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Reviews

Sovereign Cross

Bow To The Light


Info

Musikrichtung: Hardrock / Epic Metal

VÖ: 19.11.2021

(Roxx)

Gesamtspielzeit: 45:25

Internet:

http://www.sovereigncross.com
http://www.roxxproductions.com

Der Name des Gitarristen Gary B. Sullivan wird Experten der christlichen Rockszene schon im letzten Jahrtausend hier und da mal begegnet sein, aber selten an prominenter Stelle. Im neuen Jahrtausend gründete Sullivan eine eigene Band namens Sovereign Cross, die allerdings mehr Projektcharakter hat – in größeren Abständen trommelt der Chef ein paar Musiker zusammen und nimmt eine neue Platte auf. Nach dem selbstbetitelten 2004er Debüt dauerte es immerhin eine komplette Dekade bis zum nächsten Tonzeugnis Approach The Throne, und das war zudem nur eine EP – die zweite Full-Length-Scheibe Rock In The Night kam dann erst 2017 heraus, wobei hier durchaus bekannte Namen vertreten sind, etwa Drummer Vinny Appice oder Sänger Mark Boals. Von den 2017er Musikern ist beim Drittling Bow To The Light neben Sullivan aber nur noch einer dabei, nämlich Bassist Dion Colucci, der damals auf zwei und hier nun auf drei Songs den Viersaiter zupft und der dem Historiker des christlichen Metals von Full Armor bekannt sein könnte. Alle anderen sind neu, wobei sich Sullivan einen geangelt hat, der vielleicht tatsächlich länger an seiner Seite bleiben könnte und auch kreativ ins neue Material eingebunden war, indem er acht der neun Texte geschrieben hat: Kein Geringerer als Dale Thompson von Bride steht hier am Mikrofon, und er ist auch der Einzige neben dem Chef, der eine Danksagung im Booklet hat. Da Sullivan ihm seinerseits „for the vision, inspiration and creativity he brings“ dankt, könnte das tatsächlich auf eine geplante längerfristige Partnerschaft mit dem Bride-Vokalisten hindeuten, und wir dürfen somit schon mal gespannt aufs nächste Album warten.
Bis dahin lohnt aber erstmal eine intensivere Beschäftigung mit den neun Tracks von Bow To The Light. Der sechsminütige Opener „In The Riven“ bahnt sich relativ schwerfällig, aber doch zielstrebig den Weg nach vorn, Thompson kreischt trotz hörbar fortgeschrittenen Alters immer noch ziemlich kompetent vor sich hin, und man beginnt sich schon auf eine richtig schöne Epic-Metal-Scheibe zu freuen, da erdet einen „Long Live The King“ an zweiter Stelle ein bißchen – keine Narnia-Coverversion, aber dafür leicht angesleazter Hardrock, der auf Brides Snakes In The Playground-Album gepaßt hätte, hier aber doch einen gewissen Stilbruch markiert, und das bleibt nicht der einzige. „Father Of Lies“ kommt nämlich gleich wieder anders daher, erinnert mehr als deutlich an Deep Purples „Highway Star“, so dass man einleitend fast an eine Coverversion denkt, ehe es dann doch ein paar Unterschiede gibt – aber vor allem Michael T. Ross orgelt derart typisch, dass man eine Reinkarnation von Jon Lord zu hören glaubt und nur im Mittelteil ein spaciger Pfeifsound aus dem Rahmen fällt, der nun wieder an die alten Rainbow erinnert. „Through The Flames“ kehrt dann wieder zum Epic Metal zurück, wobei Thompson hier den Kreischanteil etwas zurückfährt. So bildet sich schon in den ersten vier Songs der Projektcharakter von Sovereign Cross in gewisser Weise auch musikalisch ab, wenngleich in deutlich geringerem Maße als etwa auf Rock In The Night, wo Sullivan zwischen die regulären Bandsongs gleich fünf Gitarreninstrumentals gepackt hatte. Solche gibt es auf Bow To The Light nicht, in allen neun Songs singt Thompson, auch in „Pillar Of Fire“, für das nicht er, sondern Sullivan und ein sonst nicht weiter auf der Scheibe in Erscheinung tretender Mensch namens Jeff Coffey die Lyrics (in diesem Fall den alttestamentlichen Auszug aus Ägypten mit der neutestamentlichen Heilsverheißung durch das Kreuz in Verbindung setzend) verfaßt haben. Dieser Song fällt stilistisch wieder ein klein wenig aus dem Rahmen, aber nicht so sehr wie „Long Live The King“ und „Father Of Lies“ – hier hört es sich eher so an, als ob The Cure Epic Metal spielen wollen. Das davor stehende „All Aboard“ wiederum hatte lupenreinen Epic Metal geboten, angereichert mit Violine und Cello, die allerdings keine stilprägende Wirkung entfalten, und der darauf folgende, abermals lupenreinen Epic Metal auffahrende Titeltrack ist nicht nur mit sechseinhalb Minuten der längste Song der Scheibe, sondern neben dem Opener wohl auch der beste, sobald man sich an seine zwei eigentümlichen Zutaten gewöhnt hat, nämlich einerseits Tony Morras an einigen Stellen den Grundbeat stark umspielendes Drumming und andererseits die schicksalsschweren Glockentöne. Im Solo darf hier sogar Colucci mal kurz nach vorn treten.
Damit nun aber die Epic-Metal-Freunde nicht zu früh frohlocken können, schiebt Sullivan mit „My Humble Claim“ und „Your Eyes Closed“ noch zwei Downer für diese Zielgruppe nach – ein abermaliger Stilbruch, diesmal wieder in Richtung Bride zu ihren angesleazten Hardrock-Zeiten, obwohl die beiden Songs durchaus unterschiedlich klingen, der zweitgenannte ein wenig stärker in Richtung klassischen Melodic Rocks schielend, was vor allem an der Leadgitarre liegt. Vielleicht hören wir hier Tiago James mit dieser melodischen Linie, der in diesem und zwei weiteren Songs als Gastgitarrist hinzutritt. Thompson singt in „Your Eyes Closed“ auch in ungewöhnlicher Tonlage, während die Tatsache, dass hier im Gegensatz zur restlichen Platte nicht Morra, sondern ein Computer trommelt, nicht gar zu negativ ins Gewicht fällt.
Trotzdem bleibt eine kleine Träne im Knopfloch: Eine ganze Scheibe mit Songs des Kalibers von „In The Riven“ und dem Titeltrack, und Bow To The Light hätte ein Epic-Metal-Meisterwerk werden können. Aber vielleicht heben sich Thompson und Sullivan, wenn sie denn tatsächlich zusammenbleiben, das für die nächste Sovereign-Cross-Scheibe auf. Bis dahin lohnt auch Bow To The Light den Erwerb definitiv, und falls man zu der Sorte Hörer zählt, die gleichermaßen Epic Metal, alte Deep Purple und Bride zu Snakes ...-Zeiten mögen, dann dürfte die Dreiviertelstunde Musik sogar exakt passgenau zugeschneidert sein.



Roland Ludwig

Trackliste

1In The Riven6:03
2Long Live The King4:45
3Father Of Lies4:40
4Through The Flames5:00
5All Aboard5:33
6Pillar Of Fire4:27
7Bow To The Light6:35
8My Humble Claim3:31
9Your Eyes Closed4:59

Besetzung

Dale Thompson (Voc)
Gary B. Sullivan (Git, B [1, 3, 4, 5, 8, 9], Programming [9])
Tiago James (Git [5, 8, 9])
Michael T. Ross (Keys [1, 3, 4, 6, 7])
Dion Colucci (B [2, 6, 7])
Tony Morra (Dr [alle außer 9])
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