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Reviews

Bach, J. S. (Jacobs)

h-moll-Messe


Info

Musikrichtung: Barock

VÖ: 13.05.2022

(hm / harmonia mundi / 2 CD / 2021 / Best. Nr. HMM 202676.77)

Gesamtspielzeit: 104:00

Internet:

RIAS Kammerchor
Akademie für Alte Musik Berlin

PASSIERT DEN BESTEN

Dieser "Favoritensturz" verdankt sich nicht dem experimentellen Ansatz des verdienten Dirigenten René Jacobs, der bei der h-moll-Messe mit einer zwar historisch nicht zwingenden, aber plausiblen Struktur arbeitet: Er vertraut einige Teile (nämlich die im stilo antico komponierten) dem Chor in großer Besetzung, andere einem Kammerchor mit drei Sänger:innen pro Stimmgruppe an. Das Solistenensemble kommt zum einen bei den virtuosen Arien und affektgeladenen Ensembles (Qui tollis, Et incarnatus, Crucifixus) zum Einsatz, übernimmt zum anderen jedoch zusätzlich noch bestimmte "Einwürfe" bei den großen Chorsätzen. Das kann man alles so machen und es wäre vermutlich sogar klanglich reizvoll, wenn der Tutti-Chor nicht so unglücklich platziert worden wäre, dass er wie je seitlich weit hinter dem Orchester stehend und damit aus weiter Ferne tönt. Ein klares Manko bei einem Werk, das nun einmal in erster Linie ein Chorwerk ist.

Doch damit nicht genug der Enttäuschung: Ganz untypisch lässt Jacobs Chor wie Orchester über weite Strecken führungslos und auffallend spannungsarm dahindümpeln. Das fällt zum ersten Mal beim "Christe eleison" ins Ohr und setzt sich beim "Et in terra pax" fort. Zudem fehlt dem Chor im Credo, Gratias agimus tibi wie auch im Quoniam tu solus oder im Dona nobis pacem die notwendige Wucht. Das Crucifixus des "Solisten-Chors" kommt eingenartig undramatisch daher. Hinzu treten, neben einer nicht immer überzeugenden Solistenriege (v.a. mit kräftiger Portion Vibrato bei der Altistin), schließlich noch einige rätselhaft gewählte Tempi: Das Sanctus wird überhastet und flach dargeboten, das Agnus Dei hingegen zerfällt beinahe im analytisch betrachtenden Duktus.

Nicht verschwiegen werden soll, dass die Aufnahme gleichwohl starke Momente hat, so beim wunderbar sanften Et in unum Dominum, beim freudvoll-tänzerischen Osanna oder dem herrlich aufstrahlenden Et expecto. Zu einem Spitzenplatz vermag dies der Aufnahme indes nicht zu verhelfen.



Sven Kerkhoff

Trackliste

Disc 1
1 Kyrie eleison I 9'09
2 Christe eleison 4'50
3 Kyrie eleison II 3'11
4 Gloria in excelsis Deo 1'47
5 Et in terra pax 5'49
6 Laudamus te 4'13
7 Gratias agimus tibi 2'12
8 Dominus Deus 4'56
9 Qui tollis peccata mundi 2'46
10 Qui sedes ad dextram Patris 4'06
11 Quoniam tu solus sanctus 5'05
12 Cum Sancto Spiritu 4'09

Disc 2
1 Credo in unum Deum 2'18
2 Patrem omnipotentem 2'08
3 Et in unum Dominum 4'46
4 Et incarnatus est 2'28
5 Crucifixus 2'58
6 Et resurrexit 4'24
7 Et in Spiritum Sanctum Dominum 5'19
8 Confiteor 4'34
9 Et expecto 2'24
10 Sanctus. Pleni sunt coli 3'46
11 Osanna in excelsis 2'39
12 Benedictus 3'32
13 Osanna in excelsis 2'44
14 Agnus Dei 5'00
15 Dona nobis pacem 2'39

Besetzung

Robin Johannsen: Sopran
Marie-Claude Chappuis: Mezzosopran
Helena Rasker: Alt
Sebastian Kohlhepp: Tenor
Christian Immler: Bassbariton

RIAS Kammerchor
Akademie für Alte Musik Berlin

Rene Jacobs: Ltg.

So bewerten wir:

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06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger