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Reviews

Axewitch

Lord Of The Flies


Info

Musikrichtung: Metal

VÖ: 25.11.2021 (1983)

(Hooked On Metal)

Gesamtspielzeit: 39:01

Internet:

http://www.hookedonmetalrecords.com

Axewitch zählten in der ersten Hälfte der Achtziger zu den Aushängeschildern der schwedischen Metalszene. Gegründet 1981, nahm das Quintett im Januar 1983 eine Vier-Track-EP namens Pray For Metal auf und veröffentlichte diese in Eigenregie, woraufhin der Bekanntheitsgrad sowohl national wie international sprunghaft anstieg – das Werk schaffte es in den Import-Charts im seinerzeit noch immens einflußreichen Kerrang! sogar auf Platz 6, muß also einige Verbreitung in England gefunden haben. In ihrer skandinavischen Heimat wiederum wurde das neue Indielabel Web Records auf die Formation aufmerksam und ermöglichte noch im Jahr 1983 die Aufnahme und Veröffentlichung des Debütalbums The Lord Of Flies. Daraufhin kam man sogar bei Neat Records unter, wo der Zweitling Visions Of The Past 1985, ein halbes Jahr nach dem Release in Schweden, als Lizenzpressung erschien. Das Drittwerk Hooked On High Heels bildete dann allerdings den Abgesang der Formation aus Linköping, und die Mitglieder traten hernach nur noch in Nebenrollen in der großen weiten Musikwelt in Erscheinung.
Hört man The Lord Of Flies 40 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, so findet man es irgendwie schade, dass nichts Größeres aus der Band bzw. den Musikern geworden ist – die 39 Minuten bieten kernigen Euro-Metal der Früh- bis Mittachtziger, der einen Vergleich etwa mit heute kultigen Ruf genießenden Formationen wie Ostrogoth problemlos aushält. Außerdem hatten Axewitch mit Magnus Jarl und Mickael Johansson zwei äußerst fähige Gitarristen in der Besetzung, die sich in den Solopassagen duellieren, dass es nur so eine Freude ist. Man höre sich nur mal „Just Another Lunatic“ an, wo selbst im Übergang zum Schlußakkord jeder nochmal mit einem kurzen Lead in den Vordergrund treten darf, ohne dass das Ganze aber aufgesetzt oder erzwungen wirkt. Von neoklassischen Einwürfen hielten sich die beiden allerdings fern, eiferten also in dieser Hinsicht weder Yngwie Malmsteen noch ihren 1983er Tourpartnern Silver Mountain nach. Aber man vermißt in dieser urwüchsigen Klangumgebung so etwas durchaus nicht. Auch Drummer Mats Johansson macht in „Just Another Lunatic“ enorm viel Druck und wirft gern die Doublebass an, wobei er aber generell recht vielseitig zu Werke geht, mal kultig polternd wie im Opener „Axevictim“, mal elegant galoppierend wie in den Zwischenspielen von „High Power“, wobei er indes hier in den Strophen heftiger knüppelt, in den Bridges und im Refrain aber auf Midtempo herunterschaltet. Durchgehende kompromißlose Härte war also nicht das Metier von Axewitch – sie wußten durchaus gezielt mit der Dynamik umzugehen, was freilich von Puristen schon als erstes Zeichen einer Verwässerung des die EP noch prägenden urwüchsigeren Stils gewertet werden konnte, und diese Theorie fand dann auch Bestätigung in der weiteren Folge der Alben, die, um einen historischen Kampfbegriff anzuwenden, immer kommerzieller wurden. Dieser „Gefahr“ entgeht das reichlich kernige The Lord Of Flies noch ziemlich problemlos, wie man spätestens am Ende der historischen A-Seite konstatieren kann, die nach den drei bereits erwähnten Songs noch das programmatisch betitelte Instrumental „Let The Strings Cry Out“ und eine Nummer namens „Sinner“ enthält, kein Judas-Priest-Cover, sondern eine Eigenkomposition, die wie eine beschleunigte Version alter Black-Sabbath-Nummern anmutet und nach einer Bridge in einem weiteren großen Speedsolo mündet, das man sich gerne noch viel länger vorgestellt hätte. Das ist ein bißchen das Manko von Axewitch: Sie blenden beispielsweise den Opener „Axevictim“ am Ende etwas einfallslos aus, und auch am Ende von „High Power“ hat man das Gefühl, die Story dieses Songs sei noch nicht auserzählt, zumal auch hier wieder eine Ausblendung erfolgt, die zudem rein technisch auf der hier im Player liegenden Pressung etwas unglücklich gelöst ist, nämlich mit einer kurzen Klangpause im ansonsten in das Instrumental überführenden Soundblock. Auch der Übergang aus dem Instrumental „The Arrival Of The Flies (Part I)“ in den Titeltrack hätte noch einen Tick flüssiger programmiert werden können. Besagtes düsteres, sehr geschickt arrangiertes Keyboard-Instrumental wurde gasthalber von Hans Engstöm beigesteuert und stellt die einzige Passage des Albums dar, in der die Standardinstrumentierung aus zwei Gitarren, Baß und Drums erweitert worden ist – ansonsten gibt sich das Quintett puristisch. Der Titeltrack seinerseits bewegt sich im treibenden Midtempo vorwärts und verläßt dieses auch nicht, als der Soloeingang so arrangiert ist, dass ein entsprechender Wechsel durchaus im Bereich des Möglichen gelegen hätte. „Down Town“ hebt mit Halbakustikgitarren an, wandelt sich aber bald in einen weiteren relativ vorwärtsdrückenden Midtempo-Riffkracher, auch wenn dieser später etwas luftiger wird und phasenweise ein gewisses Scorpions-Feeling atmet – man achte mal auf die Leadgitarre in der Wiederkehr des Halbakustikparts! „Seven Angels“ schließt das Album abermals im gleichen Tempo und Grundgestus (minus die Halbakustikparts in diesem Falle) ab, so dass die einstige B-Seite ein wenig monoton wirkt, obwohl die drei Songs für sich betrachtet allesamt überzeugen können (und das Chorfinale über einer Leadgitarre nochmal recht cool daherkommt). Aber einen davon auf die A-Seite zu verschieben und hier was Schnelleres mit rein wäre vielleicht doch die bessere Idee gewesen, sofern es sich hier nicht um ein Konzeptalbum über den „Herr der Fliegen“-Stoff handeln sollte, wofür es aber keine konkreten Anhaltspunkte gibt. Für die Texte holten sich die Schweden Unterstützung von Tim White, offenbar einem Muttersprachler.
Ein Grundproblem hatten Axewitch allerdings: Sänger Anders Wallentoft konnte mit der Klasse der Instrumentalisten nicht mithalten – oder vielleicht ist er auch nur ungünstig abgemischt oder muß mit unpassenden Melodielinien klarkommen. Seine Stimme bleibt im epischen Klarbereich, steht aber recht weit im Hintergrund und verzahnt sich oft nur suboptimal mit dem, was die vier Instrumentalisten beisteuern. Ob der hier vorliegende Re-Release von Hooked On Metal Records irgendwas am originalen Klangbild verändert hat, ist der CD-Rückseite nicht zu entnehmen – die Vermutung liegt nahe, dass dem nicht so ist, während frühere Re-Releases remastert worden waren. Das Booklet des Digipacks enthält alle Texte sowie einiges an historischen Fotos sowie eine Seite Text, die man zunächst für Liner Notes anläßlich der Wiederveröffentlichung halten würde, bis einem der Tonfall für so einen Text aber merkwürdig vorkommt – wir haben es statt dessen offenkundig mit einem (quellenseitig nicht nachgewiesenen) Originalartikel über Axewitch aus einer alten Ausgabe des Metal-Forces-Magazins zu tun, der im Vorfeld der Planungen für das zweite Album erschienen ist. Bonustracks gibt es übrigens auch keine, obwohl sich die vier der Pray For Metal-EP geradezu aufgedrängt hätten und beispielsweise der 2008er Re-Release von Metal For Muthas Records zwar nicht besagte vier Studio-, dafür aber gleich neun 1985 bzw. 1986 aufgenommene Livetracks als Boni aufweist, unter denen sich ganze sieben befinden, von denen es keine Studioversion gibt – also eine musikhistorisch durchaus interessante Ergänzung. Aber auch in der relativ puristischen Form macht The Lord Of Flies durchaus Hörspaß, wenn man auf diese Sorte historischen Classic Metals steht und speziell über den nicht ausgereift wirkenden Gesang hinwegsehen kann. Explizite Gitarrenliebhaber dürfen dafür angesichts der Klasse der beiden Bediener dieses Instruments auf die Wertung bedenkenlos noch einen Punkt aufschlagen, während andererseits Freunde ausgefeilter Covergestaltung wiederum einen abziehen sollten. Dafür hat wenigstens das Logo Charme ...

PS: Sowohl den Bandnamen als auch den Titel des Openers findet man in den Quellen mal als ein Wort, mal in zwei Worten.



Roland Ludwig

Trackliste

1Axevictim4:51
2Just Another Lunatic4:16
3High Power5:46
4Let The Strings Cry Out1:27
5Sinner4:40
6The Arrival Of The Flies (Part 1)2:10
7The Lord Of Flies6:01
8Down Town4:57
9Seven Angels4:35

Besetzung

Anders Wallentoft (Voc)
Magnus Jarl (Git)
Mickael Johansson (Git)
Tommy Brage (B)
Mats Johansson (Dr)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger