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Reviews

Ingfried Hoffmann

Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt


Info

Musikrichtung: Filmmusik

VÖ:

(Diggler Records)

Gesamtspielzeit: 39:26

Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt - an die 30 Jahre ist es her, dass die Geschichten von Tobias Findeisen (genannt Tobbi, Erfinder, 3. Grundschulklasse) und dem Roboter Robbi Rob 344-66/3a (wohl ein früher Vorgänger von R2D2, genannt Robbi, dritte Robotklasse) über die deutschen Bildschirme flimmerten. Jetzt stellen uns Diggler Records den dazugehörigen Soundtrack in die Regale.

Und Soundtrack bedeutet in diesem Fall nicht, dass sich auf dem Cover ein Screen-Shot aus dem Film befindet - und irgendwo auf der CD ein Music-Track, der auch im Filmabspann zu hören ist. Soundtrack bedeutet hier wirklich Filmmusik. Bei dem Opener dürfte es sich um die Titelmelodie der sechsteiligen Serie handeln und bereits hier begegnet uns eine richtig typische 70er Jahre Film-Melodie. Selbst nach diesen Ewigkeiten tauchten aus den dunklen Tiefen meines Unterbewusstseins sofort Bilder vor dem inneren Auge auf, die das Fliewatüüt (eine Mischung aus Hubschrauber und Überraschungs-Ei) zeigen, wie es über schottische Seen, englische Schlösser oder norddeutsche Leuchttürme fliegt.

Musikalisch befinden wir uns irgendwo zwischen anspruchsvollem James Last und gemäßigten Passport. Typisch für die Zeit - aber extrem anspruchsvoll für eine Kindersendung - die Kooperation von Tanz- und Streichorchester - in diesem Fall das Kurt Edelhagen-Orchester und die Streicher des Gürzenich-Orchesters - verstärkt durch die Rhythmus-Gruppe Steel-Organ.

Auch was die soundmalerische Umsetzung anbelangt, gehört Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt in die Spitzenklasse. Track 9 kann gar keinen anderen Titel haben als "Nachts" und "Fridolin" - meiner Erinnerung nach ein Wal, der etwas träge durch die Meere platscht und dem Fliewatüüt auf dem Flug zum Nordpol als Landeplatz dient - ist eine echte Pausenmelodie, die die lange Dünung des Atlantiks nachzeichnet und sofort von dem fröhlichen Reiselied "Nordpol" abgelöst wird - einem richtigen Mitpfeifer, der seinen besonderen Reiz durch das Vibraphon bekommt.

Rätselhaft bleibt höchstens Track 16. Ich würde jedenfalls dringend abraten in diesem Tempo Kartoffeln zu schälen. Sonst sind die Finger ab.

Atmosphärisch werden wir in die vielleicht entspannteste Phase des Nachkriegsdeutschlands (West!) versetzt. Die Musik atmet eine Freiheit und Ungebundenheit, die die moraline Enge der 50er Jahre weit hinter sich gelassen hat, während die Gemeinschaftskunde-, Gesichts- und Religionsstudienräte, die der Republik einige Jahre später (und völlig zu recht) Problembewusstsein einhämmern sollten, noch in den Universitäten saßen, um Satre, Marcuse und Schlimmeres im Original zu lesen.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1Ich heiße0:20
2Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt2:27
3FWT 11:38
4Teleskoparm1:17
5Sitzt du sicher?0:19
6Guten Flug!2:25
7Bossa Robbi3:17
8Himbeersaft1:48
9Nachts1:21
10Flie-wa-tüüt0:15
11Schlafvorbereitung im Leuchtturm1:03
12Zwei Freunde1:54
13Fridolin1:10
14Nordpol2:39
15Nu-nu und Na-na1:43
16Kartoffelschälmusik0:39
17Plumpudding Castle4:05
18Nessie0:42
19Prüfung bestanden0:48
20Guten Flug! (Orgel)4:21
21Showdown1:37
22Ich danke Dir0:13
23Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt (Bonus-Track, Frank Popp Ensemble-Remix)3:25

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger