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Reviews

Venerem

Strike


Info

Musikrichtung: Classic/Jazz/Pop-Fusion

VÖ: 16.10.2025

(Orlando)

Gesamtspielzeit: 50:01

Internet:

https://www.venerem-art-music.com/
https://orlando-records.com/
https://www.martinaweinmar.de/

Ein musikalisches Aphrodisiakum unserer Zeit, so verkündet es der Pressetext! Nun, bleiben wir beim Begriff, dann ist ein Aphrodisiakum ein Mittel zur Belebung und Steigerung der Libido. Ob das nun wirklich genau so gemeint ist? Nun denn, ich begrenze das einfach mal auf ein musikalisches Mittel zur Belebung. Denn, so weiter der Pressetext: „Venerem erschafft Musik in einem beispiellosen Stil und verwandelt Werke aus Renaissance und Barock in kühne, futuristische Klanglandschaften." Dazu pflichte ich uneingeschränkt bei, denn diese Musik entzieht sich grundsätzlich jeglicher Katalogisierung, soll aus klassischer und spätromantischer Handwerkskunst sowie dem improvisatorischen Geist der Alten Musik etwas völlig Neues schaffen.

Ob es nun etwas völlig Neues ist, dazu kann ich mich nun nicht unbedingt äußern, gab es in der Hinsicht, klassische und moderne Musik zu verbinden, doch bereits einige gelungene Versuche, sei es im Jazz durch Gunther Schuller und seinem Third Stream, Dave Brubeck, der versuchte, Elemente moderner Klassik in seinen Cool Jazz zu integrieren oder auch im Pop/Rock-Bereich durch Bands wie Ekseption, The Nice oder Emerson, Lake & Palmer, ja, so könnte man gar viele Beispiele zitieren, und dennoch ist Strike von Venerem durchaus etwas Besonderes, denn neben Piano, E-Bass und Schlagzeug stellt die Sängerin, Sopranistin Laureen Stoulig-Thinnes, ein absolut eigenwilliges Element dar, dass sich mit opernhaftem Ausdruck den Weg ebnet.

Gleich beim ersten Titel von Henry Purcell, das sich mit elegant verspieltem swingenden Einsatz vorstellt, Piano, Bass, Schlagzeug, schmiegt sich Laureen sogleich mit großartiger Präsenz in diese betörende Stimmung. Barock und Jazz, ein wenig Jacques Loussier und – genau an die Nachfolgeband der Yardbirds, Renaissance, erinnert mich die Musik ganz stark, der Bassist auch an Louis Cennamo.

Und die Wahl der diversen Original-Komponisten öffnet dem Quartett durch seine individuellen Interpretationen sehr viel Raum, den es auch nutzt, gerade auch durch diesen Freiraum zum Improvisieren. Und das ist unglaublich erfrischend in seiner Art, diese offensichtliche Spielfreude, dieser Spagat vom siebzehnten Jahrhundert bis in die Jetztzeit gibt der Musik neben dieser höchst individuellen Note auch noch eine herrliche Frische, und diese daraus erwachsende Spielfreude kann man einfach gar nicht ignorieren, allein, weil dieses Unkonventionelle sofort anspringt und gefesselt hält. Inmitten der Klassiker entdecke ich „Entr’acte“, ja, der modernste Song, wurde er doch vom Pianisten der Formation, Marlo Thinnes, komponiert. Hier musiziert man nur als Trio, und lässt Laureen ein wenig pausieren, die sich danach mit Vivaldi jedoch wieder zu Wort meldet.

Ein achter Song ist als Bonus aufgeführt, „Venerem Talk (English)". Auf eine Länge von gut fünfzehn Minuten geben die Vier Hintergrundinformationen zu sich und den Songs. Wer den unter dem Songtitel aufgedruckten QR-Code scannt, kann sich das Gleiche in deutscher Sprache anhören. Ein interessanter Aspekt!



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Henry Purcell - Strike the viol (5:32)
Ode for Queen Mary’s Birthday
2 What Power Art Thou (Cold Song) (3:30)
From King Arthur Z628
3 Francesco Bartolomeo Conti - Languet anima mea (4:40)
II.Aria – Allegro
4 Reynaldo Hahn – A Chloris (3:23)
French Melody
5 Marlo Thinnes - Entr’acte (3:56)
For piano, electric bass guitar and drums
6 Antonio Vivaldi – Cum Dederit (5:12)
Fourth movement of Nisi Dominus RV 608
7 Jean Baptiste Lully – Passacaille LWV 71 (6:08)
Bonus:
8 Venerem Talk (English) (15:36)

Besetzung

Laureen Stoulig (soprano)
Marlo Thinnes (piano, arrangement)
Simon Zauels (electric bass)
Michel Meis (drums)
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So bewerten wir:

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