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Reviews

Hattler

Sundae


Info

Musikrichtung: Fusion

VÖ: 12.11.2021

(36music)

Gesamtspielzeit: 66:16

Internet:

http://www.hellmut-hattler.de/
https://www.bassball.net/
https://brokensilence.de/

Der Ulmer Bassist Hellmut Hattler ist den meisten Musikliebhabern sicher bekannt durch die Band Kraan, die 1971 von ihm mitbegründet wurde. Bereits 1978 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum, "Baseball". Es folgten zahlreiche weitere Alben, und das aktuelle ist nun Sundae.

Von den vierzehn neuen Stücken sind die Tracks 4, 5, 8, 11, 12 reine Instrumentaltitel, die übrigen weisen Fola Dada als Leadsängerin aus und gelegentlich greift auch Hattler zum Mikrofon. "Can We Run" wird von Sebastian Lilja gesungen.

Wie bereits auf den vorherigen Veröffentlichungen wird die Musik grundsätzlich von diesem sanften Groove bestimmt, dessen Hauptbestandteil dieser schnurrende Bass-Sound ist. Und dieser ertönt auch nicht zwingend immer im tiefen Bass-Keller, denn Hattler setzt sein Können auf dem gesamten Griffbrett des Instruments ein, so dass der Bass über die reine Rhythmus-Funktion hinausgeht.

Musikalisch wurde tief in die Geschichts-Kiste gegriffen, auch in die eigene, und so ist auch der ehemalige Mitstreiter Joo Kraus mit Trompete und Flügelhorn präsent. Anklänge an Kraan finden sich ebenso wie eine Hinwendung zur Fusion-Bewegung der Siebziger und Achtziger. Allerdings hier ist es weniger die stark ausgeprägte solistische Ausprägung der Siebziger mit teils ausufernden Solo-Exkursionen einzelner Instrumentalisten, hier wird strukturierter gearbeitet. Auch auf dem längsten Titel, dem Titelsong, der über 7:04 läuft, bleibt es relativ ruhig und geschmeidig, hektisches Solieren ist nicht angesagt.

Vielmehr sind es einzelne Instrumente wie die E-Sitar oder Gitarre von Torsten de Winkel oder die Blasinstrumente, die wesentlicher zur Auskleidung des Gesamtsounds beitragen. So ist dieses sicherlich auch mit persönlichen Vorlieben zu verbinden. Mir zum Beispiel fehlen der eine oder andere konzentriertere Solobeitrag, um die fast durchgehende eingängige Stimmung ein wenig zu unterbrechen. Mitunter erscheint es mir beim einen oder anderen Song, dass hier Basic Tracks darauf warten, vervollständigt zu werden, Beispiel "Die blaue Frau". Darüber hinaus gewinnt dadurch der Bass eine stark tragende Rolle, die ich mitunter als zu sehr präsent empfinde.

Aber ich muss auch auf die Ausnahmen verweisen. "Acid Blues No.1" ist eine solche. Hier höre ich die Band wirklich in Gemeinsamkeit, dieses ist ein toller Song mit einem an Wes Montgomery erinnernden Torsten de Winkel, mit einem perfekten Bläserarrangement und einem hervorragend dichten Ensemblespiel. Real funky obendrein! Ein Song, der an die besten Zeiten des groovenden Soul Jazz erinnert, wie er seinerzeit auf Verve Records präsentiert wurde. Ähnlich positiv sehe ich den "Anaheim Jive" mit recht jazzig ausgeprägtem Charakter im Fusion-Gewand.

"Silently Sliding" besticht durch eine coole Lounge-Stimmung, gestresste Seelen könnten hier gut abspannen, dieser Song weist einen stark kommerziell geprägten Charakter auf, ist letztlich gut arrangiert und zugänglich und recht angenehm. Eine wiederum ganz andere Richtung schlägt das "Lieblingslied" ein. Von Streichern untermalt, mit einer Grundierung durch das Piano und das sanft eingesetzte Flügelhorn kann Hattler darüber seinen Bass setzen mit seiner Melodieführung, diesen Song zähle ich auch zu den Höhepunkten des Albums.

"Random Conversation" hingegen bedient sich reichlicher Elektronik und durch die Beats und das Sound Shaping von Peter Musebrink wirkt er im Verhältnis zu den übrigen Songs dann doch eher künstlich und kalt. Ein kurioses Stück ist der "Rotten Rolls", der total nervös und in gewisser Weise völlig durcheinander wirkend für mich der schlechteste Song der Platte ist. Ansonsten - eigentlich typisch Hattler, der mit Sundae dieses Fundament nur noch gefestigt hat.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 The Times We Never Had
2 Faking News
3 Sundae
4 Die blaue Frau
5 Acid Blues No.1
6 Pride
7 Silently Sliding
8 Call
9 Random Conversation
10 Rotten Rolls
11 Anaheim Jive
12 Lieblingslied (String Version)
13 Can We Run
14 No Bass No Fame

Besetzung

Hellmut Hattler (basses, vocals)
Fola Dada (vocals)
Martin Kasper (keys, beats)
Oli Rubow (drums)
Moritz Müller (drums)
Torsten de Winkel (guitar, E-sitar)
Jürgen Schlachter (drums, percussion)
Ali Neander (guitar)
Martin Meixner (organ)
Joo Kraus (trumpet, fluegelhorn)
Peter Musebrink (additional e-beats, beats & sounds, sound shaping)
Sebastian Lilja (vocals)
Andrea Staton (violin)
Consuelo Valdes (violin)
Maria Braun (viola)
Anne Schuhmacher (violincello)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger