden, die sich auf diese elf „Erzählungen“ einlassen zum Abschalten aus einer hektisch geprägten Welt, vorausgesetzt, man ist dem Jazz grundsätzlich ein wenig zugeneigt, denn ein purer Jazz-Fan muss man nicht unbedingt sein, um sich einzulassen. Einzulassen auf einen großen Raum voller Träume, die hier Wirklichkeit werden können, ohne gedrängt und getrieben zu werden. Ja, somit gerate ich rasch in einen Zustand des Philosophierens, des Nachdenkens, und so denke ich, dass sich ein Besuch im Café Madrid sehr gelohnt hat. Ich werde die CD nicht allzuweit weglegen, damit ich die stets wieder griffbereit habe, um einzukehren.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 One Sunday (8:04)
2 As The Crow Flies (4:14)
3 Algerian Boardwalk (5:01)
4 Skylines (4:43)
5 Cafe Madrid (5:56)
6 West By Northwest Boulevard (5:17)
7 The Lost Christmas (5:24)
8 So Long (5:47)
9 And Then It's Gone (6:22)
10 Now It's Just You And Me (6:04)
11 Grow Your Quiet Fortune (6:40)

Besetzung

Harald Walkate (piano)
Rob Waring (vibraphone)
Lorenzo Buffa (double bass)
Max Sergeant (drums)
Zurück zum Review-Archiv
 


So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger