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Reviews

Rasmus Kjær / Nicolas Masson / Noé Franklé

Underlake


Info

Musikrichtung: Jazz/Avantgarde

VÖ: 31.10.2025

(Hobby Horse Records)

Gesamtspielzeit: 33:12

Internet:

https://rasmuskjaer.com/
https://hobbyhorserecords.bandcamp.com/
https://jazzfuel.com/

Mit vollem Namen heisst der 1982 geborene Pianist, Organist und Komponist Rasmus Kjær Larsen. Der Musiker lebt in Kopenhagen und hat mit dem Saxofonisten Nicolas Masson und dem Schlagzeuger Noé Franklé gemeinsam das Album Underlake eingespielt.

Wie die Musik entstanden ist, kann man nachlesen. So kurz dazu, dass dem Komponisten Kjær diese kompositorischen Skizzen beim Schwimmen im Genfer See einfielen und sie somit entstanden, so soll das Album eine sehr persönliche und klanglich eindringliche Trio-Erkundung des Einflusses von Wasser auf das menschliche Leben sein. Somit entstand der Klang von Wasser, schwebend, sanft auf der klaren Oberfläche treibend und in der kühlen Dunkelheit unter der Oberfläche. Für Fachkundige unter den Lesern*innen: die Kompositionen basieren auf einem von Kjær entwickelten Modus aus sieben Tönen, wobei die Auslassung der übrigen Noten den für das Album spezifischen Klang ergeben sollen.

Zwei der Songs sind jedoch völlig improvisiert, und zwar „adrift“ und „ondine in silhouette“. Starte ich mit „almost weightless“, dann scheint man zunächst gar nichts zu hören. Dann tauchen wie aus dem Nichts Geräusche auf, als ob ein Becken des Schlagzeugs sanft gestrichen wird, und dann folgt der Einsatz des Saxofons. Nicolas Masson nimmt ja auch für ECM Records auf, und dahin werde ich mit meinen Gedanken auch geleitet, und ich frage mich zunächst, ob dem Song „almost weightless“ überhaupt eine zu Papier gebrachte Komposition zugrunde liegt oder empfange ich Eindrücke, die den Musikern spontan erscheinen? Skizzen gleich bringt jeder einzelne Song neue „Botschaften“.

Das Anliegen, den Begriff des Wassers umsetzen zu wollen, kann ich durchaus nachvollziehen, allerdings empfange ich keine Botschaften von Wasserfällen oder reißenden Strömen, sondern eher sanft dahinfließende Bäche. Dabei sind die Musiker mit ihren Vorträgen von sehr viel Ruhe und Gelassenheit geprägt, mitunter empfange ich Passagen einzelner Songs, die gar ein wenig surreal wirken, „slow swell“ beispielsweise klingt sehr ungewöhnlich und eigentlich ist es auch nicht unbedingt die uns allen bekannte Ruhe oder Stille. Grundlegend mag das gelten, doch bauen sich stets Spannungsbögen auf, die ebenfalls eine gewisse Unruhe in dem Sinne erzeugen, weil diese Klanglandschaften auch befremdlich wirken können.

Und so empfinde ich sogar die beiden improvisierten Songs ausdrucksstärker und ich fühle mich bei ihnen so, dass ich diese Botschaft besser empfangen kann. Denn zum Beispiel ist „flood signal“ nicht sehr ruhig und es erinnert mich an Musik von Carla Bley in Verbindung mit ihrem „Escalator Over The Hill“, jedenfalls sind das die Assoziationen, die spontan purzeln.

Ja, und die zweite Improvisation, „ondine in silhouette“ ist gar ein wichtiger Song im Gesamtgefüge der Musik, denn hier erzeugt der Sound in mir ein Wohlgefühl, ganz nahegehend ist es, wie sich Rasmus Kjær und Nicolas Masson die Gestaltung diese stark melodiebetonten Bälle zuwerfen und Noé Franklé mit filigraner Perkussion eine perfekte Abrundung schafft für diesen Song, der eigentlich sogar „filmreif“ ist, ja, er läßt Bilder im Kopf entstehen. Welch ein schöner Abschluss voller feinster Sensibilität und Poesie!



Wolfgang Giese

Trackliste

1 almost weightless
2 slow swell
3 adrift
4 flood signal
5 unidentified submerged object
6 ondine in silhouette

Besetzung

Rasmus Kjær (piano)
Nicolas Masson (tenor saxophone, soprano saxophone, clarinet)
Noé Franklé (drums)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger