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Reviews

Cortex

Live At Le Périscope


Info

Musikrichtung: Freier Jazz / Avantgarde

VÖ: 03.11.2023

(b records)

Gesamtspielzeit: 38:52

Internet:

https://www.cortexmusic.no/
https://www.periscope-lyon.com/en/
https://www.note1-music.com/shop/Welcome.action

Cortex so der Name dieser Band aus der norwegischen Jazz-Szene. Seit 2007 sind die vier Musiker aktiv und haben bislang fünf Alben veröffentlicht. Live At Le Périscope ist der neueste Streich und bietet Musik vom Feinsten! Von der Urbesetzung fehlt seit 2020 Drummer Gard Nilssen, der durch Dag Erik Knedal Andersen ersetzt wurde.

Cortex, ein nicht unbekannter Begriff, die Rinde einer Pflanze oder eine Hirnrinde... Nun ja, Kopfmusik ist es eigentlich nicht, eher kreativen Hirnen entsprungen, denn das, was die Vier am 7.Dezember live in Lyon eingespielt haben, sprüht voller Lebendigkeit und klingt ganz und gar nicht akademisch oder geplant, sondern ganz und gar emotional und sehr lebendig-spontan. Frei und melodisch, zwei Begriffe, die sich hier nicht ausschließen.

Gleich beim Auftaktsong, "SCT", fällt mir diese "dreckig" klingende Trompete auf, die mich hinsichtlich sowohl des Klangs auch des Spiels an einige Songs von Tomasz Stańko erinnert. Die Rhythmusmaschine marschiert unermüdlich, swingt und groovet und gestaltet ständig mit, Rhythmuswechsel inklusive, hier ab ca Minute Fünf, wenn sich Kristoffer Berre Alberts mit seinem Saxofonsolo einbringt, auch sehr engagiert und eindringlich, auch hier verspüre ich Reminiszenzen an frühe Siebziger, etwa in dieser Richtung spielte damals unter anderem auch Jan Garbarek.

Auch "Hoorah" ist angenehm "altmodisch" gestaltet, Alberts spielt hier gar ein wenig in Richtung "Flatterzunge" à la Pharoah Sanders, dennoch erinnert er mich erneut an Garbareks frühere Spielweise. Herrlich, wie sich die Rhythm Section freispielt und erheblich mitgestaltet. Das ergibt wirklich enorm viel Feuer und man wird unweigerlich mitgerissen. Dazu stellt sich natürlich die gut eingefangene Live-Atmosphäre als guter Background vor. Ja, hier wird wie einst in den Siebziger experimentiert, Anteile von Avantgarde und freien Jazz' inklusive. Mithin ist doch noch eine gewisse Frische im zeitgenössischen Jazz zu spüren, in einem Genre, das mitunter doch oft bereits glattgebügelt erscheint.

Im Song "HedTex" werden gar Rock-Elemente verarbeitet, so schleppt sich der Rhythmus schwer dahin und beim letzten Song, dem längsten, gibt es auch die eine oder andere angenehme Überraschung, wir hören Kristoffer Berre Alberts mit dem Baritonsaxofon, und plötzlich bricht ein Schlagzeugsolo aus, bevor der Song in ein arabisch klingendes Thema überleitet. Ja, es ist große Vielfalt innerhalb der einzelnen Stücke zu bemerken, eine herrliche Frische, die mitunter knapp davor zurückweicht, in das Free Jazz-Lager abzugleiten, und immer einerseits mit einem Hauch Avantgarde behaftet und andererseits aber auch stark von emotional geprägten Momenten geprägt.

Zusammenfassend kann ich also feststellen, dass die Musik über ein hohes Energiepotential verfügt, und das mit Cortex eine Band existiert, von der ich überrascht bin, dass sie tatsächlich gar nicht wirklich so sehr bekannt ist über Norwegen hinaus. So möge dieses Konzert hoffentlich dazu beitragen, das sich die Kunde von Frankreich, anlässlich dieses Konzertes, rasch und breitgestreut ausbreiten möge, welch großes Potential in dieser Band schlummert, das heißt, es schlummert ja nicht, diese Aufnahmen zeigen schließlich, wie es offen herausgebrochen ist.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 SCT (11:25)
2 Hoorah (5:44)
3 HedTex (8:38)
4 Snirkel + Cerebrum (13:04)

Besetzung

Thomas Johansson (trumpet)
Kristoffer Berre Alberts (saxophones)
Ola Høyer (upright bass)
Dag Erik Knedal Andersen(drums)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger