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Reviews

Auber, D.-F.-E. – Thomas, A. – Delibes, L. u. a. (Dubois, C. – Dumoussaud, P.)

So Romantique! Arien für Ténor de grâce


Info

Musikrichtung: Romantik / Tenor / Oper

VÖ: 03.03.2023

(Alpha / Note 1 / CD / DDD / 2021 / Alpha 924)

Gesamtspielzeit: 68:46

ANMUT & AUSDRUCK

Dem französischen Stimmtyp des Ténor de grâce, dem Nachfolger des barocken Haute-Contre, widmet der Sänger Cyrille Dubois ein Album mit zum Teil wenig bekannten Trouvaillen aus der französischen romantischen Oper vom frühen 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhundert.
Dubois ist in verschiedenen Epochen zu Hause, singt die Hauptrollen in den Opern Rameaus und Leclairs ebenso wie die Lieder Couperins, den Nadir in Bizets „Perlenfischern“ oder den Iopas in den „Trojanern“ von Berlioz. 2022 erschien beim Label Aparté eine maßstäbliche Gesamtaufnahme mit den Liedern Faurés – eine Interpretation für die berühmte einsame Insel.

Nun also ein gemischtes Programm für den Ténor de grâce. Dieser zeichnet sich durch eine leichte, anmutige Höhe, ein helles, strahlendes Timbre sowie eine Vorliebe für Vokalisen aus, dies gerne im Duett mit einem Koloratursopran. Dieser eher feingliedrige, jünglingshafte Stimmtyp ist weniger durchschlagskräftig und potent als die späteren, zunehmend virileren Tenor-Stimmen à la Caruso. Dieser stellt gewissermaßen die Allround-Synthese der älteren Tenorfächer dar: Er kann zwar prinzipiell alle Tenorpartien singen, es klingt aber auch alles irgendwie gleich und „robust“. Während der Caruso-Tenor selbst Spitzentöne im Brustregister bildet, nutzt der Ténor de grâce die Kopfstimme oder die voix mixte aus Brust- und Falsettregister, was für die charakteristische helle Färbung und Geläufigkeit sorgt.

Dubois nun demonstriert, wie dieses Repertoire gesungen werden muss, damit es beim Hörer „ankommt“: Seine Stimme hat ein elegant farbiges Timbre, ist leichtgängig und flexibel, dabei im Ausdruck nuanciert, mit einem geschmackvoll beigemischten Vibrato. Die „näselfreie“ Diktion ist sehr klar und harmonisch ausbalanciert.
Dieses Organ ist perfekt für die elegischen Melodiebögen vieler der hier versammelten Stücke, aber nicht minder gewandt, wenn es um Koloraturen geht. Dubois singt die gefühlvollen Partien emotional, schwärmerisch, auch mit Feuer, aber ohne Sentimentalität und vokale Manieren wie Schluchzer, die schnell abgeschmackt wirken. Das theatralische Element, das ihm am Herzen liegt, gerät nie zur Karikatur. Eine gewisse Fragilität, die dem Heroischen erst Menschlichkeit verleiht, berührt unmittelbar.
Die hohen C’s der Italiener hielten schließlich auch in die französische Oper Einzug und forderten ihren Tribut. Diese Höhenflüge wirken stilistisch zwar manchmal etwas aufgesetzt, aber das mindert, Dank Dubois‘ Gesangskultur, nicht den schönen Gesamteindruck. So bekommt man hier das „männliche “ Gegenstück zum zauberhaften Recital „Bijoux Perdus“ von Judie Devos vom gleichen Label - beide würde man gerne einmal zusammen hören.

Das Orchestre National de Lille begleitet unter der Leitung von Pierre Dumoussaud differenziert farbig und duftig, es vollzieht jede Bewegung der Stimme sensibel mit – ein ideales Begleitteam für Dubois.



Georg Henkel

Trackliste

Daniel-Francois-Esprit Auber: La Barcarolle
Benjamin Godard: Pedro de Zalamea
Ambroise Thomas: Le Roman d'Elvire; Mignon; Raymond
Francois-Adrien Boieldieu: La Dame Blanche
Jacques Fromental Halevy: Les Mousquetaires de la Reine
Louis Clapisson: Gibby la Cornemuse; Le Code Noir
Gaetano Donizetti: La Fille du Regiment
Charles Gounod: Le Medecin Malgre Lui
Charles Luce-Varlet: L'Eleve de Presbourg
Georges Bizet: La Jolie Fille de Perth
Theodore Dubois: Xaviere
Charles Silver: Myriane
Leo Delibes: Lakme
Camille Saint-Saens: Le Timbre d'Argent

Besetzung

Cyrille Dubois, Tenor

Orchestre National de Lille

Pierre Dumoussaud
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