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Reviews

Cochise

Live "Open Ohr" Festival 1981


Info

Musikrichtung: Polit-Rock

VÖ: 20.06.2025

(Sireena / Broken Silence)

Gesamtspielzeit: 46:05

Die 70er Jahre waren die Jahre des Polit-Rocks. Und als sich Ende der 70er/Anfang der 80er aufgrund der Friedens- und Anti-AKW-Bewegung die Demo-Kultur aus der Radikalinski-Ecke in die Mitte der Gesellschaft bewegte und weite Teile der Bevölkerung sich auf Demos rumtrieben, hatten Polit-Rock-Bands plötzlich Konjunktur. BAP, Bots oder die Scherben wurden, je nach politischer Ausrichtung, als Kulturprogramm gebucht. Cochise blieben dabei, warum auch immer, eine Nischenband.

Wahrscheinlich waren Cochise etwas zu radikal, zu anarchistisch. Das spiegelt sich in den Texten deutlich wider, die die Sprache der Hausbesetzer, der Aussteiger, der Anti-Militaristen und der Anarchisten spricht – um dem Schweinesystem, ohne es so zu nennen, einen fast schon punkigen Stinkefinger entgegenzustrecken. Punk ist musikalisch aber zu keinem Moment angesagt. Es dominieren Folk, Rock und Reggae, die klar in den Dienst packender Melodien und Refrains gestellt werden.

Beim Open Ohr Festival haben Cochise ausschließlich Songs der ersten beiden Alben gespielt, die zum Teil deutlich rockiger über die Bühne kommen. Dafür ist gleich der instrumentale Opener, bei dem die Gitarren stärker knallen als auf der Studio-Version, ein gutes Beispiel. Auch „Das Haus“ kommt aufgebohrt. In dem tollen Reggae leitet ein gegenüber der Studio-Version neues dramatisches Piano-Solo den Polizei-Einsatz ein, mit dem das Haus geräumt wird. Musikalisch toll aufgebaut zuckt man aber wegen dem extrem verzerrten Bild, das hier von der Polizei gezeichnet wird, zurück.

Mit den oft völlig überzogenen und verwöhnten Ansprüchen, die die Anarchisten in ihren Texten stellen, sind sie Teil einer Szene, die auch heute noch besteht. Politisch inhaltlich sollte man hier deutliche Fragezeichen setzen. Das aber soll sich nicht auf die musikalische Bewertung auswirken. Da mich diese Live-Aufnahme – wie auch die zugrunde liegenden Alben – wirklich packen, war ich kurz davor die Höchstnote zu ziehen.

Zwei Dinge haben mich bei dieser historischen Veröffentlichung davon abgehalten. Zum einen die doch recht knappen Liner Notes, die das Konzert immerhin historisch einordnen; zum anderen die recht kurze Spielzeit, die (leicht) durch Bonus-Tracks hätte aufgestockt werden können; z.B. durch einige starke Titel der Studio-Alben, die beim Festival möglicherweise aus Zeitgründen nicht haben gespielt werden können. Aber vielleicht haben Sireena ja vor, auch die Studio-Alben von Cochise neu zu veröffentlichen. (Was sehr zu begrüßen wäre; Red.)



Norbert von Fransecky

Trackliste

1Rolltreppe abwärts 4:05
2Kannst Du das mit ansehn 4:51
3Jeder Traum 3:33
4Das Haus 4:41
5Platanen statt Autobahnen 1:35
6Resolution 6:16
7Is das nich gemein 5:38
8Was kann schöner sein 5:46
9Jetzt oder nie, Anarchie 2:15
10Wir werden leben 4:03
11Das Anarchistenschwein 3:21

Besetzung

Klara Brandi (Flöte, B, Effekte, Voc)
Pit Budde (Git, Voc)
Günter Holtmann (Git, B, Voc)
Martin Buschmann (Keys, Sax, Steeldrum, Voc)
Tom Kühn (Dr)
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So bewerten wir:

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06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger