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Rotwelsch
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Info
Musikrichtung:
Modern Jazz
VÖ: 05.12.2025 (Unit Records) Gesamtspielzeit: 50:59 Internet: https://www.philippmariarosenberg.com/ https://unitrecords.com/ https://www.martinaweinmar.de/ |

Heute widme ich mich dem aus der Schweiz stammenden Trio, das von Philipp Maria Rosenberg geleitet wird. Der Pianist, Komponist und Arrangeur stellt gemeinsam mit dem Bassisten Florian Kolb und dem Schlagzeuger Jordi Pallarés Barberà die aktuelle Veröffentlichung Rotwelsch vor. Rotwelsch ist ein Sammelbegriff für Geheimsprachen verschiedener sozialer Randgruppen wie Gauner, Landstreicher oder Bettler. Quellen dieser Sprache liegen in den Sprachen Deutsch, Jiddisch, Romani und Slawisch.
So soll sich analog dazu auch die Musik des Trios aus diversen Einflüssen speisen, wie im Booklet zu lesen ist, enthalten die Songs eine persönliche Sammlung aus Melodien der europäischen Operette. Insofern entwickeln die Drei daraus halt ihre „Gaunersprache“, indem sie aus den Vorgaben eine eigene Klangvorstellung entwickeln und sie völlig „entstaubt“ einer eigenwilligen Bearbeitung unterziehen.
Rosenberg entwickelte die Faszination für das Piano etwa in seinem fünfzehnten Lebensjahr, und schon bald entdeckte er neben dem Jazz mit seiner improvisatorischer Gestaltung die klassische Musik, und somit konnte er beiden Ausrichtungen zu einer individuell ausgestalteten Spielweise verknüpfen. Und in Verbindung mit den Fremdkompositionen, unter anderem von Emmerich Kálmán, Robert Stolz und anderen sowie einer eigenen Komposition („Intermezzo“) hat er mit seinem Trio recht beschauliche und ruhig klingende Musik geschaffen, eine Klangwelt, in die man sich bequem fallen lassen kann und die sehr unterhaltend ist. So kann man hierzu herrlich entspannen und seine Gedanken treiben lassen mit diesen emotional stark ausgelegten Songs.
Herrlich, wie man sich dabei ertappen kann, einfach dahin zu schweben mit diesen breit schwelgerischen Stimmungen, gekoppelt mit einem dicken Hauch von Romantik und stets mit einem Ausdruck von Schönheit. So treffen hier nicht nur Jazz und Klassik aufeinander, sondern ein großer Faktor Unterhaltungsmusik, oder wie man es treffend sonst benennen sollte, spielt eine große Rolle, ohne gleich in die Seichtheit eines Richard Clayderman abzutauchen.
Doch auch gibt es wiederum Songs, die mehr in Richtung Jazz und damit verbundenen Improvisationen ausgerichtet sind. Bewundernswert ist das Zusammenspiel der drei Protagonisten, denen man anhört, wie sie einander lauschen und sich gegenseitig austauschen, ja, das Kollektiv wird groß geschrieben, obwohl die Musik Rosenberg und sein Pianospiel grundsätzlich in den Vordergrund stellt.

Trackliste
2 Wunderbare Träume (Beer)
3 Prolog (Stolz)
4 Die ganze Welt ist himmelblau (Stolz)
5 Ich schenk mein Herz (Millöcker)
6 Sternenromanze (Chabrier)
7 In der Heimat (Beer)
8 Schenk mir das Himmelreich (Beer)
9 Intermezzo (Rosenberg)
10 Irgendwo auf der Welt (Heymann)
11 Schenkt man sich Rosen im Tirol (Zeller)
12 Wenn es Abend wird, Part 2 (Kálmán)
Besetzung
Florian Kolb (double bass)
Jordi Pallarés Barberà (drums)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

