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Praying For More Songs To Come
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Info
Musikrichtung:
Modern Jazz
VÖ: 01.07.2025 (HLAVA) Gesamtspielzeit: 38:27 Internet: https://gilad.online/ https://danielbulatkin.com/ https://www.facebook.com/taras.volos/ https://www.facebook.com/dusan.cernak.98/about/?_rdr https://www.hlavaxxii.com/en/home/ |

Gilad Atzmon, Daniel Bulatkin, Taras Volos und Dušan Černák sind hier gemeinsam im Gebet vertieft, denn Praying For More Songs To Come entstand unter dem Bandnamen Atzmon/Bulatkin/Volos/Černák offensichtlich als Kollektiv. Bis auf "My Old Flame" stammen die übrigen vier Songs von den Bandmitgliedern.
Wie ich erfuhr, wurde die Musik live in einem Raum aufgenommen, ohne jegliche nachträgliche Bearbeitung. So sollte der Sound von Jazz der alten Schule wiedergegeben werden, inklusiver spiritueller Elemente, von Musikern wie John Coltrane inspiriert.
Die vier Musiker sind ganz unterschiedlicher Herkunft, Atzmon, der britische Saxofonist, wurde in Jerusalem geboren, Pianist Bulatkin ist Tscheche und lebt in den Niederlanden, Bassist Volos stammt aus Kiew und Drummer Černák aus Prag.
Und so erwartet mich eine Art nostalgischer Reise mit einer Stimmung, wie ich sie kenne von Aufnahmen für die Label Blue Note und Impulse, solcher der sechziger Jahre. Gleich von Beginn an spürt man diese Offenheit der Musik, "The First Day Of The Year" gibt das Thema vor und lässt dann nach und nach viel Spielraum für die Musiker zu, Atzmon bringt in seinem Solo ganz dezente orientalische Einflüsse ein, es erinnert mich insofern an seine Vorträge mit The Orient House Ensemble.
Ja, so spüre ich wirklich rasch diese spezielle Ausdrucksweise des Jazz der Sechziger, ein wenig spirituell und wie gedankenverloren wirkend, wird man ebenso in diesen Kosmos hineingezogen und kann sich wunderbar treiben lassen. Mit dem "Early Blues (I Listen To)" verstärkt sich das, so dass sich mir wirklich eine Atmosphäre eröffnet, die den Geist von John Coltrane spüren läßt, spätestens, wenn bei Minute 1:12 das Saxofon einsetzt, und später wird Atzmon auch noch relativ frei in seiner Spielweise.
Der Klassiker "My Old Flame", diese wunderschöne Ballade, wird äußerst emotional angegangen, man fühlt sich hier auch in Richtung Ben Webster versetzt, und eine sehr orientalische Stimmung leitet den Titelsong ein und erhebt ihn in den Stand des Besonderen.
Alle Musiker waren bereits mit diversen Konstellationen aktiv und bringen insofern ihren Erfahrungsschatz mit ein, und haben mit Praying For More Songs To Come gleichermaßen ein angenehm "altmodisch" und nostalgisch klingendes Werk vorgelegt, das dem modernen Jazz der Jetztzeit dennoch mit sehr viel Frische belebt und ihm ein zeitloses und auch zeitgemäßes Gesicht gegeben hat.

Trackliste
2 Early Blues (I Listen To) (8:52) – D. Bulatkin
3 My Old Flame (5:16) – A. Johnston
4 Praying for More Songs to Come (8:44)– T. Volos
5 Autumn in Baghdad (6:41)– G. Atzmon
Besetzung
Daniel Bulatkin (piano)
Taras Volos (double bass)
Dušan Černák (drums)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

