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Reviews

Deep Purple

Turning To Crime


Info

Musikrichtung: Classic Rock

VÖ: 26.11.2021

(earMUSIC/Edel)

Internet:

https://deeppurple.com/

Recht verhaut schauen die Jungs von Deep Purple auf den Promofotos aus. Vor allem Bassist Roger Glover und Sänger Ian Gillan haben keine Angst vor windigen Frisuren und haben sich alle im Stil von polizeilichen Fahndungsfotos ablichten lassen. Turning To Crime – die Hinwendung zum Verbrechen also. Dann schauen wir doch mal, was die Haudegen diesmal „verbrochen“ haben…

Zuerst war ich sehr erstaunt, dass Deep Purple schon wieder ein neues Album am Start haben. Aber nach der kurzen Info der Plattenfirma wird klar: Diesmal haben sie ein Cover-Album abgeliefert. Bei der Auswahl ihrer Vorbilder haben Deep Purple nicht davor zurückgeschreckt, auf unbekannte Stücke zurück zu greifen. Ein paar übliche Verdächtige wie Little Feats „Dixie Chicken“ oder Creams „White Room“ konnte man vielleicht erwarten, aber einige Titel sagen mir hier rein gar nichts.

„7 & 7 Is“ kenne ich schon von Rush oder von den Ramones, doch was machen Deep Purple daraus? Steve Morse zieht ein geniales Solo ab, Ian Paice und Roger Glover bilden einmal mehr ein äußerst präzises Rhythmusgespann. Soundmäßig hat Produzent Bob Ezrin wieder alles richtig gemacht und setzt die Veteranen äußerst gekonnt in Szene.

Johnny Rivers „Rockin' Pneumonia And The Boogie Woogie Flu“ ist eine lässige Boogie-Woogie-Nummer. Mir sagen weder Titel noch Künstler etwas. Der Song verbreitet extrem gute Laune, Don Airey klimpert nach Herzenslust. An diesem Stück hätte der gute Jon Lord seine Freude gehabt!

„Oh Well“ kennt man von Fleetwood Mac. Hier bleibt das Quintett nah am Original, jedoch nur bis zum Mittelteil. Hier wird der Song durch den Deep-Purple-Fleischwolf gedreht. Gitarrist Steve Morse hebt zum Solo ab und baut eine wahre Klangkathedrale auf. Ich spiele dazu Luftgitarre, vergesse alles um mich herum und bin hin und weg.

Bei „Jenny Take A Ride“ von Mitch Ryder geht es direkt nach Detroit. Alice Cooper hat ja auch vor kurzem seine Leidenschaft für diese Stadt und deren Rock’n’Roll-Verdienste in Vinyl gegossen. Die flotte Rock’n’Roll-Nummer geht richtig gut ab, hier kann bedenkenlos das Tanzbein geschwungen werden. Die Orgel von Don Airey (es lebe die Hammond B3) ist der Oberhammer!

B. B. King hat den Song „Let The Good Times Roll“ auch schon gespielt, das Ganze erinnert mich an eine Las Vegas-Showband. Hier swingt es ganz ordentlich mit einer gehörigen Jazz-Schlagseite.

„Dixie Chicken“ von Little Feat wird von Steve Morse mit einer feinen Slide-Gitarre veredelt. Die Band legt eine Spielfreude an den Tag, dass es eine wahre Freude ist. Die Herren müssen einen großen Spaß im Studio gehabt haben!

„The Battle Of New Orleans“ ist mit Sicherheit die ungewöhnlichste Nummer auf dieser Scheibe. Das Stück wurde bereits 1959 von Johnny Horton aufgenommen und beschreibt eine Schlacht aus der Sicht eines amerikanischen Soldaten. Ein wenig Marschmusik und Country beherrschen Deep Purple mühelos, besonders ernst nehmen sie sich dabei nicht. Die Männer haben Humor, das haben sie ja schon öfters bewiesen.

Ein Highlight ist für mich „Lucifer“ von Bob Seger System. Mir war der Song nicht bekannt, Deep Purple setzen ihn perfekt in Szene. So perfekt, dass ich mir im Anschluss sofort das Original von Bob Seeger reinziehe. Um dann festzustellen, dass mir die Version von Deep Purple besser gefällt.

„Caught In The Act“ ist ein cooles Medley, bei dem z. B. Led Zeppelins „Dazed And Confused“ oder „Gimme Some Lovin“ von der Spencer Davis Group verwurstet werden.

Auf der Scheibe befinden sich sehr exklusive und teilweise unbekannte Songs, die ich so garantiert nicht erwartet hätte. Auch kann man Coveralben bekanntlich auf verschiedene Weisen angehen. Deep Purple haben sich die Stücke einverleibt, sie im Grunde im Original gelassen, aber überall ihren unnachahmlichen musikalischen Stempel aufgedrückt. Ich habe großen Spaß beim Anhören und bei jedem Durchlauf erhöht sich der Suchtfaktor. Ob es Don Aireys Klasse Orgelpassagen sind, oder das feine Schlagzeug von Ian Paice in Verbindung mit Roger Glovers Bass, die unnachahmlichen Solos von Steve Morse denen ich stundenlang zuhören kann – Deep Purple sind ein ganz eigenes Metier, ein eigener Qualitätsstandard und ein eigenes musikalisches Universum. Ian Gillan singt grandios, songdienlich und hat mit Bob Ezrin einen Produzenten gefunden, der ihn immer hervorragend aussehen lässt.

So macht Musik Spaß, und so kann man auch ein Coveralbum an den Mann bzw. an die Frau bringen! Für Vinylfans gibt es mehrere Wahlmöglichkeiten, einmal schwarz, purpur oder kristallklar. Für Fans dieser Art von Musik und Deep-Purple-Fans sowieso mit Sicherheit ein gutes Weihnachtsgeschenk!



Stefan Graßl

Trackliste

17 And 7 Is
2Rockin' Pneumonia And The Boogie Woogie Flu
3Oh Well
4Jenny Take A Ride!
5Watching The River Flow
6Let The Good Times Roll
7Dixie Chicken
8Shapes Of Things
9The Battle Of New Orleans
10Lucifer
11White Room
12Caught In The Act (Medley)

Besetzung

Ian Gillan: Vocals
Ian Paice: Drums
Roger Glover: Bass Guitar
Steve Morse: Guitar
Don Airey: Keyboards, Organ

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger