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Reviews

Bloodlust

Terminal Velocity


Info

Musikrichtung: Speed Metal

VÖ: 20.08.2021

(Skol)

Gesamtspielzeit: 41:21

Internet:

http://www.facebook.com/Bloodlustmetal

Nach dem Guilty As Sin-Debüt ging es bei Bloodlust besetzungstechnisch drunter und drüber, bis mit der Rückkehr von Ur-Sänger Steve Gaines zumindest eine markante Vakanz gefüllt werden konnte und zusammen mit dem neuen Zweitgitarristen John Lisi zunächst das Anti-Life-Demo eingespielt wurde, dessen drei Tracks als Boni auf dem Re-Release des Debütalbums vertreten sind. Danach verließ allerdings auch noch Drummer Mark E. Cuestas die Formation, konnte aber durch Craig Kasin kompetent ersetzt werden. Dieses Quintett nun begab sich mit Dark-Angel-Gitarrist Eric Meyer als Produzent abermals ins Studio, um vier Tracks einzuspielen, die eigentlich auch mehr Demo-Charakter haben sollten, um einen neuen Plattendeal an Land zu ziehen, da man bei Metal Blade aussortiert worden war. Wild Rags brachten die vier Tracks aber letztlich als EP unter dem Titel Terminal Velocity heraus, laut neuzeitlichen Interviews mit Gitarrist Earl Mendenhall wohl mehr oder weniger halblegal, was auch das Cover erklären könnte, das noch einfallsloser als das des Debüts daherkommt, nämlich einfach nur eine schwarze Fläche, oben das Bandlogo und unten den EP-Titel zeigt. Auch mit diesem Release gelang Bloodlust letztlich karrieretechnisch kein Schritt vorwärts, und sie zerfielen schließlich, wobei auch keines der Nachfolgeprojekte der einzelnen Bandmitglieder größere Erfolge einfahren konnte.
Hört man die vier Tracks von Terminal Velocity heute durch, fällt sofort eine markante Härtung gegenüber dem Debütmaterial auf. Drei der vier Songs lagern grundsätzlich im Speedtempo, auch wenn sie allesamt durch einen zentralen Midtempopart variiert werden. „C.T.R. (Sunday Liar)“ konnte der Undergroundfanatiker dabei schon vom Anti-Life-Demo kennen, „City Of The Forgotten“ und der Titeltrack hingegen waren neu. „Guilty As Sin“ wiederum, der auf dem Debüt aus unerfindlichen Gründen fehlende und erst auf Anti-Life erstmals konservierte Titeltrack, hat in seiner Neueinspielung für Terminal Velocity noch ein Akustikgitarrenintro von Neuzugang Lisi spendiert bekommen, das mit „Semper Fi“ sogar einen eigenen Titel trägt, aber nicht als eigener Track programmiert worden ist. Der Song selbst verbleibt allerdings in Midtempogefilden, mal machtvoll und gleichfalls mit Vorwärtsdrang stampfend, mal schleppend, mal elegant über Leadmotiven schwebend und ausgangs des Solos auch mal ganz kurz ins Speedfach wechselnd, was hier aber episodisch bleibt. Auffällig gegenüber dem Debüt ist, dass Bloodlust mit Gaines nun wieder einen Shouter in ihren Reihen haben, der sich einerseits von den großen Höhen fernhält, in die Guy Lord auf dem Debüt zumindest gelegentlich vorgestoßen war, andererseits aber auch keine Gesangsmelodien im klassischen Sinne evoziert, wenngleich er variabel genug agiert, um gegenüber dem abermals filigranen Gitarrenspiel nicht gar zu sehr als grober Klotz dazustehen – die Kombination aus extremem Gesang und hochmelodischen Gitarren sollte erst ein halbes Jahrzehnt später über den Umweg Schweden salonfähig werden, und da existierten Bloodlust längst nicht mehr.

Der vorliegende Re-Release, der parallel zu dem des Debüts auf Skol Records erschienen ist, bringt die EP mit fünf Bonustracks auf eine Spielzeit von über 40 Minuten. Die ersten drei Boni entstammen dabei einer Vorab-Aufnahme des Anti-Life-Demos, es sind auch die gleichen Songs drauf, die letztlich auf dem Demo landeten, wobei „Guilty As Sin“ hier noch ohne das „Semper Fi“-Intro auskommen muß. Gaines war allerdings noch nicht zur Band zurückgekehrt – hier singt aushilfsweise Gitarrist/Bandkopf Earl Mendenhall, und auch der fällt in die Kategorie eines Shouters, allerdings eines zumindest in dieser Aufnahme noch deutlich monotoner agierenden, so dass vor allem der Speedie „Trapped In The Void“ fast die schwedische Melodic-Death-Kombination vorwegnimmt, auch wenn das im Falle Bloodlust ganz und gar keine Absicht war, sondern eben einfach daran lag, dass man keinen „klassischen“ US-Metal-Sänger hatte finden können. Ein solcher Höhenakrobat hätte zum Material, auch zum neuen, wahrscheinlich immer noch am besten gepaßt, aber wenn eben keiner verfügbar war, bleiben alle diesbezüglichen Überlegungen müßig, und der Hörer muß sich mit dem begnügen, was ihm letztlich in konservierter Form geboten werden kann. Den provisorischen Charakter dieser Aufnahme machen ein paar leicht schiefe Gitarren im Solo von „CTR“ deutlich, wenngleich der mitreißende Speed-Einstieg in diesen Solopart immer noch zu den besten Ideen gehört, die sich Mendenhall so aus den Rippen geleiert hat. Dem Sound hört man hier natürlich an, dass das Material ursprünglich nicht zur Veröffentlichung gedacht war, aber Bart Gabriel hat beim Remastern doch noch einiges rausgeholt. Die Namensvielfalt des zuletzt genannten Tracks ähnelt übrigens auch hier der schon auf dem Re-Release von Guilty As Sin zu beobachtenden.
2004 taten sich Bloodlust dann wieder zusammen und spielen seither ab und zu mal live, haben aber kein neues Material mehr herausgebracht. Die Ausnahme bilden zwei 2005 eingespielte Tracks, die aber offenbar auch eher zu Demonstrationszwecken dienten und zudem kein unkonserviert gebliebenes Material aus der Frühzeit ausgraben – statt dessen gibt es nochmal „Guilty As Sin“, diesmal wieder ohne „Semper Fi“, und vom Debüt „Too Scared To Run“. In der Reunion-Besetzung singt abermals Gaines, und man hört die zwischenzeitlich vergangenen knapp 20 Jahre doch recht deutlich – er wirkt angestrengter als früher (höre die Bridges in letzterem Song), aber Melodien hält er immer noch keine. Die Instrumentalisten haben hörbar nichts verlernt, wobei nunmehr wieder Mark E. Cuestas trommelt. Soundliche Wunder kann man auch hier keine erwarten, obwohl Warrior-Chefdenker Joe Floyd an den Reglern saß – eine moderne Hochglanzproduktion würde freilich auch nicht zum urwüchsigen Powerspeed Bloodlusts passen, weder in der frühen Aktivitätsperiode noch im 21. Jahrhundert. Obwohl dem Neuntracker letztlich ein alles überstrahlender Hit fehlt, wie das Debüt mit „Rising Power“ einen besessen hatte, ist das Material durchaus hörenswert, wenn man damit klarkommt, dass man eben „Guilty As Sin“ gleich dreimal zu hören bekommt. Relevant für die einsame Insel werden Bloodlust nicht, zwischendurch gut anhörbar sind sie allemal. Der Re-Release bietet die gleichen historischen Zitate wie der des Debüts, aber ansonsten einige andere Dokumente sowie die Lyrics der vier EP-Tracks.
Bleibt abschließend allerdings noch die editionshistorische Frage zu erörtern, warum die drei Songs des von Gaines eingesungenen Anti-Life-Demos nicht hier auf dieser Scheibe und dafür die von Mendenhall eingesungene Rohfassung auf dem Re-Release des Debüts gelandet ist. Das wäre erstens die chronologisch richtige Reihenfolge gewesen und hätte zweitens dazu geführt, dass die Gaines-Aufnahmen nicht verstreut, sondern auf der zweiten CD vollständig vertreten sind. Da die beiden CDs parallel erschienen sind, dürfte es keinen zeitlogistischen Grund für diese eigenartige Wahl gegeben haben. Weil sich viele Leute aber wahrscheinlich sowieso beide Re-Releases zulegen und damit den Gesamtbestand der historischen Aufnahmen besitzen werden, ist das Problem zumindest nicht ganz so weltbewegend.



Roland Ludwig

Trackliste

1Terminal Velocity3:42
2City Of The Forgotten4:43
3C.T.R. (Sunday’s Liar)5:09
4Semper Fi/Guilty As Sin5:02
5Guilty As Sin (rough demo 1987)4:46
6Trapped In The Void (rough demo 1987)2:48
7C.T.R. (rough demo 1987)5:15
8Guilty As Sin (2005 version)5:10
9Too Scared To Run (2005 version)4:44

Besetzung

Steve Gaines (Voc, 1-4, 8, 9)
Earl Mendenhall (Voc, 5-7; Git)
John Lisi (Git)
Sandy K. Vasquez (B)
Craig Kasin (Dr, 1-4)
Mark E. Cuestas (Dr, 5-9)
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