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Reviews

Poets on a Pilgrimage

The other Side of the Mirror


Info

Musikrichtung: Progressive

VÖ: 1997

(Eigenvertrieb)

Gesamtspielzeit: 25:38

Da meine Frau gelegentlich fürchtet, unser Haus würde in absehbarer Zeit aufgrund des Gewichtes meiner Plattensammlung im märkischen Sand versinken, werde ich wohl nicht umhinkommen, mich an den Gedanken zu gewöhnen, etwas zu tun, was ich (mit ganz kleinen Ausnahmen – und die ärgern mich heute) noch nie getan habe, nämlich mich von Teilen dieser Sammlung zu trennen.

The other Side of the Mirror von den Poets on a Pilgrimage wird definitiv nie auf der Liste der zu streichenden Alben stehen. Das Mini-Album, das vor ziemlich genau 25 Jahren von fünf jungen Herren in Eigenregie aufgenommen wurde, gehört zu dem Stärksten, das im progressiven Bereich in Deutschland je aufgenommen wurde.

Ich weiß nicht, ob die Mannen um Lutz Frommberger und Martin Hümmerich je auf eine professionelle Musikerkarriere abgezielt haben. Ich weiß auch nicht, ob sie außer dieser CD noch etwas anderes publiziert haben. Ich weiß eigentlich gar nichts über diese Band, außer dass sie mir 1997 auf dem Leipziger Kirchentag bei einem Auftritt in der Leutzscher Laurentiuskirche dermaßen gut gefielen, dass ich 17 D-Mark in The other Side of the Mirror investiert habe – eine Investition, die ich nie bereut habe, in eine CD, die bis heute immer wieder den Weg in meinen CD-Player findet.

Die Poeten machen es dem Rezensenten nicht gerade einfach. Es findet sich kaum eine Band, die sich zum Vergleich anbietet. Und das ist gut so. Was sie mit den frühen Genesis, zu denen musikalisch wenig Parallelen bestehen, verbindet, sind die progressiven Kompositionen, in denen immer wieder Textpassagen auftauchen, die regelrechten Hitcharakter habe und sich wie Ohrwürmer in der Erinnerung festsetzen.
Und die Truppe hat ein geniales Rhythmus-Gefühl. Man höre sich nur einmal die fantastische Eingangssequenz des Openers „Stupid!“ an. Martin Hümmerich zieht Euch mit seinen fast gesprochenen Vocals sofort in das Stück hinein, das ständig den Frontmann wechselt. Mal steht eine intensive Gitarre im Vordergrund, dann wieder der Gesang. Auch der Synthie hat seine Momente im Spotlight, wohl auch dann, wenn eine Flöte zu erklingen scheint – jedenfalls, wenn die Besetzungsliste vollständig ist.

Humor ist eine der Stärken der Pfälzer. Wer sonst würde ein Stück „Coffee Machines“ nennen. Hier wird mit viel Theatralik eine Geschichten erzählt, die in ihrer Skurrilität an Raels Irrfahrt auf The Lamb lies down on Broadway erinnert. Geniale Breaks, erzählende Parts und aufwändige Arrangements finden sich auch hier (natürlich im Rahmen eines 6-Minuten-Songs). Allerdings klingen die Poets on a Pilgrimage wesentlich weniger düster als Genesis auf Peter Gabriels Schwanengesang.

„Supposed to learn” ist der kompakteste Song des Albums. Der Plot der Elias-Geschichte aus dem Alten Testament wird mit einem tough rockenden Prog-Song erzählt. Fantastisch! Die Eingangsverse nehmen in ihrer Eindringlichkeit sofort gefangen und der Quasi-Refrain „What am I supposed to learn“ bleibt lange im Ohr!

Hier müsste sich eigentlich ein Re-Issue-Label, wie MiG oder Sireena finden, das nach 25 Jahren einen amtlichen Re-Release an den Start bringt.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1Stupid! 6:29
2Supposed to learn 4:00
3Coffee Machines 6:02
4The other Side of the Mirror 8:44

Besetzung

Matthias Baus (Keys, Back Voc)
Lutz Frommberger (B)
Martin Hümmerich (Voc)
Thomas Metten (Dr)
Martin Hamsch (Git)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger