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Reviews

Thomas Quendler

Awaking



Der Kärntner Jazzpianist Thomas Quendler stellt sich im Rahmen der Reihe "Jazz thing Next Generation" vor, unter Vol. 109 veröffentlicht er Awaking, gemeinsam mit dem Bassisten Jakob Gönitzer und Jonas Kočnik am Schlagzeug.

Zu seinem persönlichen Hintergrund trägt der Protagonist vor, dass seine Eltern in einer Band spielten, die Mutter habe unter anderem Schallplatten von Stan Getz besessen, sein Cousin habe Piano gespielt, was letztlich sein Interesse an dem Instrument weckte, und ab dem Alter von dreizehn Jahren lernte er es spielen, zunächst die Variante der klassischen Musik, dann die spätere Hinwendung zum Jazz. Zu der Triobesetzung des Albums führt er aus, dass dieser Klassiker der Jazzbesetzung deutlich weniger aufwendig sei und zugleich den Reiz des Grundlegenden beinhalte, inklusive der Klarheit einer Bandkommunikation im Dreiergespräch.

Und entsprechend kann man sich auf die acht Songs einstellen, sechs Eigenkompositionen, dazu "It Don't Mean A Thing" von Duke Ellington und "Yatra-Ta" von Tania Maria. Zwar bringt Quendler den Begriff eines Klassikers der Jazzbesetzung, doch empfinde ich es nicht unbedingt so, dass er sich mit dieser Produktion in die lange Reihe entsprechender Klassiker einreihen kann. Denn das, was man sich allgemein von diesen Klassikern, wie etwa von Oscar Peterson, Bill Evans oder Duke Ellington, vorstellt, nämlich diesen "klassisch swingenden" Jazz, den Mainstream, finde ich bei diesen Interpretationen eigentlich nicht.

Allein der Klassiker "It Don't Mean A Thing" wird moderner interpretiert, allein durch das Pianospiel, das mir offensichtlich über das hinausgeht, was ich von der klassischen Spielweise her kenne. Auch "vermisse" ich in diesem Zusammenhang dieses swingende Element, denn durch die Art und Weise, wie hier der Begriff Fusion eingearbeitet wird, läßt diesen Song in eine andere, eine eigene Sichtweise aufgehen.

Und so sollte man davon absehen, hier das typische Piano-Bass-Schlagzeug-Jazztrio zu erleben, denn man pflegt nicht unbedingt Bewährtes, sondern bringt den Jazz in eine andere und modernere Richtung. Das ist insofern auf individuelle Art und Weise gelungen, doch vermisse ich mitunter diesen großen Ausdruck an Emotion. Alles ist jedoch sehr souverän und virtuos dargeboten und die Band ist miteinander sehr gut verflochten. Elemente des Funk werden wie selbstverständlich mit einbezogen, doch, wie erwähnt, beraubt das den Songs grundsätzlich diesen jazzigen Swing, so empfinde ich das jedenfalls.

Halte ich zum Beispiel diese Version von "It Don't Mean A Thing" jener, die Thelonious Monk mit Oscar Pettiford und Kenny Clarke 1955 einspielte, entgegen, wird das deutlich, gerade hinsichtlich der sehr speziellen Interpretation, wie man es von Monk kannte. Hier werden bei mir sogleich Emotionen ausgelöst, Nerven angesprochen und gekitzelt, der Blues quillt hier aus den Tasten, und das, obwohl Monk unter bestimmten Gesichtspunkten nicht immer der beste Pianist gewesen sein mag.

Auch Duke Ellington mit seinem Album "Money Jungle" aus 1962 mit Charlie Mingus und Max Roach wirkt für mich entschieden lebendiger und packender. Da sprechen die Eigenkompositionen von Quendler eine entschieden andere Sprache, nämlich seine eigene, die rasch ein eigenes Profil verdeutlicht und mit seinen Funk-Elementen einen oft kraftvollen und druckvollen Drive verbreitet, der genau unter diesem Gesichtspunkt mitreissen kann.

Auch die Ballade "Horizon" ist dann wiederum ein sehr gefühlvoller Song mit verträumtem Ausdruck, ebenso wie das ebenfalls balladeske Titelstück. Dann wiederum gefällt mir die Version von "Yatra-Ta" in der Originalversion von Tania Maria aufgrund ihres mitreissenden Feuers besser. "Myosotis" verabschiedet uns dann mit einer leicht verspielt wirkenden Darbietung, die, wie einige andere Songs ein wenig vom Pianospiel aus der klassischen Musik beinhalten, ein feinfühliges Bass-Solo reichert die Stimmung an, ein guter Abschluss.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 It Don't Mean A Thing (4:40)
2 Madness (5:03)
3 Flow (6:25)
4 Racso (4:23)
5 Horizon (5:37)
6 Yatra-Ta (5:58)
7 Awaking (6:39)
8 Myosotis (6:16)

Besetzung

Thomas Quendler (piano)
Jakob Gönitzer (bass)
Jonas Kočnik (drums)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger