····· Die Toten Hosen feiern den 30sten Jahrestag ihres ersten Argentinien-Gigs ····· Doppelplatin für AC/DC  ····· Neuer german Thrash aus Thüringen mit Spydory ····· Die Merseburger Death-Metaller Overlord auferstehen in Höllen-Zimmern ····· Roskilde 2024 ausverkauft - Freiwillige haben noch die Chance zur Teilnahme ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

SAFE

Reizüberflutung



SAFE - dahinter steckt das vom Gitarristen Julian Scarcella angeführte Künstlerkollektiv, und es ist eine Abkürzung für Scarcella And Friends Extended. Ja, und "extended" ist es wahrlich, schaut man nur auf das sehr stark erweiterte Line-up mit Künstlern*innen aus Rock, Pop, Jazz und Klassik. Gesanglich geht es auch in Richtung Pop, Jazz und Oper und gerapt wird auch.

Nun, angesichts dieser Fülle an Stilen mag es vielleicht auch zur Reizüberflutung, so der Titel des Albums, kommen. Mit einem Gewitter inklusive Regenguß eröffnet die "Eröffnung". Dazu dröhnt die Gitarre und Streicher schweben dahin, ein Rockdrummer wirbelt energisch. Bereits diese Fülle von Eindrücken schürt Erwartungen für den Rest der Platte, der dann mit "Umzug - am Rande des Wahnsinns" startet. Ach, an den Rande des Wahnsinns wird es mich nicht treiben, vielleicht ein wenig Verwunderung wird sich breit machen. Verwunderung darüber, wie man ein solches Projekt angehen kann, indem man Musiker*innen dieser unterschiedlichen Genres unter einen Hut bringen konnte.

Wie schreibt Scarcella selbst: Das ganze Projekt ist ein Abenteuer für mich. Laut Pressetext muss man auch als Hörer also auf Klänge der Genres Jazz/Fusion, Prog, Rock, Metal, Filmusik und Klassik einstellen. Doch nicht immer geht es so ab, wie man vielleicht "befürchten" könnte. Denn viele der Songs, die Jazz, Jazz Rock und Fusion als Grundlage haben, integrieren die diversen Stile sanft und nicht zu sehr die Songs zerreissend.

Vielmehr bemerkt man in jedem einzelnen Song eine gewisse Grundstruktur, die sich an Basis-Genres hält, und diese dann entsprechend erweitert. Entstanden sind somit, außer der "Eröffnung", viele einzelne Ausrichtungen, die mit den jeweiligen ausgefeilten Arrangements ein Füllhorn von Ausdruck bieten und damit ein hohes Maß an Aufmerksamkeit fordern, quasi wirkt das auch wie eine Art "Wundertüte".

Scarcella als alleiniger Gitarrist bedient sich selbst dann auch verschiedener Spielarten und von Folk, Flamenco bis zum Metal deckt er Alles ab. Im Laufe der Spielzeit bemerke ich, dass der Einsatz der Violinen einen hohen Stellenwert einnimmt. Mitunter muss ich in einigen Passagen stets an Jerry Goodman denken, zu jener Zeit, als er beim Mahavishnu Orchestra für den entsprechenden Sound sorgte. Apropos Violine - beim Stück "Violin Solo No. 1" ist es Yoshie Okura, der hier im Alleingang ein beeindruckendes Solo vorlegt.

"Danza Apassionata" ist mit einem üppigen Arrangement versehen, die Flamenco-Gitarre regiert, die Bläser begleiten vollmundig und der Rhythmus rockt mitunter kraftvoll. Schnell habe ich hier dann auch eine Assoziation zur Hand, erinnert es mich doch sehr an das The Mendoza / Mardin Project und "Jazzpaña". "Unity" startet mit dem satten Sound einer Kirchenorgel und wird dann von indischer Perkussion umrahmt, dazu gesellt sich dann Gesang, um dann in einen deftigen Rock Jazz-Modus überzugehen, und sich anschließend erneut zu verändern.

"Dragonfly" ist die Rocknummer des Albums und zum Schluss wird dann die Oper bemüht, über rockendem Untergrund wird opernhaft gesungen, und gerapt noch obendrein, ein wenig Nightwish inklusive. Alles in Allem also ein recht gewagtes Unterfangen, wobei man sich ernsthaft überlegt, wenn Scarcella damit wirklich hat ansprechen wollen. Ich halte das Ganze für recht gelungen, war es doch in der Tat nicht gerade einfach, das so zu inszenieren, für Einige mag das vielleicht auch zuviel des Guten sein, denn zwischen den emotionalen "Buchstützen" besinnlich und furios befinden sich ständig weitere Unterabteilungen, die ganz einfach fordern beim Zuhören, aber man sollte sich darauf einlassen, diese kraftvoll gespielte Musik könnte Freunde*innen unterschiedlicher musikalischer Vorlieben vereinen.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Eröffnung
2 Umzug - am Rande des Wahnsinns
3 Bipolar
4 Auf der Suche
5 Grünfink
6 Violin Solo No. 1
7 Raue See
8 Hoffnung
9 Danza Apassionada
10 Unity
11 Dragonfly
12 Ein Teil von Dir

Besetzung

Julian Scarcella (guitars)
Yoshie Okura (violin)
Nicolae Gutu (accordion)
Simon Schröder (metal drums)
Mario Ehrenberg-Kempf (basses)
Simon Asmus (keys)
Abigail Stahlschmidt (violin)
Francesco Lucidi (drums)
Britta Görtz (vocals)
Oliver Mascarenhas (violincello)
Jonas Schoen-Philbert (saxophone)
Markus Becker (piano/keys)
Michelle Schwarzkopf (vocals)
Kateryna Agieieva (vocals)
Roland Loy (vocals)
Sophia Revilla (vocals)
Nora Lotz (vocals)
Tobias Schröder (vocals)
Jonas Ottolien (rap)
Sesim Bezduz (violin)
Ksenia Kashirina (violine)
Irina Kalinowska (viola)
Luis Ernst (trumpet)
Marvin Zimmermann (trumpet)
Justus Strohmann (trumpet)
Antony Williams (trumpet, keyboard)
Tom Trabandt (trumpet)
Lasse Richter (trombone)
Jan Urnau (trombone)
Okan Gökay (trombone)
Tim Köhler (saxophone)
Yvonne Schwitalla (flute)
Lukas Merten (saxophone)
Ruben Vogel (saxophone)
Fynn Grossmann (saxophone)
Rebecca Hempel (harp)
Felix Lopp (piano, keys)
Melissa Joy Gjakonovski (synth)
Tobias Rehor (Hammond organ)
Jakob Bereznai (synth, keys)
Lukas Blecks (synth)
Andrea Lonardi (bass)
Marcos Fischer (bass)
Lea Randella (slap bass)
Ludwig Berner (bass)
Martin Schwarz (bass)
Massimilian De Curtis (drums)
Max Enyedi (drums)
Christoph Wirtz (drums)
Peer Bothmer (drums)
Olga Egerova (mandolin)
Mustafa Boztuy (percussion)
Simran Singh Ghalley (percussion)
Zurück zum Review-Archiv
 


So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger