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Redemption
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Info
Musikrichtung:
Rock
VÖ: 16.05.2025 (Eigenproduktion) Gesamtspielzeit: 42:58 Internet: http://www.laribasilio.com |

Für Lari Basilio markiert jedes ihrer Alben einen Zeitabschnitt ihres Lebens. Das galt noch nie so sehr wie jetzt bei ihrem neuen, vierten Longplay-Werk Redemption („Erlösung“): In der Songwriting-Phase erlitt die Brasilianerin eine Fehlgeburt. Nun ist die Platte draußen, und sie die überglückliche Mutter eines Sohnes!
Für die studierte Anwältin selbst bilden ihre elf neuen Songs den Soundtrack zu diesen in beide Richtungen extremen Erfahrungen. Ich würde es so ausdrücken: Es ist die Begleitmusik zum Aufstieg eines Menschen aus tiefster Dunkelheit in gleißendes Licht! Davon künden ebenfalls Songtitel wie „Bliss“ („Glückseligkeit“), „New Chapter“ („Neues Kapitel“) oder eben „Redemption“. Wenn man die turbulenten Hintergründe kennt, hört man die dazugehörige Musik noch mal anders! Auch weil man erkennt: Spätestens jetzt ist die 36-Jährige angekommen. Im Leben. Bei sich. Daran hat Musik allgemein und ihre Musik im Besonderen mit Sicherheit einen gehörigen Anteil.
Wie auf allen ihren Veröffentlichungen, allerdings jedes Mal noch ein bisschen stärker ausgeprägt, verbindet Lari Basilio ihren individuellen, unverwechselbaren Ton, ein ungeheures melodisches Gespür und emotionale Tiefe zu ihrem ganz eigenen Stil, den man nicht nur als Fan sofort erkennt.
Im informativen „Making Of“-Video auf YouTube ringen ihre Mitmusiker – Lari nennt sie respektvoll ihr „Team“, sie sagen scherzhaft „Boss“ zu ihr - geradezu um die passenden Worte, um ihre Wertschätzung und ihre Bewunderung angemessen auszudrücken, rühmen im gleichen Atemzug aber auch die Herzlichkeit der bescheidenen Ausnahmekünstlerin.
Man muss sich das mal vorstellen: Bass-Legende Leland Sklar („She´s a beautiful soul“) empfindet es als Privileg, dass er 2022 am Vorgänger Your Love mitwirken durfte, und dass er nun gefragt wurde, ob er wieder mit ihr arbeiten möchte! Drummer Vinnie Colaiuta, dessen Vita die Allergrößten wie Frank Zappa, Sting oder Faith Hill, aber auch Megadeth aufweist, sagt über sie: „Was ich an ihr liebe, ist, dass es [ihre Musik] bei aller Virtuosität immer musikalisch ist, immer gefühlsbetont. Sie lässt uns einfach spielen!“ Und dann fügt der Schlagzeuger, der sagenhafter 18 Mal mit dem „Drummer of the Year“-Award ausgezeichnet wurde, doch tatsächlich hinzu: „Ich bin einfach glücklich, dass sie mich wieder eingeladen hat! Sie ist ein Phänomen!“ Bassist Sean Hurley („Jedes ihrer Stücke hat eine ungewöhnliche Melodie oder einen ungewöhnlichen Rhythmus“) und Keyboarderin Mari Jacintho („Ihre Kompositionen sind anders“) zeigen sich vor allem von der Kreativität der Gitarristin aus Sao Paulo beeindruckt. Hurley erzählt, er sei vor den Sessions „extrem aufgeregt“ gewesen und habe sich maximal gefordert gefühlt: „Ich muss alles geben, um ihre Ideen zum Leben zu erwecken.“
Auf den ersten Blick mögen diese Anekdoten aus dem Studio 2 der EastWest-Studios nichts mit der Musik zu tun haben. Doch das ist ein Irrtum! Sie sind vielmehr der Beleg für eine ungewöhnlich innige, wenn nicht gar einzigartige Bindung der Musiker untereinander. Dass man sich bereits von der letzten Produktion her kennt, erleichtert die Zusammenarbeit natürlich enorm! Diese besondere Emotionalität hört man Redemption an! Sie sorgt für eine Leichtigkeit, die es möglich macht, fünf Songs an einem Tag einzuspielen. In wenigen Takes! Ohne Proben!! Alle zusammen live vom Blatt!!! Ja, so etwas gibt es wirklich noch!
Unter diesen Umständen, mit diesen Voraussetzungen verwundert es nicht, dass das Ergebnis klingt wie es klingt: Wenn Lari wie im euphorischen Opener „The Way Home“ oder dem Energiebündel „The Fighter“ ihre Ibanez LB1 mit Verve und Eleganz brennen lässt, erinnert ihre perlende Melodieführung an Andy Timmons (den Basilio ohnehin zu ihren Vorbildern zählt). „Summertime“ dagegen klingt, als würde ein Kind übermütig über eine Wiese toben! Der getragene Mittelteil zerstört diesen Eindruck keineswegs, sondern verstärkt ihn sogar noch!
Ebenfalls sehr auffällig: Sobald es auch nur ein wenig ruhiger wird, bekommt die Musik buchstäblich einen anderen Geschmack, zergeht dem hungrigen Hörer jeder Ton auf der Zunge! Das Highlight in dieser Hinsicht markiert der Abschluss „Forever“, das Lari allein mit ihrer Gitarre bestreitet. Zauberschön!
Vom Charakter der Songs her finde ich One Love zwar rasanter, dennoch besteht für mich kein Zweifel daran, dass Lari Basilios persönlichstes und tiefgründigstes Album in seiner Gesamtheit auch ihr bestes geworden ist! Die Songs sind von ihrer kompositorischen Qualität her mindestens genauso gut. Vielleicht macht letztlich die geschilderte Atmosphäre den Unterschied!

Michael Schübeler
Trackliste
| 1 | The Way Home | 4:39 |
| 2 | Seasons | 3:38 |
| 3 | Redemption | 4:20 |
| 4 | Bliss | 3:41 |
| 5 | Dear D | 3:09 |
| 6 | New Chapter | 4:27 |
| 7 | Seven | 3:46 |
| 8 | Heartbeat | 4:03 |
| 9 | Summertime | 3:20 |
| 10 | The Fighter | 4:22 |
| 11 | Forever | 3:33 |
Besetzung
Vinnie Colaiuta (Drums)
Mari Jacintho (Keyboards)
Leland Sklar (Bass on Track 3, 4, 6, 8, 10)
Sean Hurley (Bass on Track 1, 2, 5, 7, 9)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

