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Reviews

Valiant Sentinel

Valiant Sentinel


Info

Musikrichtung: Metal

VÖ: 29.04.2022

(No Remorse)

Gesamtspielzeit: 48:12

Internet:

http://www.facebook.com/valiantsentinel

Ein-Mann-Projekte kennt man im Metalbereich eher aus dem Black Metal – hier kommt eines, das im traditionellen Metal siedelt. Dimitris Skodras heißt der Einzelkämpfer, der unter Valiant Sentinel firmiert und alle Instrumente eingespielt hat, sieht man von den Drums ab, deren Einspieler sich offenkundig von elektrischer Energie ernährt. Nur für den Gesang fühlte sich der Grieche offenkundig nicht kompetent genug, obwohl er zumindest für den dem Intro „Realm To Conquer“ etwas holprig angehängten Opener „Victorious“ zusammen mit John Sotiropoulos die Backings für den Refrain einsang und dort schnell klar wird, dass zumindest einer der beiden eine ziemlich voluminöse epicmetalkompatible Stimme ins Feld führen kann. Trotzdem steht bei den acht mit Gesang versehenen Stücken des selbstbetitelten Debütalbums keiner der beiden am Frontmikrofon. In „King Of The North“ hören wir statt dessen Tim „Ripper“ Owens, in „Forelorn“ Fabio Lione und in den sechs weiteren Tracks den umtriebigen Schweden Rob Lundgren, der eine sehr vielseitige Stimme ins Feld führt, von der Färbung her bisweilen an seinen Landsmann Kristian Andrén erinnert, der die ersten beiden Tad-Morose-Alben eingesungen hatte, aber im halbhohen bis hohen Bereich ein enorm breites Spektrum abdeckt und kurioserweise sowohl Owens als auch Lione so nahesteht, dass der Sängerwechsel in den beiden genannten Stücken gar nicht so sehr auffällt, was wahrscheinlich nicht so im Sinne des Erfinders war, denn dann hätte Lundgren ja auch die gleich noch einsingen können. Speziell in „King In The North“ wundert man sich doch ziemlich heftig, dass man da Owens hören soll und nicht Lundgren, während die folkige Akustikballade „Forelorn“ auch Lione in ungewöhnlich tiefe Gefilde führt, in denen man ihn stimmlich kaum wiedererkennt. Oder ist auch das Lundgren, und Lione singt nur die hohe Zweitstimme in der Bridge? Das wäre nicht auszuschließen, und zumindest besagte Zweitstimme ist wiederum eindeutig als die Liones zu identifizieren.
Stilistisch bewegen wir uns im klassischen Metal, der sowohl in speediger als auch in epischer Richtung Andockpunkte besitzt und eine gekonnte Spielwiese für Lundgrens wirklich guten Gesang ausbreitet. Hier und da hört man freilich, dass das Material nicht in gemeinsamer Proberaumarbeit erdacht und offenkundig auch nicht live erprobt wurde: Der nicht ganz gelungene Übergang vom Intro in den Opener wurde bereits erwähnt, auch die Generalpause vor der Refrainwiederkehr in letzterem nach dem Solo mutet ein wenig bemüht an, und ein echter Drummer hätte den Doublebass-Einsatz möglicherweise auch noch ein wenig anders, nämlich hier und da niedriger dosiert. Dem gegenüber stehen aber zahlreiche gute Ideen, die das Genre naturgemäß nicht neu erfinden, aber dem Freund desselben trotzdem gut reinlaufen sollten, sofern er nicht an Übersättigungserscheinungen leidet. Das Schema einzelner schwingender Akkorde unter den Strophen findet man recht häufig, aber die Variationsbreite ist trotzdem groß genug, wobei generell auffällt, dass der Grieche die schnelleren Tracks in der vorderen und die epischeren, darunter zwei Siebenminüter, in der hinteren Hälfte konzentriert hat. Vielleicht hat das was mit dem lyrischen Konzept zu tun, das (auch das ist nicht neu) an den „Herrn der Ringe“ angelehnt ist, ohne aber konkret benannte Figuren zu verarbeiten. Statt dessen kommt in „Forelorn“ Merlin zum Zuge, der bei Tolkien ja als Gandalf auftaucht. Eine konkrete Hintergrundgeschichte oder Rahmenhandlung bietet das Booklet nicht, lediglich die acht Songtexte, und das wappendominierte Frontcover gäbe auch höchstens dem Heraldiker konkretere Hinweise.
Deutlich leichter einzuordnen ist die Musik, zumal dann, wenn man sich in einigen Momenten an andere Bands erinnert fühlt. An allererster Stelle sind dabei Theocracy zu nennen, wobei Skodras sich von diesen allerdings markant unterscheidet, da er so gut wie keine Keyboards einsetzt (markante Ausnahme: die düstere Klanglandschaft im Intro von „King In The North“, die im Mittelteil des Songs in anderem Kontext wiederkehrt) und sich von Klassikeinflüssen gleichfalls fernhält. Aber bestimmte Melodiefolgen und Harmonien kennt man in ähnlicher Form auch aus dem Schaffen von Matt Smith, etwa in „Destiny Awaits“. Das in die Höhe gleitende Finale von „Age Of Mythology“ wiederum läßt gesanglich Olaf Hayer zu Treasure-Seeker-Zeiten ins Hirn springen, und auch Symphonity sind musikalisch nicht so weit weg von Valiant Sentinel, wenngleich im Direktbezug auch deutlich keyboardlastiger. Das ruhige Break in „The Legionnaire“ wiederum hätte auch Steve Harris in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten einfallen können. Den Drums hört man ihren nicht menschlichen Ursprung deutlich an, aber wenn man den ersten Schreck verdaut hat, gewöhnt man sich relativ schnell an den Klang, wenn man nicht gerade zur total puristischen Fraktion zählt. Aber für die ist die Musik von Skodras sowieso nur in einem Aspekt geeignet: Der Grieche schreibt einen klassischen Melodic Metal, wie man ihn grundsätzlich auch schon in den Achtzigern hätte erwarten können, wenngleich die genannten Vergleiche in spätere Jahrzehnte führen. Auch das genannte epische „King In The North“ findet mit den (wohl nur noch ein paar Gourmets bekannten) Schweden Seven die passendste Referenzband erst um die Jahrtausendwende, wenngleich diese Sorte Musik gerade in Südeuropa natürlich schon lange sehr populär ist. Die Ballade „Forelorn“ wartet wie bereits erwähnt mit einem Folktouch auf, und das abschließende Instrumental „Titans Awake“ fährt in fünfeinhalb Minuten nochmal fast alle Stilmittel der zweiten Albumhälfte auf (auch die Keyboards kommen erneut kurz zum Einsatz), vermeidet jedoch weitestgehend den Speed der ersten Albumhälfte, so dass die 48 Minuten eine eigenartige Binnendynamik besitzen. Kommt man damit klar, verzeiht man dem Griechen die genannten Problemchen, verträgt man auch die Computerdrums und hat man nicht schon 3400 Genrescheiben im Schrank, kann man Valient Sentinel durchaus liebgewinnen, wünscht dem Einzelkämpfer aber vielleicht doch die Zusammenstellung einer vollen Band. Welchen Status Lundgren hat, ist übrigens nicht ganz klar – er wird verschiedentlich als Gastmusiker geführt, aber die Abbildung in der Bookletmitte zeigt ihn und Skodras, während die Formulierung in den Albumcredits unterschiedlich interpretierbar ist. Aber dass der Schwede ein markantes Scherflein zur Qualität des Albums beigetragen hat, steht außer Frage.



Roland Ludwig

Trackliste

1Realm To Conquer0:43
2Victorious4:27
3Destiny Awaits5:24
4Age Of Mythology5:09
5One Must Fall3:18
6Noble Knight4:35
7The Legionnaire7:19
8King In The North7:43
9Forelorn3:49
10Titans Awake5:38

Besetzung

Rob Lundgren (Voc)
Dimitris Skodras (Instrumente)
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