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Reviews

Carolyn Wonderland

Tempting Fate


Info

Musikrichtung: Blues Rock

VÖ: 29.10.2021

(Alligator Records)

Gesamtspielzeit: 43:16

Internet:

https://carolynwonderland.com/
https://www.alligator.com/
https://www.in-akustik.de/

Die 1972 in Houston geborene Carolyn Wonderland ist einigen Blues und Blues-Rock-Liebhabern möglicherweise erst bekannt geworden, seit sie 2018 Mitglied in der Band von John Mayall wurde. Und das kann sicher auch als Auszeichnung für die Gitarristin gelten, denn von Beginn an war Mayall schließlich darauf bedacht, stets individuelle und sehr gute Gitarristen in seine Bands aufzunehmen.

Nun, Carolyn's Karriere startete im Alten von fünfzehn, mit ihrem ersten Auftritt, nachfolgend war sie Mitglied in einer Band namens Imperial Monkeys. Musikalisch war sie nicht nur im Blues, sondern auch in den Genres Country, Swing, Zydeco, Gospel und Soul unterwegs. Nach ihrem Debüt als Solistin, das war 2001, legt sie nun mit Tempting Fate ihr siebtes Soloalbum vor, im Übrigen ihr Debüt-Album für das renommierte Label Alligator Records.

Zehn Songs werden geboten, davon meistens Eigenkompositionen, gecovert wurden "The Laws Must Change" (John Mayall), "Honey Bee" (Billy Joe Shaver), "It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Lot A Train To Cry" (Bob Dylan) und "Loser" (Jerry Garcia/Robert Hunter). Doch die ersten fünf Songs sind Eigengewächse, der "Broken Hearted Blues" ist co-written mit Greg Rzab.

Und mit "Fragile Peace And Certain War" wird dann auch ganz gewaltig auf den Sound der Lap Steel gesetzt, ein mächtig druckvoller Slide-Sound kennzeichnet diesen rasch davon galoppierenden Song, der sich offensichtlich mit Krieg und fragilem Frieden beschäftigt, ja, Blues hatte sich eigentlich schon immer mit aktuellen Themen beschäftigt. Und wenn die Musik von Carolyn auch kein klassischer und reiner Blues in traditionellem Sinne ist, so strahlt sie dieses Feeling jedoch stets aus. Mit "Texas Girl And Her Boots", dem Song über die ganzen Stiefel, die ein "Texas Girl" so haben muss, strahlt die Protagonistin etwas aus, das mich spontan an die Musik von Stevie Ray Vaughan erinnert.

"Broken Hearted Blues", hier singt die Protagonistin mit absolut überzeugender und kraftvoller Stimme das heraus, um was es geht, ein gebrochenes Herz eben, und wie auf allen Songs ist ihr Gitarrenspiel überzeugend und mit einer individuellen Note ausgestattet, nicht unbedingt sehr modern ausgerichtet, sich an der Tradition von Bluesgitarristen orientierend und mit Feeling. Abwechslung gibt es dann, wenn zum Beispiel Red Young bei "Fortunate Few" zum Piano greift. Das Gitarrensolo des Songs ist für mich eines der Höhepunkte des Songs, das Solo ist kurz, aber intensiv und sehr feinfühlig. Darüber hinaus ist dieses Stück eines, bei dem sich die Protagonistin, wie man es so formuliert, "die Seele aus dem Leib singt", sehr intensiv im Ausdruck.

Bei "Crack In The Wall" wird sie dann stimmlich ein wenig sanfter, aber nicht weniger intensiv, Cindy Cashdollar an der Lap Steel und Jan Flemming am Akkordeon geben dem Song noch die richtige Würze und so ist stets für Abwechslung gesorgt, also nicht nur Blues in traditionellem Sinne oder im Rockgewand werden geboten, sondern hier schwebt gar ein wenig Tex-Mex-Balladen-Stimmung durch den Raum.

"The Laws Must Change", ein Song von John Mayall von seinem Live-Album "The Turning Point, seinerzeit mit Jon Mark, Steve Thompson und John Almond eingespielt, gewinnt in der Coverversion eine ganz andere Ausstrahlung durch die "Elektrifizierung", leicht cool und funky vorgetragen. Cajun-Stimmung verbreitet "Honey Bee", "On My Feet Again" bringt nun auch noch eine locker swingende Jazz-Atmosphäre ins Spiel, inklusive einer Pfeif-Einlage (hallo Ilse Werner!) und das Duett mit Jimmy Dale Gilmore bringt dann eine Fassung des Dylan-Originals, das den Begriff des Blues' recht erweitert. Und nun zum längsten Song des Albums - von Grateful Dead, klar - Jam-Charakter! Und so hat sich Carolyn dann auch noch einen zweiten Gitarristen an Bord geholt, Dave Alvin spielt das zweite Solo. Wie zu erwarten war, kommt dieser Titel in von Grateful Dead bekannter entspannter Stimmung, nun weit weg vom Blues, insofern ein feiner Rock-Song zum Abschluss, in den sich Carolyn stimmlich noch einmal voll hineinkniet, von ganz sanft und zart bis heftig explodierend. Ein aus meiner Sicht hervorragender Abschluss einer Platte, die sehr abwechslungsreich ist und ganz weit über den Tellerrand des Blues schaut.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Fragile Peace And Certain War (3:58)
2 Texas Girl And Her Boots (4:20)
3 Broken Hearted Blues (4:52)
4 Fortunate Few (3:24)
5 Crack In The Wall (3:11)
6 The Laws Must Change (4:59)
7 Honey Bee (4:25)
8 On My Feet Again (for Russ) (2:59)
9 It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry (with Jimmie Dale Gilmore) (3:47)
10 Loser (7:15)

Besetzung

Carolyn Wonderland (vocals, lead guitar, lap steel - #1, whistling - #8)
Bobby Perkins (bass)
Kevin Lance (drums, background vocals - #7)
with
Dave Alvin (rhythm guitar - 1, 2, 5, second lead guitar - #10)
Red Young (organ -# 3, 6, piano - #4, 8)
Marcia Ball (piano - #2)
Cindy Cashdollar (lap steel - #5, 9)
Shelley King (background vocals - #2, 7, 10)
Jan Flemming (accordion - #5, 7)
Jimmie Dale Gilmore (vocals - #9)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger