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Reviews

Thelonious Monk

Bremen 1965


Info


"Monk's Dream" versetzte mich hier bereits in schöne Träume! Die Originalsessions stammen aus Oktober und November 1962, und etwa zwei Jahre und vier Monate später weilte Thelonious in Bremen, und zwar entstanden diese Aufnahmen im Sendesaal von Radio Bremen an einem Montag, dem 8.März 1965. Leider konnte ich nicht dabei sein, weil ich zu jener Zeit wohl noch meinem alten Nordmende Kofferradio lauschte, und vielleicht die neuesten Hits aus Amerika über den Radiosender von AFN Bremerhaven genoß.

Von der alten Besetzung von „Monk's Dream“ war nun noch noch der Tenorsaxofonist Charlie Rouse zugegen. Zu ihm hatte ich 2019 bemerkt, dass Monk einen Saxofonisten zu Seite hatte, der sich bestens auf den Bandleader einstellen konnte. Und das wird sich sicher im Umfeld eines Konzertes noch stärker und wichtiger erweisen, so bin ich gespannt auf diese Veröffentlichung im Doppel-CD Format, ganz einfach bezeichnet mit Bremen 1965.

In den sechziger Jahren gab es einige Europatourneen bekannter US-amerikanischer Jazzmusiker, und so zählte auch Monk dazu, und ich denke, seine besondere Persönlichkeit war es auch, die ihn interessant machte, der Pianist galt halt als recht eigenwillig und trat auch oft ein wenig extravagant auf. So soll er einen grünen Anzug mit einer pinkfarbenen Krawatte getragen haben, abgerundet mit hellgelben Schuhen und einer Fellmütze. Ja, Radio Bremen durfte sich glücklich schätzen, dass man dieses Konzert veranstalten konnte mit diesem damals legendären Musiker, der von hervorragendem Begleitern unterstützt wurde. Der Mitgestalter des Bebop hatte schon rasch in den Fünfzigern seine individuelle und für Viele leicht „schräge“ Art entwickelt und so ging ihm ein besonderer Ruf voraus, nun als Mitgestalter der Avantgarde.

Der sicher Eingeweihten gut bekannte Siegfried Schmidt-Joos hatte diese Performance für den Sendesaal von Radio Bremen arrangiert und auch produziert, mit Hilfe des Tontechnikers Rolf Mittag. Die Presse hatte nach dem Konzert viele lobende Worte gefunden. So las man im „Weser Kurier“ in Verbindung mit Monk's Musik unter anderem den Begriff „Getürmte Akkorde“.

Neun Songs werden auf dieser Doppel-CD vorgelegt, meist lange Stücke mit viel Raum für lange und ausgedehnte Improvisationen, natürlich auch die Rhythm Section beteiligend, und gleich im ersten Song, „Criss Cross“ kann man sich der Solodarbietungen vom Bassisten Larry Gales und vom Drummer Ben Riley erfreuen. Neben fünf eigenen Kompositionen griff man auf vier Fremdtitel zurück, die jedoch auf „Monk'sche Weise“ bearbeitet, in seinem Soundkosmos Einzug hielten.

Diese Aufnahmen sind ein willkommenes und wahres Präsent für Jazzliebhaber, oder zumindest für alle Anhänger des Pianisten. Und genießen kann man diese Aufnahmen letztlich auch, wenn man nicht dabei war, denn diese Klangqualität ist wirklich hervorragend! Alles das, was Monk letztlich ausmachte, seine Eigenwilligkeit, das Kantige, die Kreativität und das Besondere seines Stils, wird hier treffend dargestellt, begleitet von Musikern, die ihrem Leader hervorragend folgen konnten und selbst mitgestalteten! Bassist und Drummer waren erst kurz dabei und die zu spürende Frische dieser neuen Konstellation scheint man zu klar zu bemerken, dennoch klingt es außerdem so, als würde man schon immer gemeinsam musizieren

Der ursprüngliche Bebop des Meisters ließ sich dabei nie verleugnen, irgendwie hatte ich manchmal fast das Gefühl, Charlie Parker würde gleich auf die Bühne springen. Ja, die leidenschaftliche Gestaltung der Band spürt man in jedem Song. So erfreut es mich, dass Radio Bremen dieses hervorragende Ereignis konserviert hat und somit nun allen, die damals nicht dabei sein konnten, die Möglichkeit einer Teilhabe bietet!



Wolfgang Giese

Trackliste

Disc One:

1 Criss Cross (11:15)
2 Sweet and Lovely (9:31)
3 Well You Needn't (14:25)
4 Don't Blame Me (5:42)
5 Epistrophy (I) (8:08)

Disc Two:

1 Just You, Just Me (12:56)
2 I'm Getting Sentimental Over You (14:29)
3 Rhythm-A-Ning (10:14)
4 Epistrophy (II)  (5:02)

Besetzung

Thelonious Monk (piano)
Charlie Rouse (tenor saxophone)
Larry Gales (bass)
Ben Riley (drums)
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