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Reviews

Guru Guru

Three Faces Of Guru Guru, 1970-2021


Info

Musikrichtung: Rock/Fusion/World Music

VÖ: 14.04.2023

(Repertoire Records)

Gesamtspielzeit: 219:26

Internet:

http://mani-neumeier.de/guruguru/index.htm
https://www.repertoirerecords.com/
https://www.brooke-lynn-promotion.de/index.php/impressum

Nun, es mag vielleicht tatsächlich Musikliebhaber*innen geben, die noch nie etwas von der Band Guru Guru gehört haben. Gleich vorweg, in diesem Fall gibt es nun üppige Abhilfe! Three Faces Of Guru Guru, 1970-2021 ist eine Kompilation, die drei Gesichter dieser 1968 von Mani Neumeier gegründeten Band präsentiert. Im nicht ganz so üppigen Booklet findet man dann immerhin einen kurzen geschichtlichen Abriss der Bandgeschichte. Zunächst nannte man sich "Guru Guru Groove". Schlagzeuger Mani Neumeier und Bassist Uli Trepte spielten bereits in jenen Tagen zusammen, allerdings in ganz anderen Gefilden. Beide waren als Begleiter der Jazzpianistin Irène Schweizer aus der Schweiz im Free Jazz unterwegs.

Wie man liest, sollen Jimi Hendrix und Cream Initialzündungen gewesen sein, sich der Rockmusik zuzuwenden. Zunächst mit Eddy Naegeli als Gitarrist, später stiess dann Gitarrist Ax Genrich dazu. 1970 erschien das Debüt-Album "UFO". Und somit sind wir dann auch gleich bei der ersten CD des Dreierpacks gelandet, betitelt "Rock". Allerdings sucht man hier vergebens nach ganz alten Songs, mit "L.Torro" findet man den ältesten Titel aus 1976. Der jüngste Song stammt aus 2021, das ist "Tribes And Vibes".

Im Laufe der Zeit kam es zu etlichen Besetzungswechseln, so sind neben dem einzigen Originalmitglied Neumeier nunmehr Roland Schaeffer, Peter Kühmstedt und Zeus B. Held am Start. Nun, "Tribes And Vibes" mag Rockelemente aufweisen, doch halte ich die Richtung im Wesentlichen mehr in Richtung Jazz Rock / Fusion angesiedelt. Jedoch waren solche Ausprägungen auch oft bei älteren Titeln zu vernehmen.

So, ich bin gespannt, wie man den Begriff der zweiten CD, "Space", interpretiert. Im Booklet heißt es dazu: Das Konzept 'Space' steht nicht einfach für 'Weltraum' - es steht für Neues, Aufbruch, positive Utopien. Und gleich der erste Song, "Space Baby" scheint teilweise schwerelos durch den Raum zu schweben, das Stück stammt aus 1993. Hier findet man nun doch noch einen ganz alten Beitrag, das ist "Der LSD Marsch", zwar nicht in der Version des Debüt-Albums, sondern als Livetitel von den Essener Songtagen 1970. Entsprechend experimentell, eben aus den Anfangstagen, klingt dieser Song doch ganz anders als die späteren, "moderneren" Stücke. Neumeier, Trepte und Genrich zeigen ganz frech ihre Vorstellung ihrer Musik, und wie man sich offensichtlich stark vom Mainstream abheben wollte. Der Begriff "Space" findet hier sicherlich seinen rechten Platz, offensichtlich wirkt hier noch die Beschäftigung mit dem Jazz nach. Der bekannte Begriff des Elektrolurchs wird auch aufgegriffen mit der "Elektrolurch Mutation", hier live in Heidelberg im Jahre 2015 eingespielt. Neben seinem Schlagzeugspiel rezitiert Mani auch, hier die sicherlich häufig gehörten Zeilen Was bedeutet eigentlich der Name Guru Guru? Immer Spass am grünen Gras. Warum der Originalsong aus dem 1974er Album nicht Einzug in die Kompilation gehalten hat, verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht so ganz.

Bliebe noch die dritte CD, die sich mit einer wichtigen stilistischen Ausrichtung der Band beschäftigt, "World". Ja, der Begriff "Weltmusik" wurde von der Band schon früh mit Leben erfüllt. Verantwortlich waren diverse Reisen, unter anderem nach Indien und Japan, beide Länder wohl mit dem prägendsten Eindruck. Zeitlich bewegt sich die Musik auf diesem Silberling zwischen 1972 und 2018. "Ooga Booga" stammt aus 1972, vom Album "Känguru" und "Paramashivam" und "Nombiri" aus 2018, beide vom Album "Rotate!" Roland Schaeffer hört man nun mit dem südindischen Doppelrohrblattinstrument, dem Nadaswaram, bekannt geworden sicher auch Charlie Mariano, die indischen Einflüsse sind unüberhörbar.

"Ooga Booga" aus 1972 wirkt allerdings nun ein wenig fehl am Platze, strahlt es diese besondere Art der Weltmusik noch nicht wirklich aus, sondern läßt erst einmal die Ansätze hierzu erkennen, durch das Trommelspiel und den Gesang von Neumeier. Hier hat diese spezielle Spielweise des Krautrocks noch ein wenig die Nase vorn und gleichzeitig hätte dieser Song auch in die Abteilung "Space" gepasst. Und "Taoma", auch eines der älteren Songs, hier aus 1979 (Album "Hey Du"), ist ein ganz hervorragendes Beispiel dafür, wie sich die Band dem Begriff Fusion gewidmet hatte, von internationaler Klasse fließt es hier, mit schönen jazzigen Improvisationen. Nach Japan geht es dann noch mit "Don't Worry About The Koto", Neumeier spielt hier dieses Instrument. Und zum Schluss dann noch einer der seltenen alten Titel, "Das Lebendige Radio", in fünf Abschnitte unterteilt, mit dem ganz ungewöhnlichen Abschluss einer Version des Chuck Berry-Songs "Bye, Bye Johnny", nachdem man sich vorab der bayerischen Tradition mit "Der Kaiserjodler" und "Schnaderhupferl" widmete, hier wird dann auch die dressierte Kuh Liesl vorgestellt, recht amüsant, das Ganze! Ja, das waren eigentlich die so angenehm verrückten Guru Guru der frühen Jahre.

Und genau das fällt mir auf, dass diese frühen Jahre mit dieser Kompilation viel zu kurz kommen, mithin ist sie so ganz und gar nicht repräsentativ, trotz des dieses versprechenden Titels 1970-2021. Möglicherweise mag das an Lizenzschwierigkeiten gelegen haben, erschien doch zum Beispiel "Ooga Booga" mit freundlicher Genehmigung von Vertigo/Capitol.



Wolfgang Giese

Trackliste

Disc 1: Rock

1 Moshi Moshi (3:08)
2 Jet Lag (5:04)
3 A Handy Plus (5:05)
4 Formentera (5:37)
5 Iddli Killer (East) 3:07)
6 For Ivy (2:12)
7 Dös war I (3:58)
8 Was Für ‘Ne Welt (5:54)
9 L. Torro (4:33)
10 Tribes And Vibes (4:34)
11 I Am Rolling Through The City (4:28)
12 Moroso (4:09)
13 Rock’n’Roll Machine (4:04)
14 Inkarnation Stomp (4:13)
15 Electric Junk (11:56)

Disc 2: Space

1 Space Baby (6:41)
2 Dark Blue Star (5:03)
3 Jupiter God (6:35)
4 Skylab (7:36)
5 Globetrotter (6:58)
6 Blue Huhn (Finkenbacher Spätlese Blues) (3:15)
7 Die Verkündung (5:05)
8 Galactic Human (5:55)
9 Atommolch (9:18)
10 Der LSD Marsch (9:57)
11 Elektrolurch Mutation (11:10)

Disc 3: World

1 Tamil Nadu (5:16)
2 Living In The Woods (5:46)
3 Pow Wow (4:58)
4 Izmiz (4:30)
5 Ooga Booga (11:06)
6 Paramashivam (5:14)
7 Taoma (6:05)
8 A Trip To Gurustan (8:49)
9 Nombiri (5:07)
10 Don’t Worry About The Koto (5:11)
11 Das Lebendige Radio (7:56)
a. O Uhr 69
b. Wir Machen Muzik
c. Der Kaiserjodler
d. Schnaderhupferl
e. Bye, Bye Johnny

Besetzung

Mani Neumeier (drums, electric drums, cymbal, gong, electronics, tape, vocals, koto)
Uli Trepte (bass)
Ax Genrich (guitars)
und viele andere Musiker*innen im Laufe der Besetzungswechsel
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So bewerten wir:

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06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
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19 bis 20 Überflieger