Reviews
Best Of
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Info
Musikrichtung:
Singer/Songwriter/Folk
VÖ: 22.06.2025 (Compass Rose Music) Gesamtspielzeit: 40:51 Internet: https://stevegillette.com/ https://compassrosemusic.com/index.html |

Der 1942 geborene Steve Gillette war bereits im Kindesalter von der Gitarre eines Nachbarn begeistert, der Vater, ein Musiker, erweckte ebenfalls des Knaben Interesse für Musik und die Familie und Freunde sangen oft zusammen zu bestimmten Anlässen. Und so begab es sich, dass der junge Steve nach und nach immer weiter an Musik herangeführt wurde, auf einem Banjo spielte er unter anderem Bluegrass, interessierte sich unter anderem für Flatt & Scruggs und die Carter Family und die Gitarre wurde bald sein Hauptinstrument.
Nebenbei entstanden erste eigene Songs, die zunächst von anderen Musikern aufgenommen wurden, bis er dann das Interesse von Vanguard Records erweckte, was schließlich dazu führte, dass 1967 das Debütalbum aufgenommen wurde. Leider wurde es zunächst nicht sehr erfolgreich, Folk und Folk-Rock lagen seinerzeit nicht mehr unbedingt "massentauglich" im Trend, das Folk-Revival der frühen Sechziger neigte sich bereits dem Ende entgegen, erst später wurde das Album in eine Art Kultstatus erhoben und es erfolgte eine Neuauflage, die bereits leider wieder vergriffen ist. Weitere Alben folgten, unter anderem welche mit seiner Ehefrau Cindy Mangsen.
Und nun hat der in Vermont lebende Steve aktuell ein neues Album mit zwölf Songs vorgelegt. Das sind von ihm ausgewählte Songs, mit einigen seiner bekanntesten Stücke. Aufgenommen wurden diese in Tennessee mit Top-Sessionmusikern aus Nashville. Sein wohl bekanntester Song, vom ersten Album, "Darcy Yarrow", fehlt hier allerdings, so wird gemutmasst, dass er angesichts der Tatsache, dass es bereits über 300 Versionen des Liedes geben soll, eventuell davon Abstand nahm.
Nun, ich bin ihm dafür sicher nicht böse, denn wenn ich dem ersten Song der Kollektion, "Grapes On The Vine", lausche, dann bin ich sofort gefangen in dieser herrlich warmen und entspannten Atmosphäre, inklusive der sehr "freundlich" klingenden Stimme des Protagonisten, dieses gewisse "Frontporch-Feeling" ereilt mich, als wäre man unter ihnen, den guten Freunden, die hier gemeinsam Musik machen. Ganz wunderbar strahlt diese folkige Stimmung, und so singt der Künstler davon, dass es Songs gibt, die die Vögel den Menschen nicht vortragen und vorenthalten, Geheimnisse, die nie enthüllt werden, dass es Helden gibt, die nie an die Öffentlichkeit gelangen, "And I'm singin' this song for one of them".
Und diese warmherzige und ruhige Stimmung zieht sich durch das ganze Album, die Musik fließt wie selbstverständlich, ganz natürlich und entspannt, dazu tragen mit Sicherheit auch die beteiligten Musiker bei, Einigen dürfte vorrangig sicher Gitarrist Greg Leisz bekannt sein, von Jackson Browne, David Crosby, Bonnie Raitt, Jennifer Warnes und unzähligen Musiker*innen, mit denen er zusammenspielte, auch in ganz anderen Genres, wie zum Beispiel Jazz. Doch auch die anderen Beteiligten sollte man entsprechend ihrer Wichtigkeit zum Gelingen dieser Musik würdigen. Gattin Cindy ist hier als Background-Sängerin beteiligt.
Ja, und wie sollte man die Musik vergleichsweise versuchen einzuordnen? Vielleicht etwa in die Richtung von John Prine, Mickey Newbury, Steve Goodman und ähnlich gelagerten Acts. Selbst hatte ich des Protagonisten Musik mit seinem 1979er Album "A Little Warmth" kennen gelernt und wurde auf ihn in positiver Hinsicht aufmerksam. Das Album wurde seinerzeit von Graham Nash produziert, selbst wirkte er auch mit, sowie solche Stars wie David Lindley, Johnny Barbata, Pete Sears, Chris Ethridge und Hank DeVito unterstützten das Projekt. Leider befindet sich von dieser Platte kein Song auf dem neuen Album.
Dafür sind darunter auch solche, die bereits von anderen Künstern*innen interpretiert wurden, wie von Waylon Jennings (#1), Don Williams (#3, 12), Kenny Rogers (#8) oder The Stone Poneys (#11), darunter, also bereits sehr bekannt wurden. Auf dieser Kollektion strahlen sie Alle eine Gemeinsamkeit aus, und diese ist so betörend in ihrer Wirkung und absolut infizierend mit einem unglaublichen Wohlfühl-Gefühl, solche Musik wird heute immer seltener und stellt insofern etwas sehr Besonderes dar. Auf der Basis von Folk fliessen typische Elemente des Singer/Songwriter-Genres ein, gelegentlich mit einem Schuß Country versehen. Das ist quasi perfektes Easy Listening ohne den oft bitteren Beigeschmack dieses Begriffes. Hier kommt es absolut ehrlich und überzeugend, hochmelodische Musik für Herz und Seele, und jeder Song erzählt eine Geschichte, die man nachlesen kann, weil alle Texte abgedruckt sind.
Will man ähnlich gelagerte Musik mit aktuellen Produktionen vergleichen, kann man gut und gern in Richtung von solchen Künstlern*innen wie Eva Hillered, David Massey, Michael Henchman, Nelson Wright oder Jim Stanard weisen. Doch hier ist es ein "Veteran", der mit Best Of einen neuen Klassiker vorgelegt hat, ein sehr wichtiges Album! ...und es fiele mir schwer, einen Lieblingsssong heraus zu suchen...

Trackliste
2 Down Where The River Meets The Road (2:59)
3 That Song About The River (3:05)
4 Song For Gamble (3:55)
5 Home By Dark (4:12)
6 Spots On The Dice (2:51)
7 Healing Hands (2:43)
8 Bed of Roses (3:19)
9 God Is Love (3:09)
10 When the First Leave Fall (3:32)
11 Back on The Street Again (2:41)
12 The Old Trail (3:39)
Besetzung
Larry Atamanuik (drums)
Dennis Crouch (bass)
Greg Leisz (steel & slide guitar)
Pete Wasner (piano/organ/Wurlitzer)
Justin Weaver (electric & acoustic guitars)
Cindy Mangsen (Mrs. Gillette) (vocals)
Kim Person & Lana Puckett (vocals)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

