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Reviews

Schubert, F. – Brahms, J. – Beethoven, L. v. – Messiaen, O. (Ensari, G. – Schuch, H.)

Eternity


Info

Musikrichtung: Klavier

VÖ: 22.03.2024

(Naïve / Harmonia Mundi / CD / DDD / 2022 & 2023 / V 8319)

Gesamtspielzeit: 79:00

VERTIEFUNG IN DEN MOMENT

Auf ihrem neuen Konzeptalbum kreuzen sich die pianistischen Welten im Fluchtpunkt der „Ewigkeit“ - so verheißt es zumindest der Titel: Gülru Ensari und Herbert Schuch kombinierten vierhändige Werke von Schubert, Brahms, Beethoven und Messiaen unter dem Titel „Eternity“. Dabei überlassen sie es den Zuhörenden, die Ewigkeitsassoziation mit der Musik in Beziehung zu setzen. Die 9. Duineser Elegie von Rilke, die sich im Booklet findet, eröffnet einen zusätzlichen literarischen Meditationsraum, enträtselt aber ansonsten nichts: Die Essenz ist unsagbar, sie kann allenfalls erfahren werden.
Sind es die melancholisch kreisenden Themenbewegungen in Schuberts „Fantasie“, in denen sich die Gegenwart in der unablässigen Beschwörung einer geträumten Vergangenheit verliert? Oder Brahms stete Verwandlungen eines Schumann-Themas in den „Variationen“ op. 23, in denen das Bekannte in immer wieder neuem Gewand begegnet? Schumann selbst will das Thema von den Geistern Schuberts und Mendelsohns empfangen haben … Mag sein, dass es die weiträumigen statischen Harmonien sind, mit denen Messiaen seinen Meditationen über das „Amen“ in überzeitliche Sphären entrückt, die den Ausschlag für die Auswahl gleich mehrerer Sätze dem Zyklus „Visions de l’Amen“ gaben.

Beethovens eigenhändige Transkription seiner „Großen Fuge“ für Streichquartett für das Klavier hat aufgrund seiner monumentalen experimentellen Anlage über das rein Musikalische hinaus einen Ewigkeitswert. Wobei dieses Stück sich zur Vorlage verhält wie der Kupferstich eines Rubensgemäldes zum Original: Es befriedigt musikalisch weniger als die übrigen Kompositionen auf diesem Album, hinterlässt es doch in den sehr dichten polyphonen Abschnitten einen etwas zerzausten, manche Details nivellierenden Eindruck. Da klingt ein Ensemble von Streichern doch prägnanter und orchestraler. Dennoch kann man auch hier die unerhörte Modernität und Grenzüberschreitung sowie den Sprung aus der Klassik heraus in die Zukunft der Musik erleben.
Inspirieren lassen kann man sich durch den differenziert und in der Tempogestaltung spannungsvoll dargebotenen Schubert. Auch die virtuose Dichte und diesseitig-markante Darstellung der Schumann-Variationen gefällt. Fenster in eine jenseitige Welt hingegen eröffnet die exotische Farbigkeit von Messiaens „Visionen“, die das Duo wohl austariert und in inniger Entrücktheit zum Leuchten bringt.

„Ewigkeit“ meint hier also weniger eine unendliche Quantität zeitlicher Ausdehnung, sondern bedeutet vielmehr eine konzentrierte Vertiefung in den Moment. Und genau dies gelingt Ensari und Schuch sehr überzeugend.
Angmessen klar, räumlich und präsent ist der Klang der Aufnahme.



Georg Henkel

Trackliste

Franz Schubert: Fantasie f-moll D. 940
Johannes Brahms: Schumann-Variationen op. 23
Olivier Messiaen: Visions de l'Amen (Amen du Desir; Amen des Anges, des Saints, du Chant des Oiseaux; Amen de la Creation)
Ludwig van Beethoven: Große Fuge B-Dur op. 134

Besetzung

Herbert Schuch & Gülru Ensari - Klavier
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger