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Reviews

Buxtehude, D. (Arcangelo)

Triosonaten Opus 2, BuxWV 259-265


Info

Musikrichtung: Barock instrumental

VÖ: 01.10.2021

(Alpha / Note 1 / CD DDD / 2020 / Best. Nr. Alpha 738)

Gesamtspielzeit: 71:25

BUXTEHUDES ZAUBERGÄRTEN

Unerschöpflich scheinen die Ideen zu sein, mit denen Dietrich Buxtehude bei seinen sieben Triosonaten Opus 2 aus den späten 1690er Jahren zu Werke geht und einen nicht enden wollenden Strom herrlich fantasievoller und verspielter Musik erzeugt. Dabei bedient er sich aus der Fülle der am Ende des 17. Jahrhunderts reich entwickelten europäischen Stilformen: Er verknüpft den italienischen Klassizismus eines Corelli mit der Virtuosität von Österreichern wie Biber oder Muffat, der liedhaften Eingängigkeit englischer Musik à la Purcell sowie der rhythmischen Raffinesse und klanglichen Delikatesse der französischen Meister. Das ist noch kein "vermischter", aber "gemischter" Stil, der trotzdem nicht beliebig wirkt.
Zusammengehalten werden diese kleinen Universen nämlich durch Buxtehudes Gespür für eine tonale, dabei abwechslungsreiche Harmonik, die ausgewogenen Proportionen, seine motivische Wendigkeit und nicht zuletzt eine überragende Beherrschung des Kontrapunkts. Hier singt jeder Part in seiner eigenen Stimme und zugleich mit allen anderen zusammen. Kein Wunder, dass Johann Sebastian Bach bei ihm studieren wollte!

Dieses Opus 2 mit Triosonaten im „stylus phantasticus“ ist beim Ensemble „Arcangelo“, das 2017 bereits das nicht minder originelle Opus 1 vorgelegt hatte, wieder in besten Händen. Dessen Zugang wirkt so natürlich und entspannt, dass die Musik sich trotz ihrer Komplexität ganz selbstverständlich entfaltet.
Insbesondere das fragile Gleichgewicht zwischen der von Natur aus brillanteren Violine und der diskreteren Gambe ist ausgezeichnet gelöst, nimmt sich Geigerin Sophie Gent doch zurück, ohne es an lebendiger Gestaltung missen zu lassen. Der schlanke Silberton ihrer Violine und das gedämpftere Klangspektrum der Gambe von Jonathan Manson ergänzen sich komplementär, spielen ineinander wie Licht und Schatten – erst beides zusammen ergibt das volle Bild.
Wobei der überaus feinsinnig und luftig dargebotene Basspart von Cembalo und Laute nicht fehlen darf! Der famose Thomas Dunford und Ensembleleiter Jonathan Cohen bringen auf ihre Weise Buxtehudes Kontrapunkte zum Funkeln, indem sie die Stücke mit gebrochenen Harmonien durchwirken, das Spiel der Violine und Gambe immer wieder neu ausleuchten und sich an der allgemeinen Fabulierfreude des Komponisten beteiligen.

Mit diesen Musikern entfalten Buxtehudes zauberische barocke Irrgärten eine unwiderstehliche Anmutung. Nur zu gerne lässt man sich in sie entführen, um sich darin zu verlaufen … und am Ende doch immer wieder wohlbehalten herauszufinden, bereit für das nächste Abenteuer.



Georg Henkel

Besetzung

Sophie Gent, Violine
Jonathan Manson, Viola da Gamba
Thomas Dunford, Laute
Jonathan Cohen, Cembalo und Leitung

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger