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Reviews

Jackal

A Safe Look In Mirrors


Info

Musikrichtung: Progressive Metal

VÖ: 09.06.2023 (1994)

(Jolly Roger)

Gesamtspielzeit: 55:35

Internet:

http://www.jollyrogerrecords.com

Die Dänen Jackal besaßen Ende der 80er eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für den Start einer größeren Karriere: Die dänische EMI-Dependance hatte gemerkt, dass man auch mit relativ anspruchsvoll strukturiertem Metal Marke Queensrÿche ordentliche Umsätze erzielen kann, und ermöglichte dem jungen Quartett die Aufnahme des Debütalbums Rise, wofür die Musiker sogar eigens in die USA flogen. Nur gelang es nicht, die EMI-Dependancen anderer Länder für die Band zu interessieren, so dass Rise zunächst nur in Dänemark veröffentlicht wurde, und nachdem dort für die Größe des Landes ganz ordentliche, aber die Label-Erwartungen klar untertreffende 2000 Exemplare abgesetzt wurden, standen Jackal so schnell wieder ohne Deal da, wie sie zu ihm gekommen waren. Nur Pony Canyon rochen den Braten, brachten Rise flugs in Japan heraus und durften sich über einen so guten Erfolg freuen, dass der Markt in Fernost für Jackal wie für viele andere Bands des melodischen Metal-Spektrums zum bedeutendsten weltweit wurde. Ergo war genug Motivation für weitere Tonzeugnisse da, und für den Zweitling Vague Visions fand man dann nicht nur in Japan, sondern auch gleich im benachbarten Schleswig-Holstein eine Veröffentlichungsmöglichkeit: Rising Sun Records, spezialisiert auf progressiv-melodischen Liebhaberstoff, brachten Vague Visions und dann ebenso den Drittling A Safe Look In Mirrors auch dem deutschen Anspruchsmetaller näher. In der großen Betrachtung kamen Jackal karrieretechnisch aber auf keinen grünen Zweig und gaben letztlich irgendwann in der zweiten Hälfte der Neunziger auf. Wie so viele andere Bands erhoben auch sie sich allerdings wieder vom Bandfriedhof, wobei das sinnigerweise IV getaufte erste neuzeitliche Tonzeugnis aber noch hier auf dem großen Stapel der Ungehörten liegt und strukturell aus dem Rahmen fiel, da außer Sänger Brian Rich kein weiteres Altmitglied vertreten ist. Zu weiteren Alben kam es nicht, und da Rich mittlerweile verstorben ist, dürfte die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Aktivitätsperiode eher gering sein.
Eine latente Nachfrage nach den alten Werken scheint es bei der jüngeren Generation allerdings durchaus zu geben, und so legen die Re-Release-Spezialisten Jolly Roger Records A Safe Look In Mirrors neu auf, und zwar in einer Fassung, die sich bis auf die beiden Bonustracks, nämlich „Bell“ und „When The Light Is Comin‘ Down“ in Unplugged-Fassungen, nicht vom 1994er Original unterscheidet und auch keine Infos über den Kontext dieser Unplugged-Fassungen enthält, wobei die zweite offenkundig live vor einen kopfzahlmäßig sehr überschaubaren Publikum mitgeschnitten worden ist, während die erste im Studio entstanden sein dürfte.
Die zehn regulären Tracks bewegen sich weiterhin im melodischen und angeproggten Metal, wie das schon auf Vague Visions der Fall gewesen war – allerdings hat das Quartett den Progfaktor noch ein wenig nach oben geschraubt und legt viele Melodielinien einen Tick unzugänglicher an, ohne deswegen aber in unhörbare Gefilde abzugleiten. Schon der eröffnende Titeltrack hätte praktisch 1:1 auch auf Vague Visions stehen können, während das kernige Auftaktshouten von Rich im folgenden „Nothing To Lose“ schon andeutet, dass die vier Dänen auch ein paar zeitgemäßere Einflüsse zulassen, freilich nicht so, dass das ihren Sound irgendwie verwässern würde. Aber die groovigen Parts in „Just A Little Closer“, die gekonnt mit dem typischen Stil verwoben werden, fanden auf Vague Visions noch kein Pendant und die leicht angeblueste Gitarrenarbeit von Benny Petersen in „What’s It Gonna Be“ auch noch nicht, zumal auch in letzterem Song der Vokalist erstmal kurz herzhaft ins Mikrofon brüllt, bevor er zu seinem angestammten Fach zurückkehrt, das bekanntermaßen dem von Bruce Dickinson sehr ähnlich ist – bei einem Blindfoldtest könnte man die beiden, wenn sie sich in Dickinsons typischster Stimmlage aufhalten, kaum unterscheiden. Und das Schöne an der Sache ist, dass man Rich diesbezüglich keinen Deut böse zu sein gedenkt – er singt nun einmal so, wie ihm die Stimmbänder gewachsen sind, und kopiert den Briten nicht vorsätzlich, zumal in den zurückhaltenden tieferen Passagen die Stimmfarben doch ein Stück weit auseinanderdriften. Und da über die Qualität des Gesangs nichts zu meckern ist, sollte der Freund von Gesang in dieser Stilistik eher froh sein, dass es neben Dickinson noch einen Kandidaten gibt, der ähnlich singt (und auch ähnlich gut!). Zwischen Rise und Vague Visions hatte Rich übrigens auch noch das gleichfalls formidable, allerdings etwas mehr im klassischen Melodic Rock bzw. Melodic Metal anzusiedelnde selbstbetitelte Narita-Debüt eingesungen, und wer diese Stimme mag, kann selbiges Werk bedenkenlos gleich mit verhaften, wenn es denn irgendwo aufzutreiben ist. Interessantes Detail am Rande: Die Unplugged-Live-Version von „When The Light Is Comin‘ Down“ offenbart, dass auch noch ein fähiger Backgroundsänger zur Band gehört, der hinter den Refrain einen gekonnten hohen Hintergrund legt. Die Wildwest-Geräusche, die dann später noch kommen, sind natürlich für diese Wertung nicht heranzuziehen, machen aber andererseits deutlich, dass Jackal Humor haben.
Alle zehn Songs auf A Safe Look In Mirrors sind Eigenkompositionen, auch bei „Dream On“ handelt es sich also nicht etwa um eine Nazareth-Coverversion. Aus dem balladesken Intro entwickelt sich abermals eine ziemlich vielschichtige Nummer, die irgendwie viel länger anmutet als die nur reichlich fünf Minuten, die sie in Wirklichkeit dauert. Große Epen sind die Sache der vier Dänen nicht, sie halten ihre Songs eher kompakt, ohne aber natürlich auf so manches Kabinettstückchen zu verzichten, speziell in Petersens Gitarrenarbeit. Die ist wie erwähnt auch für einen guten Teil des etwas „moderneren“ Feelings mancher Songs verantwortlich, wie in „Taken Away“ oder im einleitenden Riff von „The Lonely“ deutlich wird, das letztlich dann auch songtragende Funktion einnimmt, von Drummer Per Fisker zudem relativ komplex untertrommelt. Dazwischen lagert die Vollversion von „When The Light Is Comin‘ Down“, die auch schon relativ umfangreich mit Akustikelementen ausstaffiert worden ist, sich somit für eine komplette Unplugged-Umsetzung praktisch anbietet. Der verzögerte Ausklang ist allerdings in der Originalversion deutlich wirkungsvoller. „Journey“ pendelt zwischen angedüsterten Halbakustikparts und relativ geradlinigen Power-Passagen gekonnt hin und her und stellt neben dem Titeltrack die wohl stärkste Nummer von A Safe Look In Mirrors dar. Was das Album noch aufgewertet hätte, wäre ein furioses Instrumental wie „2001“ vom Vorgänger – nicht weil man sich eine Pause von Richs Stimme wünschen würde, sondern weil auf jenem Stück Petersen mal richtig vom Leder ziehen und sein immenses Können in den Vordergrund stellen konnte. Der Drittling endet statt dessen mit „Up The Ashes“, das sich immerhin auch nur knapp hinter den beiden Highlights einreihen muß und wo Fisker eine originelle galoppierende Rhythmusvariante spielt, wie man sie eher im halben oder viertlen Tempo im Epic Metal gewöhnt ist.
So bleibt die Gesamteinschätzung, dass A Safe Look In Mirrors ein starkes Album ist, das manchem Hörer im Vergleich zu Vague Visions aufgrund der latenten Modernisierung mehr abverlangen wird, ohne dass Jackal aber wie Queensrÿche zur gleichen Zeit in völlig abwegige Gefilde abgedriftet wären – der Erschließung steht also eine überschaubare Zahl von Hürden entgegen, und für den Freund straighten und simpel strukturierten Metals waren die Dänen ja auch schon zuvor ungeeignet. Wer sein Kraftfutter anspruchsvoll, aber dennoch melodisch haben möchte, der ist hier aber richtig.



Roland Ludwig

Trackliste

1A Safe Look In Mirrors4:48
2Nothing To Lose3:05
3Just A Little Closer5:37
4What‘s It Gonna Be3:34
5Dream On5:19
6Taken Away4:19
7When The Light Is Comin‘ Down5:06
8The Lonely4:17
9Journey6:13
10Up The Aisle4:16
11Bells (Unplugged)3:32
12When The Light Is Comin‘ Down (Unplugged)5:18

Besetzung

Brian Rich (Voc)
Benny Petersen (Git)
Sören Hee Johansen (B)
Per Fisker (Dr)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger