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Reviews

The Young Gods

Play Terry Riley In C


Info

Musikrichtung: Industrial

VÖ: 09.09.2022

(Two Gentlemen)

Gesamtspielzeit: 59:06

Internet:

https://www.younggods.com/
https://www.twogentlemen.net/
https://bite-it-promotion.de/

Einer der Pioniere der minimalistischen Musik war Terry Riley, er komponierte 1964 das Stück "In C", die aus seiner Sicht definitive Version des Stücks erschien 1968. Unter anderem waren Steve Reich, Jon Gibson, Pauline Oliveros, Stuart Dempster und Morton Subotnick beteiligt, aufgenommen am San Francisco Tape Music Center und 1968 von CBS FRecords veröffentlicht. "In C" bestand aus dreiundfünfzig kurzen Phrasen und erbrachte eine Spielzeit von circa zweiundvierzig Minuten.

The Young Gods, eine Schweizer Post-Industrial-Band, 1985 gegründet, hat es etwas kürzer vorgelegt hinsichtlich der Songanzahl, hier sind es neun an der Zahl, dafür umfasst die Platte eine Spielzeit von fast einer Stunde. Stilistisch zeichnete ich die Band von Beginn an aus durch ihre knappe Ausrichtung auf Electronics und Schlagzeug, mit einer zusätzlichen Gitarre zur weiteren Ausgestaltung. Unter anderem beschäftigte man sich mit Covern der Musik von Kurt Weill.

Play Terry Riley In C wurde am 21.Oktober 2021 live im “Studio des Forces Motrices” in Genf, Schweiz, eingespielt. Neben zahlreichen Versionen des Klassikers von Riley hat man sich nun eingereiht mit einer weiteren Neugestaltung des Werks, oder besser - einer eigenständigen und eigenwilligen Interpretation, wiederum getragen durch dominantes Schlagzeugspiel und wabernde Elektronik, abgerundet durch oft verhallten Gitarrensound.

Rumpelnd zieht die Musik zumeist ihre Bahn. Gelegentlich kann ich assoziieren, vielleicht hin zu The Durutti Column, deren Musik aber filigraner und zarter wirkte, aber auch Einiges von Robert Fripp oder von Bohren & der Club of Gore könnte mir in den Sinn kommen. Doch letzlich wirken die drei Musiker im Wesentlichen in ihrem eigenen Kosmos.

Laut Pressetext habe man sich dazu entschieden, der Partitur und den Angaben von Terry Riley zu folgen, wobei sie sich einige zusätzliche Freiheiten erlauben, zum Beispiel bei der Steuerung der Klangintensität, die sich in mehreren langen Zyklen von fast Stille bis zu einem Ausbruch und wieder zurück entwickelt. Sie haben sich auch dafür entschieden, während der gesamten Live-Performance ein konstantes Tempo beizubehalten, indem sie einen hypnotischen Fluss und eine kontinuierliche musikalische Präsenz aufbauen, die in ständig wechselnden Ringen und Atmosphären mäandert und oszilliert, die sich auf eine perfekt fließende Art und Weise verwandeln.

Ja, das kann ich durchaus nachvollziehen, diese durchgängige fast hypnotisch wirkende Stimmung, die sich durch die neun Songs zieht. Eigentlich erinnert das hinsichtlich der Atmosphäre auch an Einiges, das mir noch aus früheren Jahren in dieser Intensität von Tangerine Dream oder Klaus Schulze bekannt ist.

So bietet sich die Möglichkeit, sich vollends auf die Musik einzulassen und mitzufliegen auf diesem magischen Trip, denn sofern man dieser Art zugeneigt ist, und sich wirklich fallen lassen kann, dann lohnt es sich. Ansonsten kann diese durchgehende Beschallung mit recht kühlem Ausdruck auch nerven, denn emotional positiv wirkt dieser Industrial Sound eben nicht. Dagegen ist die 1968er Einspielung von Riley wirklich völlig anders im Ausdruck, jene Musik wirkt sicher abstrakt und in gewisser Weise unbequem und mag auch weniger zugänglich sein, weist aber Wärme und Emotion auf.

Ob es insofern gelungen ist, das Stück annähernd werkgetreu zu interpretieren, mag jeder Zuhörerin, jedem Zuhörer freigestellt sein, das subjektiv zu beurteilen. Jedenfalls empfinde ich zwei völlig verschiedene Werke, die ich nicht unbedingt im Einklang finde, also letztlich isoliert betrachte.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 In C: , Pt. 1
2 In C: , Pt. 2
3 In C: , Pt. 3
4 In C: , Pt. 4
5 In C: , Pt. 5
6 In C: , Pt. 6
7 In C: , Pt. 7
8 In C: , Pt. 8
9 In C: , Pt. 9

Besetzung

Cesare Pizzi (electronics)
Franz Treichler (electronics, guitar and voice)
Bernard Trontin (drums and percussions)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger