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Reviews

Burning Sun

Wake Of Ashes


Info

Musikrichtung: Metal

VÖ: 31.07.2023

(Stormspell)

Gesamtspielzeit: 33:48

Internet:

http://www.facebook.com/burningsunpower
stormspell.bigcartel.com

„New Wave Of Euro Power Metal“ prangt als Schriftzug unter dem Cleartray dieser CD, wobei der Terminus „Euro“ durchaus mehrdeutig zu verstehen ist. Der Kopf des Projektes Burning Sun, Zoltán Papi, trägt auf seinem Foto auf der vorletzten Bookletseite ein Helloween-Shirt, was schon mal gewisse Assoziationen weckt – aber musikalisches Vorbild war hier eher die zweite Euro-Power-Metal-Welle ab den Spätneunzigern, wenngleich sich diese wiederum auf Helloween als Urväter berief. Aber „Euro“ steht auch noch für die multinationale Ausrichtung des Projektes: Dem Ungarn Papi assistieren sein Landsmann Edmond Kulcsár, der Italiener Alessio Perardi, der Schwede Cederick Forsberg und die Tschechin Alena Krákorová, womit schon mal mehr als ein Siebtel der derzeitigen EU-Länder vertreten ist. Die zweite zentrale Figur bei Burning Sun ist allerdings Pancho Ireland, und der wiederum ist kein Ire, sondern Chilene, so daß man den geographischen Radius auch noch bis nach Südamerika ausdehnen muß.
Unter den Genannten finden sich drei Sänger und vier Gitarristen, Papi selbst spielt Baß – einen Drummer konnte der Chef allerdings offenbar nicht auftreiben, so daß gleich vier der Beteiligten auch noch am Drumprogramming werkelten. Daß hier kein Fleisch und Blut hinter einem Kit sitzt, merkt man dem ziemlich sterilen Drumsound deutlich an, aber das ist im jüngeren Metal ja kein seltenes Phänomen – man muß allerdings schon damit zurechtkommen, will man an den acht Songs des Burning-Sun-Debüts Wake Of Ashes Freude haben. Überhaupt ist das Klangbild ziemlich hell, für manchen Geschmack vielleicht sogar viel zu grell ausgefallen – Freunde der Baßgitarre werden hier jedenfalls nicht glücklich, hört man dieses Instrument doch kaum mal vordergründiger durch. Da der Projektkopf aber der Bassist selbst ist, muß es sich hier um eine bewußte Entscheidung von ihm handeln, sonst hätte er das Ergebnis von Perardis Mix und Mastering sicher nicht so durchgewinkt.
Wake Of Ashes ist ein Konzeptalbum über einen weiblichen Krieger-Charakter namens Emaly, der im Booklet mit einer einleitenden Seite vorgestellt wird – in der Musik findet diese Struktur keine Entsprechung, denn „Emaly“ ist kein Intro, sondern der erste reguläre Song, der nach kurzer instrumentaler Einleitung auch gleich in die vollen geht, sich also im Speedtempo vorwärtsbewegt, vor allem im Hauptsolo tatsächlich ziemlich viel Helloween-Spirit atmet und offenbart, daß Ireland nicht nur ein ziemlich fähiger Gitarrist, sondern auch ein in den Höhenlagen recht souveräner Sänger ist. Seltsamerweise legt er in „Way Of The Paladin“ eine doch ziemlich andere Stimmfarbe an den Tag, obwohl gemäß dem Booklet ebenfalls er das sein müßte – oder hören wir hier, so eine Überlegung, tatsächlich Alena Krákorová? Wenn letzteres, gehört sie in die Gattung Marta Gabriel oder Barbara Malteze. Der Song selbst hebt mit einem stark Accept-lastigen Riff an und spielt eine Weile mit der Erwartung des Hörers, in welche Richtung er sich wohl entwickeln wird – die Antwort ist letztlich wieder der Speed, aber nicht der alles überrennende wie im Opener, sondern eine viel elegantere, leichtfüßige und stärker tempovariierende Variante, die in ihrer Fortentwicklung mit Accept praktisch nichts mehr zu tun hat. Zwischen diesen beiden steht in traditioneller Manier, also als zweiter Song des Albums, mit „Bend The World“ eine Midtemponummer, während ab Song 4, „Hundred Lions“, keine althergebrachten Schemata mehr befolgt werden. Diesen Song hat Perardi geschrieben, und irgendwie wundert es einen nicht, daß wir hier praktisch auch Italometal geboten bekommen, oft speedig, aber mit einem hymnischen Refrain und einigen Keyboards ausgestattet, deren Bediener im Booklet anonym bleibt (vermutlich Perardi selbst) und die hier und da an den Emulator II erinnern, den Helloween an einigen Stellen auf Walls Of Jericho eingesetzt hatten. Perardi singt hier auch, und zwar mit einer deutlich tieferen Stimme als Ireland, an die man sich in diesem Kontext erst gewöhnen muß, zumal mit „Templar’s Verdict“ gleich noch eine Nummer mit tieferem Gesang hinterher kommt, hier aber von Ireland und eben mit einer ganz anderen Färbung. Der Refrainauftakt mit dem Wort „Lawbreaker“ kommt einem in diesem Arrangement irgendwie diffus bekannt vor, und auch nach hinten heraus wirkt der nur knapp über dreiminütige Song nicht wie richtig zu Ende gedacht – keine Spitzenleistung von Forsberg also, der hier zwar kompetent Gitarre spielt, aber eben auch komponiert hat. „Golden Wings“ macht dann wieder konsequent Tempo, „Darkfang Keep“ hebt zwar mit tiefer Monsterstimme an, wird aber dann gleichfalls zu typischem melodischem Metal jüngerer Prägung, überwiegend im Midtempo gehalten, aber nach einer geschickt gesetzten und Spannung aufbauenden instrumentalen Bridge einen Speedrefrain eingepflanzt bekommen habend. Auch das Solo flitzt durch die Gegend, und Ireland beweist nach „Emaly“ einmal mehr, daß er die Spätneunziger-Helloween-Platten genau studiert hat. Ein kurzes Hörspiel schließt die Nummer ab und wäre irgendwie weiter vorn zu erwarten gewesen – Emaly öffnet eine Tür und fragt, ob jemand da sei, worauf abermals ein tiefes Monster antwortet. Den sechsminütigen Closer „Under The Burning Sun“ hat Kulcsár geschrieben, und die ruhige Einleitung läßt eine Ballade erwarten, aber bald sprintet auch hier der Drumcomputer los, und wir bekommen nochmal so eine Art Italometal, wenngleich hier aus ungarischer Feder und immer wieder mit Akustikpassagen gegliedert, zudem abermals mit ein paar Keyboardflächen ausstaffiert. Außerdem singt hier nun eindeutig Alena Krákorová, und damit kann sie auch als Quelle für den Gesang in „Way Of The Paladin“ identifiziert werden. Wie der Endkampf mit dem Monster des vorgelagerten Songs klingt die Nummer freilich nicht, und so bleibt die genaue Ausprägung der Story etwas diffus, zumal hier neben dem Songtext ein Schattenriß einer vierköpfigen Familie abgebildet ist, während neben „Darkfang Keep“ ein offenbar verwunschenes Schloß zu sehen ist. Weitere Storyelemente außer der Einleitung und den Songtexten gibt es im Booklet nicht, auf dem Cover steht Emaly in strategisch relativ aussichtsloser Lage umringt von einer Armee Untoter, und so tut man wohl am besten, die mit nur knapp 34 Minuten für heutige Verhältnisse eher knapp bemessene Scheibe als acht Einzelsongs zu betrachten. Laut Booklet hat Papi übrigens 17 Jahre lang am Konzept für dieses Album gearbeitet, so daß zeitnah wohl nicht mit einem Nachfolger zu rechnen ist, wenn er dieses Tempo beibehält.
Ob man eines der 300 silbernen Exemplare von Wake Of Ashes haben muß, hängt davon ab, wie man zu der besagten von HammerFall losgetretenen neuen Euro-Metal-Welle steht und ob man das beschriebene Klangbild verträgt. Schlecht ist das Material beileibe nicht, aber vom Hocker gehauen hat es den Rezensenten, der durchaus mit vielen Acts aus besagter Welle was anfangen kann, auch nicht gerade. Zumindest ist er aber neugierig, was Alena Krákorová denn sonst noch so musikalisch am Laufen hat.



Roland Ludwig

Trackliste

1Emaly4:16
2Bend The World3:40
3Way Of The Paladin4:12
4Hundred Lions3:55
5Templar’s Verdict3:07
6Golden Wings4:10
7Darkfang Keep4:29
8Under The Burning Sun5:53

Besetzung

Pancho Ireland (Voc, Git)
Alessio Perardi (Voc, Git)
Alena Krákorová (Voc)
Cederick Forsberg (Git)
Edmond Kulcsár (Git)
Zoltán Papi (B)
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