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Reviews

Solemn Lament

Solemn Lament


Info

Musikrichtung: Doom Metal

VÖ: 19.08.2022

(Svart)

Gesamtspielzeit: 22:38

Internet:

solemnlament.bandcamp.com
http://www.svartrecords.com/en

Während der Pandemie hatten viele Musiker deutlich mehr Zeit als sonst, und so taten sich allerorten neue Konstellationen zusammen. Auch Solemn Lament hätte es ohne ein gewisses Virus vielleicht gar nicht gegeben, und ihre in dieser Zeit entstandene Debüt-EP stellt nicht nur das erste, sondern bis zum Rezensionszeitpunkt auch das einzige Tondokument des Quintetts dar, veröffentlicht anfangs nur online und letztlich auch noch als CD bei Svart Records. Mit dem Ende der Pandemie haben zumindest zwei der Musiker wieder anderweitig alle Hände voll zu tun: Für Drummer Justin DeTore listet die Encyclopedia Metallum neben zwölf (!) Ex-Bands auch elf (!!) Combos auf, in denen er aktuell gleichfalls hinter der Schießbude sitzt, inclusive Solemn Lament also ebenfalls zwölf. Der szeneintern wohl bekannteste Name dürfte der von Sänger Phil Swanson sein, und auch hier finden wir in genannter Datenbank elf Ex-Formationen und neben Solemn Lament noch sieben andere, bei denen er aktuell am Mikrofon steht oder zumindest live aushilft. Bassist Drew Wardlaw und Leadgitarrist Adam Jacino kommen von Blind Dead, und nur für Rhythmusgitarrist Eric Wenstrom konnte der Rezensent aktuell noch kein anderes Betätigungsfeld ausmachen.
Die selbstbetitelte EP startet mit einem sanften Akustikintro von nur etwa einer Minute Länge, was für die drei „richtigen“ Songs einen Siebener-Schnitt ergibt und nahelegt, dass wir hier weder Funpunk noch Grindcore hören werden. Nein, Solemn Lament spielen Doom Metal in klassischer Form, allerdings in relativ eigentümlicher Ausprägung. Zum einen wurzeln sie natürlich in Black Sabbath, und Swanson liefert seinen typischen hohen, entfernt an Ozzy orientierten, aber problemlos von diesem unterscheidbaren Gesang. Zum anderen aber ersetzen sie deren Blueswurzeln durch eine konsequente classicmetallische Orientierung, was nicht zuletzt auch den Einsatz zweier Gitarristen bedingt. Zum dritten schließlich holen sie einen Teil ihrer Gitarrenmelodik aus dem klassischen Gothic Metal der Frühneunziger – besonders schon durchzuhören ist das im Closer „Stricken“, aber schon der sehr langsame Schlußteil von „Celeste“ hat deutlich in diese Richtung gewiesen, dort freilich mit zweistimmigen Gitarrenlinien und teils auffälligem Baß, wie man es etwa von den frühen Paradise Lost, die konsequent mit der Trennung von Lead- und Rhythmusgitarre arbeiteten, nicht kannte. Wenn sich Jacino dann über dem Untergrund auch noch zu einer langen und sehnsuchtsvollen Sololinie aufschwingt, ist man sich eigentlich sicher, dass hier noch etwas richtig Großartiges folgen muß. Leider trügt diese Hoffnung, und der Song wird nach neun Minuten mitten in diesem großartigen Solo sang- und klanglos ausgeblendet. Hier verschenken Solemn Lament eindeutig kreatives Potential. Die beiden anderen Songs legen sie von vornherein ein wenig kompakter an, wobei DeTore die niedrigen Tempolagen auch hier konsequent beibehält – das schleppende Midtempo von „Old Crow“ ist das Zügigste, wozu er sich hinreißen läßt, und zugleich klingt Swanson hier am stärksten nach Ozzy und Wenstrom nach Tony Iommi, wobei es immer noch genügend Abgrenzungspunkte zu Black Sabbath gibt, am auffälligsten natürlich Jacinos Leads, die in diesem Falle konsequent aus der Schule von Greg Mackintosh kommen, das Hauptsolo nach Minute 4 ausgeklammert, das allerdings auch wieder dramaturgisch ins Leere führt, diesmal freilich wenigstens mit einem „richtigen“ Songschluß. Ziemlich eigenständig gebärden sich die Akustikgitarrenpassagen, die nach dem paradiselostigen Intro die Strophen von „Stricken“ prägen, von Swanson mit besonders emotionsgeladenem Gesang begleitet werden und im Outro nochmal wiederkehren, nun allerdings mit merklich verdüsterter Harmonik und leider wieder etwas einfallslos ausgeblendet. Ob sich Solemn Lament tatsächlich noch zu einem vollen Album aufraffen können, bleibt abzuwarten, aber die Debüt-EP ist für alle, die eine durchaus originelle Doom-Variante entdecken wollen und mit den genannten dramaturgischen Problemchen leben können, ein gefundenes Fressen.



Roland Ludwig

Trackliste

1Intro1:35
2Celeste9:05
3Old Crow5:12
4Stricken6:41

Besetzung

Phil Swanson (Voc)
Adam Jacino (Git)
Eric Wenstrom (Git)
Drew Wardlaw (B)
Justin DeTore (Dr)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger