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The Happy Worrier
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Info
Musikrichtung:
Modern Jazz
VÖ: 27.06.2025 (ECN) Gesamtspielzeit: 59:41 Internet: https://kasperrietkerk.nl/ https://ecnmusic.com/ |

Heute stelle ich eine Platte eines niederländischen Saxofonisten vor, das ist Kasper Rietkerk. Mit verschiedenen Formationen hatte er zusammengearbeitet, mit Einzelkünstlern, dazu zählen Das Sound Kollektiv, Emma Rawicz Jazz Orchestra, KRSIX, Eddie Chacon und andere.
Schon in jungen Jahren erlernte es das Saxofonspiel und wurde inspiriert durch solche Kollegen wie Kenny Garrett, Paul Desmond oder Cannonball Adderley. Nun hat er mit seiner Band ein neues Album vorgelegt, The Happy Worrier. Mit der Unterstützung der Brubeck Living Legacy und einem von dort erhaltenen Preisgeld konnte er dieses Album umsetzen. Zwölf Songs wurden in London eingespielt mit einigen hervorragenden Musikern aus Großbritannien, wie John Parricelli, Tom Herbert, Jonah Evans and Rebecka Edlund, alle Kompositionen stammen von ihm.
Mit "Lost In Glow" wird das Album eröffnet, und schon gleich zieht es mich in seinen Bann, denn es verhilft spontan zur Ruhe. Hierzu muss ich dann sofort an den Titel eines Romans von Sten Nadolny denken, "Die Entdeckung der Langsamkeit", vielleicht ein möglicher Soundtrack hierzu. Und in diesem Zusammenhang spielt für mich eine ganz wichtige Rolle der Gitarrist John Parricelli, denn er erinnert mich in seiner Spielweise stark an Kollegen wie Ben Monder, Jakob Bro oder Bill Frisell. Und hier schlägt sich dann ein Bogen zum Münchener Jazzlabel ECM Records, denn dort wäre The Happy Worrier auch gut aufgehoben.
So ist diese Musik mit ihrer ruhigen Stimmung sehr nahe gehend, man spürt ständig eine große Tiefe, die Band vermittelt das hervorragend. Kasper Rietkerk selbst spielt mit einem recht eigenen Ausdruck, auch sehr verhalten, mitunter recht "nordisch", aber auch gibt es Momente, die sich hervorheben durch Nuancen, wie zum Beispiel der Einsatz seiner "Flatterzunge", unter anderem auf "Missing Out On the Important Stuff", aber ganz zart intoniert. Der Protagonist spielt durchgehend recht zurückhaltend, sehr lyrisch, mitunter folkloristische Momente einbeziehend, wie bei "The Ceiling".
Doch gelegentlich wird es auch lebhafter, wie bei "Blueberry Pancake", und hier erinnert mich Gitarrist Parricelli wiederum stark an Gabor Szabo, bei "Mayfly" legt er im Übrigen die E-Gitarre beiseite und schafft mit der Akustischen wiederum ganz andere Farbtupfer, ein Hauch Brasilien vielleicht.... Eine Besonderheit wird dann noch mit zwei Songs geboten, denn auf den Tracks sieben und zwölf ertönt die Stimme der in London lebenden schwedischen Sängerin Rebecka Edlund, obwohl es sich beim letzten Song um eine Alternativversion des ersten handelt. Beide Male setzt die Schwedin ihren wortlosen Gesang, bei #12 inklusive einiger Pfeiftöne, ein, sie erinnert mich ein wenig an Mari Boine.
Ja, insgesamt gesehen, nach diesem Erlebnis von zwölf Songs, bleibt mir die eingangs auf mich eingewirkte Faszination einer Musik, die etwas sehr Besonderes darstellt, weil sie sehr individuell ist, neben Passagen der Ruhe und Langsamkeit mit Melancholie angereichert, Musik zum Innehalten, zum Abschalten, zum Vergessen vieler negativer Dinge, die rundherum um uns geschehen mögen.

Trackliste
2 The Ceiling (5:39)
3 Missing Out On the Important Stuff (6:21)
4 Blueberry Pancake (4:03)
5 Mayfly (5:51)
6 Nimbus (1:52)
7 Scream for Silence (4:12)
8 I Don't Remember Asking Your Opinion (3:34)
9 Tea Lights (4:16)
10 French Balcony (5:48)
11 Nimbus (Alternate Take) (5:009
12 Scream for Silence (Feat. Rebecka Edlund) [alternate Take] (7:18)
Besetzung
John Parricelli (acoustic and electric guitar)
Tom Herbert (electric and double bass)
Jonah Evans (drums)
Rebecka Edlund (vocals - #7,12)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

