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Looking Back From Half Way
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Info
Musikrichtung:
World Music/Jazz-Fusion
VÖ: 05.12.2025 (BMC) Gesamtspielzeit: 45:20 Internet: http://mihalyborbely.hu/ https://bmcrecords.hu/en |

Den ungarischen Jazzmusiker Mihály Borbély hatte ich bereits zweimal vorgestellt, jeweils in einer Quartettformation, das war einmal 2019 und dann noch einmal im Jahr 2022. Damals hatte ich unter anderem begeistert festgestellt, wie mich diese spirituelle Gelassenheit und Tiefe und Ruhe auf hohem Energielevel faszinierte. Als Jazzer verschloß sich Borbéli auch nicht den Einflüssen und Folk und Weltmusik.
Nicht mehr im Quartettformat, sondern ganz allein bestreitet er die vierzehn Songs dieses neuen Albums, Looking Back From Half Way. Und so, damit es auch schön abwechslungsreich wird, gibt es auch hier nicht nur die typischen Jazz-Instrumente zu hören, sondern wiederum ein Táragoto, ein Kaval und andere in unseren Ohren exotisch klingende Instrumente, ich verweise hierzu auf das Line-up.
Sicher ist es nicht gerade einfach, ein Solo-Album vorzustellen, sehr viele Beispiele gibt es auch nicht, spontan fällt mir John Surman ein, der 1972 mit „Westering Home“ auch solo aktiv war. Und auch er ließ folkloristische Motive einfliessen, in seinem Fall waren das keltische Elemente. Und so, wie es bei Surman sehr persönlich im Ausdruck wirkte, so gilt das auch für Looking Back From Half Way. Nun, völlig solo sind die Songs nicht, weil im Overdubbing mehrere Instrumente übereinander gelagert wurden und somit eine ganz besondere Stimmung erzeugen. So bleibt es dem Protagonisten überlassen, die Musik auch rhythmisch zu gestalten, ja, und das ist auch ohne Perkussionsinstrumente gelungen.
So swingt manch' ein Song, und ist gar nahezu tanzbar. Nun bin ich am Überlegen, ob der Hauptbestandteil der Musik nun Jazz oder Worldmusic ist. Denn auch mit den Saxofonen und den Klarinetten fließen sehr viel folkloristische Elemente ein, slawisch-ungarisch als Quellen. Bei einigen Songs, Beispiel „The Loneliness Of A Sprinter“, gestaltet der Musiker dann wiederum auch freie Passagen mit dem Sopransaxofon, ein Hauch von Free Jazz schimmert hier als auch bei anderen Songs durch. Dieser Song ist im Übrigen eine Widmung an David Liebman und insbesondere dessen ebenfalls solo eingespieltes Album „The Loneliness Of A Long Distance Runner“.
„Dvojnice² „ wiederum, auf aus der Volksmusik des Balkan stammenden Flöten gespielt, ist eindeutig Folklore. Und so bleibt die Musik trotz der Soloeinspielung eine recht abwechslungsreiche Angelegenheit, und die „Bass Clarinet Fantasia“ klingt im Ausdruck wiederum stark nach Surman. Das türkische und auch anderswo ansässige Instrument Kaval, eine Längsflöte, hören wir auf „Kaval Dance“, bis dann die Klarinette mit „My Eyelashes Close On You“ das letzte Wort hat und diese aussergewöhnliche Produktion zum Abschluss bringt.

Trackliste
2 Blood in the Veins (03:53)
3 Looking Back from Half Way (02:55)
4 Jolting-chortling (02:13)
5 Misi, Where Are You Running? (02:17)
6 Pomáz-Budapest Counterpoint (03:49)
7 The Loneliness of a Sprinter (02:51)
8 Dvojnice² (04:25)
9 Bass Clarinet Fantasia (04:49)
10 Gyimes Mood (02:35)
11 Silences and Cries (03:42)
12 Counter and Point (02:48)
13 Kaval Dance (02:20)
14 My Eyelashes Close on You (03:59)
Besetzung
clarinet (6, 12, 14), bass clarinet (4, 6, 9, 12), tárogató (2, 3), folk flute (10), kaval (13), tilinkó (4),
dvojnice (8), fujara (2)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

