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Boleros Psicodélios II
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Info
Musikrichtung:
Latin Pop / World Music - Fusion
VÖ: 11.07.2025 (ATO) Gesamtspielzeit: 42:25 Internet: https://www.adrianquesada.net/ https://atorecords.com/ https://www.pias.com/ |

Adrian Quesada, den Namen dieses Musikers mögen Einige vielleicht bereits in Verbindung mit der Band Black Pumas gehört haben. Soul und Funk mit Latin-Einflüssen, das war in etwa die Mischung. Der Protagonist selbst wuchs an der Grenze zu Mexiko auf und hatte insofern bereits Kontakt zum Latin Rock. Ein einschneidendes Erlebnis soll angeblich ein Song einer Band aus Peru gewesen sein, Los Pasteles Verdes und ihr Song "Esclabo y Amo" aus dem Jahr 1975. Das ist eine schmachtende Ballade, getragen vom Sound der Orgel. Die Melodramatik soll ihn wohl fasziniert haben, nun denn....
Diese Balladen, die seinerzeit wohl weit verbreitet waren in der Musikszene Lateinamerikas, beinhalteten Anteile von weichgespültem Bossa Nova-Feeling, einigen psychedelischen Elementen und bestimmten Formen des Bolero, Weltschmerz und Sehnsucht inklusive.
Und dieses verarbeitet der Protagonist auf dieser Platte, Boleros Psicodélicos II, dem zweiten Teil dieses Projektes. Der erste Teil wurde weitestgehend noch im Alleingang aufgenommen, seinerzeit war hierfür die Corona-Isolation dafür verantwortlich, doch im zweiten Teil ist eine Basisband dabei sowie zahlreiche Gäste, auf jedem Song ein anderer Sänger/eine andere Sängerin, in der Tracklist sind sie jeweils aufgeführt.
Die Musik scheint wie eine Widmung an den Latin Pop vergangener Tage zu sein, gleichzeitig, durch den Produzenten Alex Goose auch eine klare moderne Sprache mit zeitgemäßen Elementen. Quesada selbst prägt mit seinen Beiträgen mit Gitarren und Keyboards den Sound grundsätzlich, die Vielseitigkeit ergibt sich besonders durch die verschiedenen Gesangsbeiträge. "Ojos Secos" wird von Cuco gesungen, einem kalifornischen Sänger und Songwriter, und schon hier sind wir mitten drin im balladesken Milieu, ganz ruhig schleicht der Song dahin, eigentlich ohne jeglichen Höhepunkt.
Da ist "Bravo" dann doch schon energiegeladener, mit der quirligen Orgel, der Perkussion, den Bläsersätzen und dem emotional starken Gesang von Ile aus Puerto Rico. Wenn dazu noch ein Vibrafon eingesetzt wird, dann ist dieser Song der klare Gewinner zum eher langweilenden ersten Titel. Und so wechseln sich Stimmungen und der jeweilige Ausdruck in verschiedene Richtungen, mal mehr und mal weniger emotional, ab, Tops und Flops inklusive.
Sehr cool ist das von Mireya Ramos gesungene "Cuatro Vidas" mit dem lasziv-perkussiven Zuschnitt kubanischer Prägung. Unter den zwölf Songs der Albums gibt es zwei Instrumentals, einmal ist das "Primos" mit prägender Gitarrenarbeit der Brüder Gutiérrez, das kommt für mich wie ein Soundtrack, und dann noch "El Diamante", das ist eher lahm dagegen.
Ganz anders wiederum stellt sich "Agonia" vor, hier mit einem Streicherarrangement, hier tritt zudem ein Musikensemble aus Bogotá auf, Monsieur Periné, insgesamt einer der dramatischen Songs des Albums. So stelle ich resümierend fest, dass sich der prägende Eindruck, den der Protagonist durch Los Pasteles Verdes einst erfuhr, zu großen Anteilen offensichtlich niederschlug, doch einen auch nur ansatzweisen psychedelischen Ausdruck vermag ich so gar nicht zu erkennen, mitunter nähert sich die Musik durchaus modernen Stilen an, Hip Hop und Ähnliches könnte schon an der nächsten Ecke lauern, Nostalgie und Moderne geben sich mitunter die Hand, mit einer dicken Portion Drama und Kitsch bisweilen.

Trackliste
2 Bravo (feat. iLe)
3 No Juego (feat. Angélica Garcia)
4 Cuatro Vidas (feat. Mireya Ramos)
5 Afuera (feat. Ed Maverick)
6 Primos (feat. Hermanos Gutiérrez)
7 Hoy Que Llueve (feat. Trish Toledo)
8 Agonía (feat. Monsieur Periné)
9 Te Vas y Yo Te Dejo (feat. Gepe)
10 El Diamante
11 Tu Poder (feat. Natalia Clavier)
12 No Temeré (feat. Daymé Arocena)
Besetzung
Jay Mumford (drums)
Terin Ector (bass)
Mike Sarason (keys)
John Michael Schoepf (bass)
Jaron Marshall (keys)
Carolyn Trowbridge (vibraphone)
Ismael Cancel (percussion)
Mark Gonzalez, Josh Levy, Gilbert Elorreaga, Dan Bechdolt (horns)
Brian Donohoe (horn arrangements)
Eric Hagstrom (drums)
Tony Martin (bass)
Joshua Strauther (keys)
Alberto Lopez (percussion)
Ed Maverick (vocals and keys)
Angèlica Garcia (vocals, backup vocals)
Alejandro Gutierrez (lapsteel)
Estevan Gutierrez (guitar)
Catalina Garcia (lead vocals)
Eric Krasno (electric guitar)
Leonelys Sánchez, Nabani Aguilar, Lilan Sifontes, Cristina Arista (strings)
Santiano Preto (string arrangement)
Zoe Gotusso (backup vocals)
Daniel Abraham (organ and synths)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

