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Reviews

Janis Ian

From me to you; Live in Bremen


Info

Musikrichtung: Folk / Songwriter

VÖ: 30.05.2025 (2004)

(Radio Bremen / MiG)

Gesamtspielzeit: 98:46

Die Zeit der amerikanischen Folk-Songwritern Janis Ian waren im Wesentlichen die 70er Jahre, in denen dieser Musik-Stil auch zuhause ist. Sie hat offenbar auch keinerlei Interesse daran, diesen Stil in irgendeiner Weise zu verändern oder zu entwickeln. Dieses Live-Album von 2004 hätte im Prinzip so auch 1975 eingespielt werden können.

Mir ist Janis Ian vor dem Hören dieser Doppel-CD nur aus einem einzigen Grund ein Begriff gewesen. In meiner Sammlung befindet sich seit mindestens(!) 40 Jahren ihre erfolgreichste Single „At Seventeen“. Wieso sie ihren Weg in meine Sammlung gefunden hat, ist mir völlig unklar. Ich kann mich nicht erinnern, das Stück irgendwann einmal gehört zu haben – außer eben auf meiner Vinyl-Single.

Da das Booklet zwar persönliche Liner Notes von Ian enthält, mit konkreten Angaben aber geizt, habe ich auch nicht die leiseste Ahnung, ob in dem Konzert vorrangig Eigenkompositionen aus den 70ern gespielt wurden, oder auch Songs von anderen Künstlern oder aus ihren Alben, die sie nach 1981 veröffentlicht hat. Damals erschien Restless Eyes, das letzte Album, das laut Wikipedia in den USA gechartet ist (#156). Ausnahmen: Das besagte „At Seventeen“ stammt aus dem Jahre 1975 und „I got you Babe” ist natürlich ein Cover des Sonny & Cher-Klassikers

In der Discographie der deutschen Wikipedia sind fünf Singles gelistet. Drei davon (1967, 1975, 1980) hat sie gespielt. Die anderen beiden (1979, 1980) nicht.

Der Vortrag ist über weite Strecken recht gleichförmig. Ohne große Hooks trägt die Sängerin, die sich selbst auf der Gitarre begleitet, ihre Songs vor. Nur selten wagt sie sich mit etwas bassiger Power hervor („Take no Prisoners“), wird etwas lauter („Between the Lines“) oder verfällt am Ende von „In the Winter“ sogar regelrecht in Geschrei. Das Publikum klatscht brav nach jedem Stück.

Selbst der Ohrwurm „I got you Babe“ past sich recht müde in den Gesamtrahmen ein und die ergreifende Emotionalität, die „At Seventenn“ in der Studio-Version trägt, kommt hier nicht rüber.

Dass überhaupt so etwas wie Live- oder Konzertstimmung entsteht, liegt an den zum Teil recht langen Ansagen. Dass sie auf der CD eigene Indices bekommen und als Interludien bezeichnet werden, ist sachgerecht, da sie oft viel mehr sind als Ansagen und Themen behandeln, die mit den kommenden Stücken nur am Rande zu tun haben. Da geht es um den kulturellen Unterschied zwischen Europa und den USA, z.B. im Umgang mit älter werdenden Frauen, oder um alltägliche Erfahrungen einer in Nashville lebenden Jüdin. Sie kann auch in ein und derselben Ansage von Woody Guthrie über das Verhältnis zu ihrer Mutter bis zur Bedeutung von Bildung wecheln. Mir haben die Ansagen zum Teil mehr gegeben als die Musikstücke.

Highlight des Albums ist die klasse Country-Parodie „Boots like Emmy Lou‘s”. Kommentar von Janis Ian: „In Nashville lacht darüber keiner.“ In Bremen schon!



Norbert von Fransecky

Trackliste

CD 1
1 Jesse (6:34)
2 From me to you (4:19)
3 Boots like Emmy Lou's (Interlude) (3:45)
4 Boots like Emmy Lou's (4:21)
5 Days like these (4:01)
6 The other Side of the Sun (Interlude) (0:38)
7 The other Side of the Sun (5:49)
8 Take no Prisoners (Interlude) (0:35)
9 Take no Prisoners (7:16)
10 Dead Man walking (3:23)
11 Watercolors (6:13)

CD 2
12 When I lay down (Interlude) (3:24)
13 When I lay down (4:22)
14 Society's Child (4:28)
15 I hear you sing again (Interlude) (4:13)
16 I hear you sing again (4:55)
17 Between the Lines (Interlude) (0:31)
18 Between the Lines (5:47)
19 At Seventeen (Interlude) (2:23)
20 At Seventeen (5:04)
21 In the Winter (Interlude) (1:51)
22 In the Winter (4:13)
23 I got you Babe (Interlude) (1:25)
24 I got you Babe (3:24)
25 This Train still runs (Interlude) (1:11)
26 This Train still runs (4:39)

Besetzung

Janis Ian (Voc, Git)
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