Reviews
Thunderheart
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Info
Musikrichtung:
Metal
VÖ: 02.04.2024 (Fighter) Gesamtspielzeit: 44:48 Internet: http://www.facebook.com/Greyhawkmetal http://www.fighter-records.com |

Greyhawk bleiben ihrem Veröffentlichungsrhythmus vorläufig treu – alle zwei Jahre kommt im Wechsel eine EP und ein Full-Length-Album heraus. Thunderheart stellt das zweite der letztgenannten Kategorie dar, markiert aber eine bedeutende Zäsur im Schaffen der Seattler: Hatten bisher nur einige Besetzungswechsel an der zweiten Gitarre stattgefunden, so bildet das Donnerherz nun das letzte Tondokument der Band, bei dem Rev Taylor am Mikrofon steht. Wir erinnern uns, dass er mit seiner eigentümlichen Stimme auf dem Full-Length-Debüt Keepers Of The Flame in den eher classicmetallischen Passagen eher wie ein Fremdkörper wirkte, während die mittelhohe Artikulation in den epischeren Passagen besser paßte. Es bleibt gespannt abzuwarten, wie sich sein Nachfolger Anthony Corso schlägt.
Bis dahin gilt es aber die neun neuen Songs zu analysieren. Ein Intro wie auf Keepers gibt es diesmal nicht – „Spellstone“ geht nach kurzem Geplänkel gleich in die Vollen, bremst zwischendurch aber wieder ab und pendelt letztlich zwischen Midtempo und Speed, wobei der Fremdkörperstatus der Stimme hier erneut auftritt. „Ombria“ an zweiter Stelle bleibt lange balladesk und entwickelt sich dann zu immer noch klassischem, aber gothic-angehauchtem Metal weiter – und siehe da, dort paßt die Stimme plötzlich richtig gut. Kann sich jemand vorstellen, wie es klänge, wenn The Cure versuchten, klassischen Metal zu spielen? Das Ergebnis könnte „Ombria“ ähneln, wobei die Chöre am Ende eher an HammerFall erinnern. Der Titeltrack wird von einem auffälligen Baß (Darin Wall) durchzogen und versucht die Stile der ersten beiden Songs zu mischen, womit er keine schlechte Figur abgibt – und auch dort paßt Taylors Stimme richtig gut rein. Gewöhnen muß man sich an sie im Folgesong, aber auch das gelingt letztlich zumindest über weite Strecken: Chefdenker Jesse Berlin erkundet hier neues Terrain, nämlich eine Verbindung aus dem bisher bandtypischen Classic Metal mit ebenso klassischem Spätachtziger-Partyrock, und das Ergebnis bekam mit „Rock & Roll City“ einen dafür äußerst passenden Songtitel verpaßt. Ob man Taylor allerdings auch als „Märchenonkel“ zu schätzen weiß, der im Mittelteil, nachdem Berlin kurz zu einem typischen Heldensolo angesetzt hatte, dieses aber erstaunlich früh wieder abbricht, in eine Art Sprechgesang verfällt, dürfte sehr an der individuellen Prägung des Hörers festzumachen sein. Weniger Diskussion wird’s in der ersten Hälfte von „Steadfast“ geben, denn hier setzen Greyhawk auf klassischen Epic Metal, der von der Grundanlage her ein wenig an die vergessenen Schweden Seven erinnert, wobei im Direktvergleich Berlins Gitarrenarbeit deutlich neoklassischer ausfällt, wie man das ja auch schon aus dem bisherigen Schaffen kennt – dass er im Booklet der neuen CD ein Rising-Force-Shirt trägt, stellt garantiert keinen Zufall dar, wenngleich man durchaus das Gefühl hat, der neoklassische Touch habe sich zugunsten classicmetallischer Flitzefingerigkeit ein wenig in den Hintergrund begeben. Im Mittelteil wird „Steadfast“ allerdings doch relativ ungewöhnlich: Zunächst spielt Nate Butler ein Drumsolo, was man auf Studioalben ja eher selten findet, und dann beschleunigt er das Tempo, wobei Taylor eine fast hardcorelastige Ankündigungsstruktur an den Tag legt und stimmlich in den Speedpart wieder nicht so richtig reinpaßt. Zum Glück kehrt im hinteren Drittel des Sechseinhalbminüters der klassische Epic Metal zurück, auch hier wieder mit HammerFall-Chören ausstaffiert – und der Rezensent überlegt immer noch, an wen ihn die Keyboardsounds erinnern, die wie schon gewohnt Berlin im Zweitjob beisteuert, die aber nur gelegentliche Ausstaffierungsfunktionen erfüllen und keine songtragenden Strukturen darstellen. Die Leadstimme und die Chöre alternieren bisweilen im klassischen Call-and-Response-Prinzip – der Song ist also klar auf die Livedarbietung hin ausgerichtet. „Sacrifice Of Steel“ holt gleich nochmal die Chöre in den Vordergrund und versucht sich dann an einer ähnlichen Midtempo-Speed-Kombi wie der Opener – auf einer LP-Variante wäre es ja vermutlich auch der Opener der B-Seite. „The Last Mile“ setzt abermals auf die Epic-Metal-Karte, und man bemerkt spätestens hier auch mit Erstaunen, dass der auf dem Vorgängeralbum noch gelegentlich zu diagnostizierende grobschlächtige Touch der Stimme mittlerweile völlig verschwunden ist. Und irgendwie hat man das Gefühl, Berlin habe mittlerweile den Dreh raus, wie er diese Stimme geschickt einzusetzen vermag und welche Musik er dazu am besten schreibt – „Back In The Fight“ relativiert diesen Eindruck aber sogleich wieder: Das Hauptriff läßt einen Song im Stile von Dios „We Rock“ erwarten, und sowas kommt dann auch, aber der appellierende Charakter des Gesangs in den Strophen mutet dann doch deutlich zu bemüht an. Für ein nächstes Album mit Taylor am Mikrofon hätte sich Berlin, abermals alleiniger Songwriter von Greyhawk, also noch ein paar Steigerungsmöglichkeiten offengelassen, aber zu einem solchen wird’s ja nun nicht mehr kommen. Auf ein Instrumentalstück hat er diesmal übrigens verzichtet – der Closer „The Golden Candle“ hätte eins werden können, aber das von spanisch anmutenden Akustikgitarren getragene lange Intro macht letztlich in der zweiten Minute doch wieder erst den Chören und dann auch Taylors Leadstimme Platz, wobei die Halbballade, die letztlich draus wird, den scheidenden Sänger nochmal von seiner besten Seite präsentiert. Zwar enthält auch Thunderheart noch keine ganz großen Klassiker, aber ein gutes Metalalbum ist’s allemal geworden und überzeugt aufgrund der besseren stimmlichen Einbindung mehr als Keepers, wenngleich man am Ende von „The Golden Candle“ irgendwie das Gefühl hat, die Geschichte dieses Songs sei noch nicht auserzählt, und die einfallslose Ausblendung von „The Last Mile“ hätte man auch intelligenter lösen können. Aber das sind Kleinigkeiten, die vor den durchaus ausgeprägten Tugenden der Scheibe eher verblassen. Auf dem Cover wird Chuck Norris übrigens mal wieder von dem diesmal giftgrünen Greifvogel attackiert, muß die Situation des ersten Covers also überlebt haben. Fortsetzung folgt? Warriors Of Greyhawk, das erste Album mit Anthony Corso am Mikrofon, wird’s ab dem 13.2.2026 zeigen.

Roland Ludwig
Trackliste
| 1 | Spellstone | 4:07 |
| 2 | Ombria (City Of The Night) | 5:14 |
| 3 | Thunderheart | 4:19 |
| 4 | Rock & Roll City | 4:26 |
| 5 | Steadfast | 6:34 |
| 6 | Sacrifice Of Steel | 4:44 |
| 7 | The Last Mile | 5:53 |
| 8 | Back In The Fight | 3:52 |
| 9 | The Golden Candle | 5:29 |
Besetzung
Jesse Berlin (Git, Keys)
Rob Steinway (Git)
Darin Wall (B)
Nate Butler (Dr)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

