Reviews
LA TREGUA
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Info
Musikrichtung:
Jazz/Fusion
VÖ: 24.10.2025 (Eigenlabel) Gesamtspielzeit: 39:17 Internet: https://www.duoreflections.com/ https://jazzfuel.com/ |

Mit dem duo reflections stellt sich ein Duo aus Frankreich vor mit einer Musik, die nicht eindeutig zu kategorisieren ist. Mag man zunächst annehmen, sich im Bereich des Jazz wiederzufinden, so werden wir im Laufe der Zeit stets andere Genre-Merkmale kennenlernen, sei es andeutungsweise aus der Weltmusik oder vielleicht ein wenig aus dem Bereich klassischer Musik.
Doch angesichts der freiheitlich dargebotenen Klänge tendiere ich dazu, Jazz als Basis zu bevorzugen. Nur der Pianist Sylvain Rey stammt aus Frankreich, aus Toulouse, und sein Begleiter an der Gitarre, Leandro López-Nussa ist gebürtig aus Bologna. Mit LA TREGUA präsentieren die Beiden den Nachfolger zu ihrem Debütalbum aus 2020.
Zunächst eine „Vorwarnung“! Die Musik dieser Platte benötigt Aufmerksamkeit, Hingabe und Zeit. Denn oberflächlich betrachtet springt sie allumfänglich sicher nicht unbedingt an, weil sie zunächst strukturlos erscheint. Tatsächlich handelt es sich bei den Tracks 1 und 8 um reine Improvisationen. Die übrigen Songs sind komponiert worden, überwiegend von López-Nussa.
Hierbei gestalten und offenbaren sich die Musiker stets mit unterschiedlichen Ansätzen. Beim improvisierten „Bobado“ zum Beispiel spielt der Gitarrist völlig anders als auf anderen Stücken, hier jedenfalls nähert er sich ein wenig dem großen Improvisator Derek Bailey, der mir spontan dazu einfällt. So gibt es Musik, die mit Zurückhaltung wirkt, wie das eher introvertierte „Zythum“, oder das perkussiv antreibende „Fo’ Blue“, das wiederum eine andere Richtung aufzeigt.
Einflüsse aus der Klassik mit mehr geordnet wirkendem Ausdruck wechseln sich ab mit der improvisatorischen Freiheit des Jazz und so manch' einer rhythmisch orientierten Ausrichtung, die auf Elemente der Weltmusik schließen lässt. So entsteht eine absolute Spannung beim konzentrierten Zuhören, die wiederum bewirkt, dass man voller Neugier bereits auf den nächsten Song und seine Ausrichtung wartet. Vor Allem, ich erwähnte es bereits kurz, ist es der Gitarrist, der sich als recht wandlungsfähig darstellt.
Aufgenommen worden sind alle neun Songs an einem Tag, analog, ohne weitere Bearbeitung oder Overdubs, insofern kann man von einer Live-Stimmung ausgehen, innerhalb derer ständig neue Ideen entwickelt zu werden scheinen, mit spontan entstehenden Strukturen wie auch kurz kompositorisch angedeuteten, und wiederum – Spannung am laufenden Band. Musik wie Lyrik, wie Malerei, immer in der künstlerischen Gestaltung verankert, etwas Besonderes, das man würdigen sollte, und zwar dieses stete Zwiegespräch zweier Musiker.

Trackliste
2 Juan & John
3 La Tregua
4 Zythum
5 Fo’ Blue
6 En las Nubes
7 For Karl
8 Bobado
9 L’ami de Rasputin
Besetzung
Leandro López-Nussa (guitares & effets)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

