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What We Don't See
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Info
Musikrichtung:
Modern Jazz
VÖ: 14.11.2025 (ncb) Gesamtspielzeit: 49:07 Internet: https://fernandobrox.com/ https://jazzfuel.com/ |

Fernando Brox ist ein spanischer Komponist und Flötist, der einst in klassischer Musik ausgebildet wurde. Auf seiner aktuellen Veröffentlichung What We Don't See soll er seine Erforschung moderner Kompositionssysteme fortgesetzt haben. So soll seine Musik sowohl den analytischen Geist als das intuitive Gehör ansprechen, in Anlehnung an den Albumtitel demnach basiert dieses Konzept also auf verborgenen Strukturen. So ist zu lesen, dass der Musiker mit Zwölftonreihen, Satzlehre, Messiaens Modi mit begrenzter Transposition und anderen atonalen Techniken experimentieren soll.
Nun, wie klingt das aber? Der Start mit „Dark Matter“ läßt ganz andere Musik erwarten, sehr avantgardisch klingt die düstere Stimmung, wie es allerdings mit „XII“ dann widerlegt wird. Wird man gedanklich zunächst in die Richtung „Psychedelic“ und Avantgarde gedrängt, wird es mit Eintritt der Flöte des Protagonisten dann wie erwartet jazzig, sehr leicht und locker, kein „akademischer“ Jazz erklingt hier, sondern mit emotional gesteuertem Antrieb. Allerdings gibt es einige Passagen und auch ganze Songs, die sehr unruhig und wild strahlen. Der Protagonist selbst erinnert mich mit seinem Flötenspiel oft an Jeremy Steig, greift aber auch Motive von Roland Kirk auf, jedenfalls empfinde ich das entsprechend.
Und immer wieder wird dieser seltsam klingende Ausdruck von „Dark Matter“ aufgegriffen, fast schon unheimlich klingt es dann erneut mit den Tracks 3, 5, 8.
Wenn dann „Naná Burukú (Salutation)“ angeboten wird, dann erleben wir eine weitere Variante, denn der brasilianische Schlagzeuger Paulo Almeida verleiht dem Song eine rhythmische Note südländischer Laszivität, inklusive Gesang. Dieser Entspannung wird allerdings gegengesteuert durch impulsiven Einsatz von Flöte und Piano. Doch erst richtig frei wird es dann mit „Density-Void X“, hier ist es absoluter Free Jazz mit ungezügeltem Einsatz aller Beteiligten. Das dürfte sicher Viele abschrecken, unterstreicht es aber letztlich die Vielschichtigkeit der Kompositionen und deren Umsetzungen, das von Ruhe und an Motive klassischer Musik erinnernde „We Are Always Coming Back Home“, wilde Jazzimprovisationen voller Spontaneität, Motive von Kammermusik treffen also auf freiheitliche Gestaltung voller Emotionen, mitunter mit Andeutungen ritueller Tiefe, kurz zusammengefasst: eine besondere Ausprägung unterschiedlicher Ansätze, durch das Aufgreifen und Fortführen dieser mit dem Resultat einer Schaffung individueller Musik, die wahrscheinlich leider nur einem kleinen Kreis Interessierter offenstehen wird.

Trackliste
2 XII
3 Background Radiation I
4 Perpetual Motion Machine
5 Background Radiation II
6 Rubatello
7 Etude No. 2
8 Background Radiation III
9 Silver Moon
10 Naná Burukú (Salutation)
11 We Are Always Coming Back Home
12 Forró Escuro
13 Density-Vo
Besetzung
Lorenzo Vitolo (piano)
Joan Codina (double bass)
Paulo Almeida (drums, voices)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

