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Reviews

Tryon

Läuterung


Info

Musikrichtung: Jazz/Avantgarde/Rock-Fusion

VÖ: 26.08.2022

(Challenge)

Gesamtspielzeit: 54:24

Internet:

https://de-de.facebook.com/tryonband/
https://challengerecords.com/
https://www.martinaweinmar.de/

Der aus Seattle stammende Bassist Kellen Tryon Mills steckt hinter diesem Projekt namens Tryon. Eigentlich hatte er sich mit der Band Alex's Hand dem Prog-Rock verschrieben, doch nach dessen Auflösung 2020 entstanden die Songs zu diesem Album, Läuterung, ein deutscher Titel, dessen Bedeutung Mills wohl von seinem Gitarristen erklärt bekommen haben soll, kurzum, das gefiel ihm und der Plattentitel stand.

Nun, was mag dahinter stecken? Läuterung, ein Begriff, der ja eigentlich bedeutet, dass man sich von Schlechtem, von Verunreinigungen und ähnlichem befreit und eine Art Reinigung erfährt. Mithilfe vieler verschiedener Musiker, also eine feste Band scheint Tryon nicht zu sein, entstanden zehn Songs, die sich bewegen im weiten Umfeld von Jazz, Avantgarde, Pop und Rock. Da klingt ein wenig Zappa durch, denn diese vertrackten Arrangements, die Verwendung von Marimba und dazu die teils merkwürdig klingenden Gesangspassagen, diese plötzlich wild ausbrechenden Gitarrenparts, all das erinnert an Frank.

Gleich drei verschiedene Sänger*innen tragen die Texte vor, und teilen sich die Lead Vocals. Mills selbst hat die Background Vocals übernommen. Neben den grundsätzlichen Instrumenten wie Gitarre, Keyboards, Bass und Schlagzeug werden einige Songs mit akzentuierten Bläsersätzen aufgepeppt. Auch das wiederum erinnert an Zappa.

Dennoch bleibt diese wilde Mischung das "Kind" des Protagonisten, denn er hat es verstanden, aus verschiedenen Einflüssen einen recht eigenständigen Mix zu kreieren, einen Mix, der jedoch recht sperrig wirkt und wirklich wenig zugänglich. Man sollte bereit sein, über den Tellerrand zu schauen, und sich die Mühe machen, dieser Masse an teils skurril wirkenden Passagen und Ausschnitten zu widmen. Klar - es ist teilweise wirklich anstrengend und diese Musik ist sicher auch nicht entspannend, vielmehr recht fordernd, hat mitunter gar ein wenig "Operncharakter" à la "Escalator Over The Hill" von Carla Bley/Paul Haines.

Dennoch wird mit einer relativen Leichtigkeit gespielt, nichts ist verkrampft oder übermässig verkopft, sondern emotionale Elemente finden sich durchaus, auch humoristische. So scheint diese Musik speziell diverse Interessen des Komponisten Mills zu reflektieren. Den Musikern gelingen diese Gratwanderungen hervorragend, sind sie doch gefordert, Elemente des Hard Rocks, frei fließendes Spiel, Prog-Rock- oder Jazz-Rock-Einflüsse zu verarbeiten. Denn diese Musik ist recht kompliziert und teilweise recht avantgardistisch ausgerichtet, mundartlich ausgedrückt - "harter Tobak"!



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Popcity (5:56)
2 Solitude by Numbers (4:11)
3 Wooden Chair (3:53)
4 Saving Till the End (3:57)
5 Shifts (9:24)
6 Floyd (3:47)
7 Tumultuous Roads Diverge (TRD) (7:01)
8 Wasted Time (2:59)
9 Virall (5:44)
10 You're Lost Now (7:28)

Besetzung

Kellen Mills (bass, background vocals, synths)
Omri Abramov (tenor saxophone, EWI, sylphyo, synth)
Ganna Gryniva (lead vocals)
Toms Rudzinksi (alto saxophone)
Dante Uccello (synthesizer, sequences)
Henry Hahnfeldt (drums)
Dearbhla Nolan (trumpet)
Ruben Bernges (guitars)
Lela Frite (lead vocals)
Jacopo Bazzarri (vibraphone, marimba)
Scott Flynn (trombone)
Kerem Eseman (flute, string programming)
Erik Leuthäuser (lead vocals)
Rieko Okuda (piano, synths)
Diego Caetanno Guerrra (drums, add. guitar)
Agustin Pardo (flute)
Giovanni Chirico (baritone saxophone)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger