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Reviews

Schreiner, J. (Schreiner, J.)

So Nah Und Doch So Fern


Info

Musikrichtung: Neue Musik / Jazz

VÖ: 08.09.2023

(Fuga Libera / Note 1 / CD / DDD / 2023 / FUG 819)

Gesamtspielzeit: 52:32

KLANGVEREINIGUNG

Der Bassposaunist und Komponist Jan Schreiner hat ein neues, experimentelles Album herausgebracht: Nach zwei Jahren kreativer Arbeit ist „So Nah Und Doch So Fern“ erschienen, auf dem sich eine Big-Band-Formation, die Spielvereinigung Sued, zusammen mit dem klassischen Leipziger Vokalensemble „Sjaella“ auf eine Reise begibt, die das Nah-Ferne der beiden Besetzungen in einem letztlich ganz natürlich wirkdenden Miteinander auslotet.

Die sechs Damen von „Sjaella“ sind zwar eher in Kirchen und die Spielvereinigung Sued vornehmlich in jazz-affinen Locations anzutreffen; gemeinsam ist beiden aber die Lust auf Grenzerweiterungen. Schreiner nennt sich einen Positivisten – und, nun, ein Klang ist ein Klang ist ein Klang. Damit kann man spielen und einfach schauen, wohin das führt.

Beiden Ensembles hat Schreiner ein vielfältiges Programm auf die Klangkörper komponiert, wobei der Jazz- und Big-Band-Sound durchaus bestimmend ist, aber eher im Sinne einer offenen Struktur oder eines weiten, flexibel auszugestaltenden Raumes. Jeder Part bleibt multistilistisch anschlussfähig, so dass die Vocals von „Sjaella“ ganz organisch mit den kernigen Bläsern und der Percussion zusammengehen. Das „Sjaella“-Sextett verfügt über einen unverwechselbaren Ton, den sie zuletzt auf dem Alben wie „Preisung“ oder „Origins“ an Werken alter wie neuer Musik weiter profiliert haben. Diese Stimmen bieten Schreiner eine schier unbegrenzte Palette an Möglichkeiten von zart schwebenden Akkordfeldern über Geräusch-Klangbildungen bis hin zu allen Arten von wortgezeugtem Gesang.

Mal erlebt man die Gegenüberstellung der luftig-kristallinen Stimmen zum cool treibenden, reich gearbeiteten Big-Band-Sound der „Spielvereinigung“. Dann wieder verschmelzen beide Register miteinander oder regen sich gegenseitig an, spielen launig mit Anklängen an Retro und Futuro – postmodern global, aber nicht beliebig. Dichte Texturen und feingliedrige Filigrane wechseln dabei ab, überwiegend wortlos, manchmal aber auch auf Lyrics der Dichterinnen, Sängerinnen bzw. Komponistinnen Veronika Morscher und Maike Lindemann.
Gleich beim ersten, titelgebenden Stück gibt es eine Art Introitus, der ganz in Sjaella-typischer Art und Weise über wogenden Drones gestaltet ist: Stimmen wie Instrumente, abstrakt-sinnliche Mixturen, etwas sirenenhaft und jenseitig. Nähe und Ferne der beiden Besetzungen werden in einem psychedelischen Klangmobile ausgelotet, wobei nach und nach die Klarinetten und Saxophone einsetzen, bis die volle Band-Besetzung mit ausgelassenem Blechregister übernimmt und den Faden fantasievoll fortspinnt. Jetzt sind es die Damen, die sich mit extented vocals ins Geschehen einbringen, bis sie gegen Ende wieder für ätherische A-Capella-Ruhepunkte sorgen.

Die sieben Stücke dieser Platte funktionieren für sich genommen genauso gut wie als Suite. Eine faszinierende Reise zwischen den Welten und Stilen, lustvoll virtuos gespielt und klangsatt aufgenommen – Musik, die jedenfalls den Ohren der Hörenden ganz nah kommt und die Anklangsnerven gehörig stimuliert!



Georg Henkel

Trackliste

So nah und doch so fern; Snooze Until You Loose; Shing Bright; Nur so wächst das Herz; You Ain't As Smart As You Think You Are; Bei Gipfel und Tal; Falling in Place

Besetzung

Spielvereinigung Sued
Sjaella

Jan Schreiner, Leitung
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger