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Reviews

Zakk Sabbath

Vertigo


Info

Musikrichtung: Doom Metal

VÖ: 04.09.2020

(Magnetic Eye)

Gesamtspielzeit: 41:38

Internet:

http://www.merhq.net

Nachdem er sich von Jake E. Lee getrennt hatte, brauchte Ozzy Osbourne wieder einmal einen neuen Gitarristen. Das Rennen machte der blutjunge Jeffrey Phillip Wielandt, der seine Lektionen u.a. bei TT-Quick-Gitarrist Dave DiPietro gelernt hatte und zusammen mit Bassist Bob Daisley und Drummer Randy Castillo auch ins Songwriting involviert war. Das erste gemeinsame Ozzy-Werk No Rest For The Wicked, 1988 erschienen, konnte noch nicht recht überzeugen, aber mit dem 1991er No More Tears gelang ein Volltreffer, und auch in den Folgejahren blieb Zakk Wylde, wie sich der Gitarrist nannte, mit einigen mehrjährigen Unterbrechungen an Ozzys Seite. Live stand selbstredend auch immer wieder altes Black-Sabbath-Material auf dem Programm, und zudem rief Wylde 2014 noch eine Black-Sabbath-Coverband namens Zakk Sabbath ins Leben, um diesem Stoff auch dann zu frönen, wenn Ozzy selbst mit Black Sabbath beschäftigt oder gesundheitlich unpäßlich war. 2017 erschien eine EP namens Live In Detroit, bevor die Idee entstand, auch Studiomaterial zu veröffentlichen: Das 50jährige Jubiläum des selbstbetitelten Black-Sabbath-Debütalbums rückte näher, und so kam der Gedanke auf, es komplett zu covern. Gesagt, getan: Black Sabbath hatten anno 1969 nur einen einzigen Tag für die Einspielung gebraucht (den 16. Oktober), sagt eine Überlieferung, während ein 2009er Interview von Martin Popoff mit dem Engineer Tom Allom von vier Tagen spricht: zwei für die Aufnahmen, zwei für den Mix. Wie auch immer: Zakk Sabbath eiferten ihnen in diesem Tempo nach und nutzten alte analoge Aufnahmemöglichkeiten, spielten das Gros vermutlich live im Studio ein und legten anschließend nur noch die wenigen notwendigen Overdubs drüber, etwa die Mundharmonika in „The Wizard“, falls Wylde nicht das Kunststück beherrschen sollte, gleichzeitig Gitarre und Mundharmonika zu spielen.
Die zentrale Frage ist nun: Was ist rausgekommen? Wylde und seine Mitstreiter Rob „Blasko“ Nicholson (Baß, auch in Ozzys Soloband aktiv) und Joey Castillo (Schlagzeug) halten sich sehr eng an den originalen Strukturen – der Unterschied liegt im Sound. Er ist nicht sehr groß – aber er ist da, und er ist in allen Instrumenten da, vor allem aber im Mix, der den Baß viel stärker ins Gesamtklangbild einbettet und ihm weniger akustischen Freiraum zugesteht, als Geezer Butler im Original hatte (obwohl der sich seinerseits im nachhinein beschwerte, dass er zu wenig davon gehabt hätte, und außerdem sei er noch nicht in der Lage gewesen, eigenständige Strukturen im Stile von Paul McCartneys Herangehensweise zu erschaffen, so dass er sich oft auf eine Doppelung der Gitarrenriffs zurückzog). Das soll selbstverständlich kein Vorwurf im Hinblick auf etwaige Unauthentizität sein, sondern lediglich eine neutrale Feststellung eines Unterschieds. In „N.I.B.“ wird der noch deutlicher, ist der Sound dort doch deutlich heller als im Original, und auch die Gitarrenarbeit etwa in „Warning“ offenbart, dass Wylde 50 Jahre mehr metallische (Hör-)Erfahrung ins Feld führen kann als Tony Iommi damals. Ins Gegenteil verkehrt sich diese Lage beim Gesang – da war man im Vorfeld besonders gespannt, wie Wylde das meistern würde. Ergebnis: Er trifft den Tonfall Ozzys ziemlich genau, allerdings in etwas dunklerer Farbe, was dem Hörer allerdings dann am deutlichsten auffällt, wenn er beide Scheiben nacheinander hört – Vertigo zum ersten Mal hörend und das Original lange nicht im Player gehabt habend, ist der Stauneffekt, wie nahe Wylde Osbourne kommt, deutlich stärker ausgeprägt, und die Unterschiedsanalyse bleibt dann den nächsten Hördurchläufen vorbehalten, während der Black-Sabbath-Gelegenheitshörer wahrscheinlich gar keinen Unterschied ausmachen wird.
Nun gibt es vom Black-Sabbath-Debüt ja zwei Fassungen, die europäische mit dem Crow-Cover „Evil Woman“ als Opener der B-Seite (das zuvor schon als Single erschienen und fürchterlich gefloppt war) und die US-Fassung, wo an dieser Stelle die Eigenkomposition „Wicked World“ steht, die man dann später auch noch auf Live At Last in einer durch endlose Soli auf fast 20 Minuten ausgedehnten Version hören konnte und die kurioserweise auch die B-Seite der gefloppten Evil Woman-Single gewesen war. Wylde ist US-Amerikaner, also stand zu vermuten, dass er sich an die US-Version halten würde, und das bestätigen dann auch die Tracklist und der erste Hördurchlauf – kurioserweise sind im Inneren des bookletlosen Digipacks aber auch die Komponisten- und Verlagscredits für „Evil Woman“ abgedruckt, obwohl der Song selber fehlt. Verstehe das, wer will – selbst wenn es auch Vertigo in zwei Pressungen geben sollte, sind die zusätzlichen Credits unlogisch, denn so viel an Druckkosten für den Digipack sparen kann man damit nun auch wieder nicht. Die Tracklist offenbart aber noch ein weiteres Kuriosum: Auf den verschiedenen Pressungen des Originals geht es munter durcheinander, was die Benennung von Intros als eigenständige Songs (wenn auf einem Album zehn Tracks standen, war das für die Band abrechnungstechnisch günstiger, als wenn es nur fünf gewesen wären – die Länge spielte bei den Abrechnungen keine Rolle, und so kam es beispielsweise auch dazu, dass etwa Yes ihre Monumentalnummern teils völlig willkürlich in Einzelsätze „zerlegten“) betrifft, und Vertigo offenbart hierfür auf der Digipackrückseite eine zusätzliche Variante, die der Rezensent bisher noch gar nicht kannte. „Wasp“, das Intro von „Behind The Wall Of Sleep“, gelegentlich auch als eigener Song ausgewiesen, fungiert hier anhand der Einrückungsstruktur als Übertitel für das Konglomerat aus „Behind The Wall Of Sleep“, „Bassically“ und „N.I.B.“, wobei „Bassically“ üblicherweise das Baßintro von „N.I.B.“ bezeichnet. Auf der B-Seite gibt es eine analoge Konstruktion, indem dort ein Song namens „A Bit Of Finger“ steht, zu dem „Sleeping Village“ und „Warning“ gehören, während „A Bit Of Finger“ üblicherweise nur die Bezeichnung für das Intro von „Sleeping Village“ ist. Und, seltsam genug: Die Trackprogrammierung entspricht genau dieser Struktur, so dass die CD insgesamt nur fünf Tracks hat, während auf dem CD-Label wiederum alle zehn Nummern gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Verstehe auch das, wer will – die untenstehende Tracklist gibt jedenfalls die auf dem Digipack zu findende und auf der CD programmierte Folge wieder, so ungewöhnlich sie in diesem Kontext auch sein mag.
Den meisten Hörern werden derartige Analysen freilich eher egal sein – sie wollen wissen, ob sich der Erwerb lohnt. Die Antwort auf diese Frage ist maßgeblich davon abhängig, ob man das Black-Sabbath-Debüt schon besitzt und, falls ja, ob man es so interessant findet, dass man eine sich von ihm nur in Details unterscheidende Alternativversion für reizvoll halten und sich genüßlich an die Auffindung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden machen möchte. Dem Durchschnittsmetaller sei allerdings erstmal zum Erwerb des Originals geraten, zumal Vertigo zwar auch optisch ans Original angelehnt wurde, aber stimmungsmäßig klar den kürzeren zieht, zumal die Unschärfestruktur hier genau so wirkt, wie sie nicht wirken soll: gezwungenerweise auf alt getrimmt. Zumindest diese Klippe kann die musikalische Darbietung auf alle Fälle umschiffen. Die Punktzahl unten wäre für das Original allerdings geringfügig höher, eben weil es das Original ist. Und den legendären sinistren Unterton des Openers Black Sabbath können Zakk Sabbath auch nicht hundertprozentig reproduzieren. Aber das kann vermutlich niemand.
Auffällig ist noch eins: die Spielzeit. Klar, man muß einkalkulieren, dass „Evil Woman“ zwei Minuten kürzer ist als „Wicked World“ – aber es bleibt der Fakt, dass sich Zakk Sabbath für die beiden großen Konglomerate jeweils eine halbe Minute mehr Zeit nehmen als Black Sabbath. Setze sich, wer will, jetzt mit einen Metronom hin und suche die Stellen, wo sie langsamer spielen oder aber zusätzliche Parts einbauen ... „Black Sabbath“ und „The Wizard“ hingegen stimmen fast sekundengenau überein.



Roland Ludwig

Trackliste

1. Black Sabbath (6:18)
2. The Wizard (4:27)
3. Wasp (10:40)
3.1 Behind The Wall Of Sleep
3.2 Bassically
3.3 N.I.B.
4. Wicked World (5:16)
5. A Bit Of Finger (15:11)
5.1 Sleeping Village
5.2. Warning

Besetzung

Zakk Wylde (Voc, Git, Harmonica)
Rob „Blasko“ Nicholson (B)
Joey Castillo (Dr)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger