Reviews
Between The Years
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Info
Musikrichtung:
Jazz
VÖ: 21.11.2025 (Neuklang) Gesamtspielzeit: 41:29 Internet: https://www.paul-bernewitz.de/ https://www.bauerstudios.de/neuklang https://uk-promotion.net/ |

2022 hat mich das Album Someday des Leipziger Jazzpianisten Paul Bernewitz begeistern können. Doch waren an jener Einspielung sechs Musiker beteiligt, so verhält es sich mit dem neuen Album Between The Years anders, denn der Protagonist stellt sich solo vor.
Piano-Solo-Alben im Jazz, da gibt es eine Bandbreite ganz verschiedener Ausrichtungen. Vielen, auch Nicht-Liebhabern von Jazz, dürfte das bekannte „Köln Concert“ von Keith Jarrett ein Begriff sein. Doch die Vielseitigkeit drückt sich dann auch aus durch solch unterschiedliche stilistische Ausprägungen, von eher klassischer Natur wie von Oscar Peterson mit „Solo“ über sehr individuelle Musik von Thelonious Monk mit „Alone In San Francisco“ bis hin zur absoluten Freiheit eines Cecil Taylor, zu hören mit „Silent Tongues“.
Und wie passt nun Between The Years dazwischen? Griff Bernewitz bei „Someday“ doch ausschliesslich auf Fremdkompositionen zurück, so stammen bis auf die Tracks 1, 11 und 12 alle Songs von ihm selbst. Wir hören einen individuell geprägten Mix aus Jazz und Anklängen an klassische Musik, und auch Improvisation hält Einzug in diese abwechselnden Stimmungen. Ganz ruhig und ein wenig abstrakt, wie gedankenverloren wirkend, strahlt zum Beispiel „Stube“ mit einer besonderen Atmosphäre, im Gegensatz dazu der sehr „geordnet“ vorgetragene Klassiker „Over The Rainbow“. Doch neben einem weiteren Jazztitel (#12) zieht der Pianist auch Felix Mendelssohn Bartoldy/Joseph von Eichendorff heran mit „O Täler weit, o Höhen“. So kommen mir diese drei Fremdkompositionen wie „Eckpfeiler“ vor, auf die Bernewitz sich stützt und hernach aus diesen Motiven als Grundlage eigene Ideen entwickelt und hier und da wieder etwas aufgreift daraus.
So strahlen die eigenen Songs sehr viel Persönliches aus, basierend auf teils melancholischen Gestaltungen, aber auch andere Emotionen werden einbezogen und mit einer großen Intimität vorgetragen. So kann ich nur empfehlen, sich vollends auf diese Musik einzulassen, das ist nicht als „Hintergrundmusik“ verwertbar, hier muss man zuhören und sich mit dem Künstler auf eine gemeinsame Plattform begeben. So wird man mit tiefer Hingabe auf Musik stoßen, die eine Art erzählerischer Wirkung offenbart. In dieser Hinsicht fühle ich mich mit einer mir nahen „Erzählung“ wie bei „I Disappeared“ gut unterhalten.
Gesamtheitlich betrachtet wird man nicht auf treibende und sich vordrängende Musik stoßen, sondern eher auf eine gewisse Kraft von Reduktion, und auf sehr behutsame Gestaltung im Spiel, als Beispiel nenne ich „Justification“ , wo der Flügel eine besondere Sprache zu sprechen scheint. Für Freunde des „Köln Concerts“ mag das keine Freude bereiten, doch wird diese ruhige Art von lyrischer Gestaltung nie „marktschreierisch“ wirken, und steht letztlich auch irgendwie zwischen den Stühlen, die da heißen Jazz und Klassik. Ein wenig muss in bei einigen Passagen auch an ein noch nicht genanntes Piano-Solo-Album denken, jenes von Chilly Gonzales, das jedoch insgesamt wohl zugänglicher ist.

Trackliste
2 Cipolla (1:01)
3 Next Week (4:24)
4 The Angels Of Weeds Seeds (2:19)
5 Stube (3:20)
6 Between The Years (3:38)
7 Siddhartha (1:52)
8 Justification (5:22)
9 I Disappeared (4:33)
10 Conclusion (1:12)
11 O Täler weit, O Höhen (2:28)
12 On The Street Where You Live (5:20)
Besetzung
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

