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Reviews

Borta På Vinden

Same (EP)


Info

Musikrichtung: Rock-Pop-Ska-Fusion

VÖ: 15.10.2021

(Paraply Records)

Gesamtspielzeit: 19:35

Internet:

https://www.paraplyrecords.se/
https://www.hemifran.com/news/

"Vom Winde verweht", so in etwa wird wohl Borta På Vinden zu übersetzen sein. Das ist der Name einer schwedischen Band, die mit einer mir nicht bekannten und hochgelobten Veröffentlichung mit dem Titel "Borta På Vinden: Svensk Rock, Funk och Ungdomsgårdsdisco 1976 - 1982" in Verbindung steht.

Im letzten Jahr veröffentlichte die Diskothek Kyrkan in Stockholm einen Remix eines alten lokalen Hits der Band, "Miny Nya Disco Jeans". Der Song avancierte zum wahren Hit in ganz Schweden und wurde vom Svenska Dagbladet auch entsprechend lobend erwähnt. Das war ein Startschuss dafür, alte Songs wiederzuveröffentlichen, zunächst digital, anschließend physisch. Auf dieser EP, die mit vier Songs angegeben ist, gibt es tatsächlich sechs Titel.

Die mit dieser EP vorgestellten Tracks werden also nachgelegt, sie wurden 1980-1981 eingespielt. Diese Songs sollen sich mit diesen Themen beschäftigen: Arboga Tidning, Kaj (Dimmornas Bror), Ingemar Stenmark und John Wayne. Klar, John Wayne ist mir bekannt, aber sonst? Arboga Tidning ist wohl eine Zeitung, zum zweiten konnte ich nichts finden, und Ingemar Stenmark ist ein ehemaliger schwedischer Ski-Rennläufer. Wie meine bescheidenen Schwedisch-Kenntnisse es vermögen zu deuten, sind alle diese Songs von Peter Holmstedt komponiert worden. Ja, genau - Peter Holmstedt von Hemifran.... Ja, und er ist auch als Musiker beteiligt, siehe Line-up.

Borta På Vinden war aktiv von 1979 bis 1982. Veröffentlicht wurden eine Single, eine Kassetten-EP und zwei Songs auf einer Kompilation namens "Bara Skräp?" Während jener Tage war die Band live recht aktiv, spielte live in einem Radioprogramm und etliche Zeitschriften berichteten über die Aktivitäten. In etwa fünfzig Songs von Peter Holmstedt habe man eingespielt, und es gibt wohl noch weitere fünfzig, die noch nicht aufgenommen wurden. Ich denke, da wird es doch höchste Zeit für eine Reunion?

So, wir starten in unbekannte Welten, mit "Ingemar Åker Störtlopp" geht es los im treibenden Ska-Rhythmus. Da schwebe ich gedanklich genau in diese Zeit, in der diese Aufnahmen auch entstanden, und lande bei Bands wie Madness, The Beat, The Selecter oder The Specials, oder bei den niederländischen Nachbarn Gruppo Sportivo. Die verzerrte E-Gitarre legt sich über den zum Tanzen anregenden Rhythmus wie eine besondere Zutat aus einem anderen Genre. Die Stimmung setzt sich entsprechend fort im zweiten Titel.

Die Songs sind in schwedischer Sprache verfasst, und so stellt diese im Vergleich zur Musik oben genannter Bands eine Besonderheit dar, die sich auf diese Weise anders einfügt, weniger geschmeidig, dafür mit mehr Ausdruck in Richtung Pop-Rock. Ausgerechnet beim Song "AT Reggae" werden die Anteile von Reggae relativ reduziert und ein Stück vorgelegt, dass man heute vielleicht in die Schublade Indie Rock packen würde. Und mit "John Wayne" sind wir nun endgültig im Rock mit Pop-Anleihen angekommen. Dieser Song atmet zudem eine ganze Menge von Musik der Sixties, sei es der Aufbau, die Harmony Vocals oder die Stimmung grundsätzlich. Auch hier wieder auffällig die leicht verzerrte E-Gitarre, die für mich einen klaren Hinweis auf die sechziger Jahre bietet. Diese Art wurde seinerzeit oft so verwendet.

Und noch mehr Facetten werden inmitten dieser Sammlung von sechs Songs geboten. Rotzig-frecher Gesang und eine frisch und zügig drauflos spielende Band lassen mich gedanklich schweifen hin zum sechziger Garagen-Rock aus den USA, mit einer leichten Punk-Attitüde, das ist "Hatets Sång", in noch nicht einmal zweieinhalb Minuten abgehandelt, echt retro, dieses Feeling. Doch auch im Blues hat man sich versucht, wie so viele Bands. Trotz des englischen Titels "Juice Blues" wird auch hier in Schwedisch gesungen, bis auf einige Textzeilen. Auch dieser Titel klingt so gar nicht nach der Zeit, als die Musik entstand. Spontan muss ich hier an die Zeit des British Blues Booms der Sechziger denken, auch das Gitarrensolo passt perfekt in jene Zeit, ein wenig klingt es in Richtung Savoy Brown.

Alles in Allen ist mit dieser Zusammenstellung ein repräsentativer Überblick gelungen, die eine bisher, ausser wohl in Schweden, unbekannte Band zeigt, die einerseits mit dem Material offensichtlicher Vorbilder arbeitet, andererseits aber auch versucht hat, ein eigenes Profil zu etablieren. Doch diese Mischung von Musik, die sich klanglich zwischen den Sixties und den Eighties bewegt, lässt noch keinen Rückschluss zu, welche Richtung tatsächlich angestrebt war und welche Kernaussage bei der Gestaltung der Songs steckt. Allein mit diesen sechs Songs kann man drei bis vier verschiedene Stilrichtungen ableiten. Ich bin gespannt, was da noch kommt..., nun, wo sie nicht mehr "vom Winde verweht" sind...



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Ingemar Åker Störtlopp
2 Kaj, Dimmornas Bror
3 AT Reggae
4 John Wayne
5 Hatets Sång
6 Juice Blues

Besetzung

Anders Larsen (vocals, guitar)
Eva Öberg (vocals, percussion)
Peter Holmstedt (vocals, guitar, drums)
Jari Paananen (guitar)
Per Wassberg (bass)
Peter Wanloo (vocals, drums)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger