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Reviews

Platzgumer/Tokujirô

Taishô Romantica


Info

Musikrichtung: Avantgarde/Ethno-Fusion

VÖ: 01.09.2023

(Noise Appeal Records)

Gesamtspielzeit: 44:52

Internet:

https://store.noiseappeal.com/
https://www.platzgumer.com/
https://igst.org/dozentinnen/carl-tokujiro-mirwald
https://bite-it-promotion.de/

Taishô Romantica ist eine Zusammenarbeit des österreichischen Musikers und Schriftstellers Hans Platzgumer und des in Tokyo geborenen Künstlers Carl Tokujiro Mirwald, der unter anderen auch als Schulleiter aktiv ist, hier als Sänger.

Die Beiden lernten sich Ende der neunziger Jahre kennen, man gründete eine Band, das Elektro-Duo Shinto, das bis etwa 2011 existierte, die Zusammenarbeit der Künstler jedoch nicht beendete. Während Platzgumer aktuell einen neuen Roman veröffentlichte, erschien zeitgleich eine Sammlung von zehn neuen Songs. So werden auf Taishô Romantica japanische Texte aus dem frühen 20. Jahrhundert, welche die enge Verbindung von Leben, Tod und ideologischem Glauben in den dramatischen Taishô-Jahren darstellen, präsentiert. Musikalisch werden diese Texte mit einer extravaganten Partitur vorgetragen, die Muzak-Hintergrundmusik und Electronica mit theatralischen Elementen und Kammermusik vermischt.

Alle Texte sind im separaten Booklet abgedruckt, und wer nicht die Möglichkeit hat, der japanischen Sprache kundig zu sein, kann gern die darunter abgedruckten englischsprachigen Übersetzungen zu Hilfe nehmen. Im Einzelnen sind die jeweiligen Urheber aufgeführt, da stammen die Grundlagen zum Beispiel von Daijiro Furuta, einem politischen Aktivisten, Anarchisten und Poeten, der von 1900 bis 1925 lebte, dann wurde er gehängt, oder Jun Tsuji, einem Lehrer, Übersetzer und Dadaisten, der von 1884 bis 1944 lebte, und sich zu Tode hungerte. Polizeigewalt und Selbstmord waren weitere Todesursachen der Urheber der Songs.

Ja, und wie soll man das Ganze genretechnisch nun einordnen? Zunächst ist das alles Andere als Mainstream, also muss ich zunächst Assoziationen fließen lassen. Höre ich zum Beispiel "Amakusu", muss ich an einige Songs des Ex-Soft Machine-Drummers Robert Wyatt denken, ist hier die Stimmung doch mitunter recht ähnlich. Weil die Texte auch aus Japanisch gesungen werden, ist diese typische Ausrichtung natürlich stark in diese spezielle Art einzupacken, so verbinden sich Japan und Europa. Im Pianospiel von Platzgumer finden sich auch Elemente des Jazz wieder, und somit ist diese Musik schon sehr eigenwillig, die elektronischen Drums und die Keyboards dazu, dass läßt mich dann wiederum an einige Songs von Ryuichi Sakamoto denken, ja, so nach und nach schließt sich ein gedanklicher Kreis zur Beschreibung der Musik.

Jazz - ja, das stellt sich doch tatsächlich noch in gewisser Weise ein mit "Taishô Tennô", allerdings sehr elektronisch mit dieser swingenden Rhythmus-Programmierung, und wenn sich dann dieser leicht vibrierend-zitternde Gesang dazu gesellt, dann wird es sehr eigentümlich, irgendwie scheint man auch zu meinen, aus dem Hintergrund könnte nun Tom Waits auftauchen, um mitzumischen. Zwar mag die insgesamt stark elektronische Gestaltung des musikalischen Gerüsts ein wenig befremdlich wirken, und vielleicht hätte die Musik mit echten Instrumenten vielleicht noch ein wenig mehr emotionale Zurichtungen, doch letztlich passt es wohl genau so am besten zusammen. Und ich bin immer dann erfreut, wenn sich gelegentlich der Gitarrist Mathias Hämmerle dazugesellt, um genau diese fehlende Wärme einzubringen, ja, genau - das passt genau so!

Zuguterletzt gibt es ja dann noch "Kanno", hier erweitert sich die Band um Flöte und Congas. Gern hätte man diese Instrumentierung für das ganze Album anwenden können, es gibt der Musik noch mehr Dichte und Ausgeglichenheit in der Gestaltung.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Nakahama (4:50)
2 Amakatsu (4:54)
3 Ôsugi (5:08)
4 Taishô Tennô (6:08)
5 Furuta (2:55)
6 Itô (3:23)
7 Tsuji (4:21)
8 Wada (3:51)
9 Arishima (4:46)
10 Kanno (4:41)

Besetzung

Carl Tokujiro Mirwald (vocals and lyrical collages, based on original texts and poems from the Taishô era)
Hans Platzgumer (keyboards, electronics)
Mathias Hämmerle (guitars)
Karin Vadon (flute - #10)
Duke Satô (congas - #10)
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