Reviews
Everwanted
![]() |
Info
Musikrichtung:
Fusion / Jazz Rock
VÖ: 31.10.2025 (AMP) Gesamtspielzeit: 47:38 Internet: https://www.nikolabankov.com/ https://www.ampmusicrecords.com/ |

Den aus der Slowakei stammenden und nun in Dänemark lebenden Saxofonisten Nikola Bankov hatte ich vor drei Jahren mit seinem Dream Chaser vorgestellt.
Im Sinne des Titels jenes Albums scheint der erste Song von Everwanted auch einen Traum zu jagen, jedenfalls zu Beginn mit diesen schwelenden Keyboards im Verbund mit dem Altsaxofon des Protagonisten. Doch schon rasch geht das über in eine Art künstlichen Funks, ja, künstlich, weil nun auch ein Synth Bass eingesetzt wird. Nun, somit kann ich mich vom Jazz als solchen rasch verabschieden und mich in Gefilde der Fusion begeben. Doch leider dann, wenn sich der Song im Laufe der Platte ein wenig freispielt, vor Allem das Saxofon, dann hätte ich Bankov als Begleitung lieber eine flexible Jazzband ohne künstliche Beigaben gewünscht. Für mich beisst sich das, einerseits der Versuch, zur „Freiheit“ aufzubrechen und andererseits auf einem künstlich erzeugten Boden kleben zu bleiben. Aus meiner Sicht wird hier gerade zum Schluss hin viel zu viel mit dem Synthie zugekleistert, das konnten die Meister der Siebziger mit ihrem damals angesagten Sound besser bewerkstelligen, Herbie Hancock, Chick Corea und andere Rock – Jazz- Koryphäen jener Tage. Ja, es tut mir leid, hier sehe ich entweder eine Anlehnung an das, was damals funktionierte noch eine Art Neukreation.
Daher darf ich an dieser Stelle aus „Dream Chaser“ sinngemäß zitieren:
Die Musik ist auch hier oft recht zu sehr "08/15" geraten, es fehlt mitunter das Feuer, so etwas wie Risiko und ausgedrückte Leidenschaft. Technisch ist wohl alles einwandfrei und es gibt an der Qualität von Musik und Musikern insofern nichts auszusetzen, doch hier empfinde ich einfach nichts, was sich aus der Masse in besonderem Masse hervorheben würde.
Ja, und auch hier schon wieder hält sich Bankov relativ stark zurück und lässt mich vermissen, dass er in irgendeiner Weise Zeichen setzen würde und ein wenig aus seiner Komfortzone ausbrechen möge. Keine echte Risikobereitschaft, keine wirkliche Leidenschaft, viel zu viel elektronische Sounds und steif am Boden haftende Rhythmen. Wer sich gelegentlich in positivem Sinne freispielt, ist Jonas Gravlund, der Gitarrist. So läßt er sogleich auf dem Song „5AM“ sein Feuer sprühen, bevor ihn der Protagonist mit seinem Saxofon recht brav zurückholt. Ich denke, hier und an anderen Schnittpunkten hätte die Tür offen gestanden für Intensität und herausgelassenen Gefühlen, schade eigentlich. Also, Leute, das nächste Mal raus aus der Komfortzone, Musik in dieser Richtung gibt es seit den frühen Siebzigern bereits sehr viel.
Klar doch, man sollte sich anpassen, aber solche Bass-Soli wie bei „What's Next?“ überraschen mich nicht mehr, Jaco Pastorius und andere haben bereits deutliche Zeichen in dieser Richtung vorgezeigt, und das klingt mir hier dann zu sehr genau nach ihm. Die Musik ist reif, ist künstlerisch wertvoll, alles kein Problem, aber wo bleibt so etwas wie Entdeckergeist, entweder einfach mal weg mit Synthie & Co, donnernden Drums, und eine dicke Dosis Swing in die Chose, bitte sehr!
Die beiden letzten Songs stellen Gäste vor, auf #6 den E-Bassisten Tim Lefebvre, der jedoch auch keine entscheidenden Impulse bietet und auf #7 den Gitarristen Tom Ford, der auch nichts Wesentliches vorträgt. Mithin, so gut wie keine Veränderung zum Vorgänger.

Trackliste
2 5 AM (7:27)
3 What’s Next? (8:25)
4 On Repeat (6:42)
5 Eleven:Eleven (5:34)
6 Peace of Mind (feat. Tim Lefebvre) (3:46)
7 Fast Life (feat. Tom Ford) (6:41)
Besetzung
Jonas Gravlund (electric guitar)
August Korsgaard (keys)
Frederik Bak (synth bass, electric bass)
Jacob Hedegaard (drums
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

