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Reviews

From The Sky

Rex


Info

Musikrichtung: Extreme Symphonic Metal

VÖ: 03.09.2021

(H-Music)

Gesamtspielzeit: 45:06

Internet:

http://www.wearefromthesky.com
http://www.hmusic.hu

2020 hatte der Ungar Szabolcs Tari wie viele andere Kulturschaffende offenbar eine ganze Menge verfügbare Zeit, die er für eine Art Soloprojekt nutzte. So entstanden From The Sky, von denen im Laufe der Monate vier einzelne Songs als Singles und im September 2021 schließlich ein ganzes Album namens Rex erschienen. Trotz des Quasi-Soloprojekt-Charakters enthält das Booklet ein Bandfoto mit einem Quintett, und es sind auch tatsächlich fünf Menschen an der Einspielung beteiligt gewesen, so dass die Vermutung naheliegt, dass es sich um die Abgebildeten handelt, wenngleich sie nicht namentlich zugewiesen sind und nur Tari eindeutig identifiziert werden kann, da unter dem Cleartray noch ein weiteres Foto prangt, das offenkundig ihn in einer Bühnensituation an der Gitarre zeigt – links ragt dort aber noch eine weitere Gitarre ins Bild, so dass der später finalisierte Plan, From The Sky auch zu einer live voll spielfähigen Band auszubauen, hier zumindest schon ansatzweise umgesetzt gewesen sein muß. Auf der CD hören wir neben Sänger und Multiinstrumentalist Tari allerdings nur zwei weitere Sänger, von denen der eine zusätzlich Schlagzeug spielt, einen weiteren Schlagzeuger und einen in drei Songs aktiven Geiger.
Die im Kasten angeführte Stilbezeichnung „Extreme Symphonic Metal“ stammt aus der Encyclopedia Metallum und trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf, besser jedenfalls als die Umkehrvariante „Symphonic Extreme Metal“, die den extremen Metal als Basis ansähe, was aber offenkundig nicht der Fall ist. Wer das Stilspektrum der Ungarn kennenlernen möchte, findet in den ersten drei Songs des Debütalbums jedenfalls gleich die nahezu volle Breite. Der Opener „Libera Me“ pendelt zwischen wildem extremmetallischem Geschrote, Classic-Metal-Einflüssen, Piano-Interludien und einem grundsätzlichen sinfonischen Hintergrund hin und her, wobei die Extremität hier dominiert. „Pactum Diabolicum“ zeigt sich als eine Art Gothic-Metal-Hit-Versuch, wobei allerdings „Libera Me“ den stärkeren, weil merkfähigeren Refrain hat. „Lacrimosa (Tears Fall Down)“ wiederum ist eine sanfte Akustikballade mit einigen Chorelementen und weiteren Zutaten, die die Seele des Hörers tröstend streicheln.
Der Rest der Dreiviertelstunde Musik besteht im wesentlichen „nur“ aus Variationen innerhalb dieses Spektrums, allerdings hier und da noch mit neuen Elementen ergänzt, etwa kurzen Einwürfen verzerrter Vocals in „Finisterra“, das in der Mitte auch noch ein Sepultura-verdächtiges Break injiziert bekommen hat, in einer sinfonisch-metallischen Umgebung wohlgemerkt. Weil das so gut geklappt hat, folgt in „Vulcanus“ ein Sepultura-kompatibles Riff, aber erneut in sinfonischer Umgebung eingebettet und in einen klassischen Chorpart mündend. Was jetzt relativ wüst und beliebig klingt, ergibt nach mehrfachem Hören durchaus Sinn, zumal Tari immer wieder merkfähige Refrains einbaut, gerade in „Vulcanus“ einen besonders reizvollen über einem unwiderstehlich vorwärtsmarschierenden Grundbeat. Das Problem für den gemeinen mitteleuropäischen Hörer besteht nur darin, dass das Gros des Materials in Ungarisch gesungen wird und das Booklet immer nur Ausschnitte der Lyrics bietet, so dass die Erschließung für Sprachunkundige nicht gerade einfach ist. Trotz der lateinischen Songtitel gibt es nur in „Libera Me“ Textpassagen in Latein, und „Lacrimosa (Tears Fall Down)“ ist in Englisch gehalten. Die Gesänge in der angenehmen mittelhohen Klarlage übernimmt der Chef selbst, aber auch diverse der extremen Spielarten, vor allem das Gekreisch, während Tamás Süle und Almos Iványi offenkundig das deathmetallische Gebrüll beisteuern. Mit „Libra“ ist noch eine weitere Akustikballade vertreten, hier mit wunderbar schwebenden Geigen in der zweiten Hälfte, und das traditionsmetallisch angehauchte Intro von „Hereditas“ erinnert irgendwie an die Finnen V.I.P. – oder ist es nur der Gesang aus der finno-ugrischen Sprachfamilie und in verwandtem Tonfall, der für diesen Eindruck sorgt? Der Mittelteil dieses Songs bietet mit tief-brüchiger Stimme über perlenden Piano-Läufen noch eine weitere bisher ungehörte Zutat. „Nexus“ fährt hintergründig nochmal größere Chöre auf, und „Arbor Vitae“ bildet die irgendwie erwartete Finalhymne, aus balladesken, teils wieder geigendurchsetzten Elementen und einer markanten Härtung jeweils am Strophenende zusammengesetzt – und ein letztes Mal hören wir Tari mit seiner markanten Klarstimme einen leicht sehnsuchtsvollen Unterton in Szene setzen. Überraschung hier: Das Gitarrensolo verfällt für ein paar Takte in klassisches melodisches Speedtempo, ohne dass man diesen Wechsel als bemüht anzusehen geneigt ist.
So bleibt unterm Strich der Eindruck eines starken Werkes, das ein Klangbild fährt, dem sich eine Band wie Dimmu Borgir ab dem Jahrtausendwechsel von der anderen, also der extremmetallischen Seite aus genähert hat. From The Sky verzichten dankenswerterweise auf platte Bösartigkeiten, wenngleich die genaue Analyse der textlichen Aufarbeitung ihrer offenkundig religiös und/oder mythologisch angehauchten Thematiken Sprachkundigen vorbehalten bleiben muß. Einer der beiden Produzenten der Scheibe ist mit Zoltán Cserfalvi ein alter Bekannter aus der ungarischen Metalszene, der auch Mix und Mastering verantwortet und für dieses hoffnungsvolle Debütalbum ein dichtes, aber nachvollziehbares und nicht übersattes Klangbild geschaffen hat, in dem sich die Instrumente sinnvoll ergänzen und nicht gegenseitig im Wege stehen.



Roland Ludwig

Trackliste

1Libera Me4:56
2Pactum Diabolicum4:48
3Lacrimosa3:46
4Sanguis3:50
5Finisterra4:05
6Vulcanus6:05
7Libra3:19
8Hereditas4:35
9Nexus4:08
10Arbor Vitae5:27

Besetzung

Szabolcs Tari (Voc, Git, Keys, B)
Tamás Süle (Voc, Dr)
Almos Iványi (Voc)
Tamás Suha (Violine)
David Haraszti (Dr)
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So bewerten wir:

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